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Heute ist der: 08.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Primetime-Wiederholungen

TATORT-Koordinator
Gebhard Henke  zur Sommerpause

Gebhard Henke klingt ein bisschen genervt. "Das Thema", schnauft der Fernsehspiel-Chef des WDR, der nebenbei die Berufsbezeichnung "TATORT-Koordinator" trägt, "kommt doch alle Jahre wieder auf". Aber ein Thema, wenn auch eines, das ein bisschen zur Gewohnheit wurde, ist es nun mal, wenn im "Sommerloch" plötzlich auch am Sonntagabend TATORT-Wiederholungen auftauchen - keine besonders schöne Tradition, mit der sich die ARD da schmückt. Der TATORT sei "ein hochwertiges, gut gemachtes, teures Produkt", entgegnet Henke. "Ich freue mich, dass man die Gelegenheit hat, das öfter zu zeigen. Und wenn ein Film 25 Prozent Sehbeteiligung hat, heißt das ja, 75 Prozent haben ihn noch gar nicht gesehen.

Prof. Gebhard Henke ist Fernsehspielchef des WDR und zugleich der ARD-TATORT-Koordinator © WDR/Herby Sachs

Das ist eine Ansicht. Eine andere war unlängst in der BILD zu lesen: "Gähn gegen Gebühren" - und dazu gleich die Frage: "Müssen TV-Zuschauer sich das gefallen lassen?". Provokant, aber nicht unberechtigt, angesichts der geballten Wiederholungsflut in diesen Tagen - in ARD und ZDF wohlgemerkt.

Unterschiede bei Quoten

Zweifellos ein gutes Argument für den Griff ins TATORT-Archiv: Es gibt ein Wiedersehen mit einigen der stärksten Filme der Reihe. Wie Satisfaktion (WDR, 2007), wo sich Axel Prahl als Kommissar Thiel und Jan Josef Liefers als Pathologe Prof. Karl-Friedrich Boerne so wunderbar charmant und witzig die Bälle zuspielen. 6,8 Millionen Zuschauer verfolgten die Wiederholungssendung am 12. Juli: fast 22 Prozent Marktanteil. Die Erstsendung sahen 7,43 Millionen, der Marktanteil war da mit 19,4 Prozent sogar noch etwas geringer als nun bei der Neuansetzung.

Ganz anders sah es allerdings eine Woche später aus: Der Bremer TATORT Schwelbrand mit Jeanette Biedermann kam bei seiner (bereits dritten!) Wiederholung am 19. Juli mit Ach und Krach über die Fünf-Millionen-Marke. 5,18 Millionen Zuschauer und eine Sehbeteiligung von 16,6 Prozent dürften die Programmmacher kaum zufrieden stellen - die fünf Jahre alte "Rosamunde Pilcher"-Schmonzette im Zweiten erreichte über 700.000 Zuschauer mehr (5,9 Millionen, 18,8 Prozent Marktanteil) ...

"Geradezu sensationell"

"Sie tragen ja einen Anzug auch nicht nur einmal", hebt Gebhard Henke mit wenig Lust auf eine Quotendebatte an. Tatsächlich sei es so, dass die ARD schlicht und einfach nicht über genügend neu produzierte TATORT-Filme verfüge, um alle Sonntage mit Erstausstrahlungen bestücken zu können. Der TATORT-Koordinator rechnet vor: Das Jahr hat 52 Wochen, die ARD-Sender lassen 37 TATORTe und neun Polizeiruf 110-Filme produzieren. Ergo wird über sechs Wochen lang am Sonntagabend im Ersten aus der Konserve gesendet - "über nur sechs Wochen", unterstreicht Henke. In Zeiten klammer Kassen sei dies doch "geradezu sensationell". Henke: "Ich erinnere mich noch gut, dass es früher mindestens drei Monate lang nur Wiederholungen zu sehen gab."

Aber wenn schon Wiederholungen, warum dann, zumindest auf diesem Sendeplatz, ausschließlich frische? Keine der Wiederholungen, die derzeit zu sehen sind, ist älter als drei, vier Jahre, die Krimis sind bei TATORT-Fans alle noch in bester Erinnerung. - Ganz einfach weil sich, so Henke, der Zuschauer sehr viel schwerer tue mit älteren Stoffen. "Das Gros der Zuschauer ist an den TATORTen interessiert, die zwischen zwei und fünf Jahren alt sind", weiß er. Außerdem verweist Henke auf nächtliche Sendeplätze in den Dritten, wo durchaus auch mal TATORTe aus den früheren Jahrzehnten laufen. Die Leidenschaften der Fans würden also ausgiebig berücksichtigt.

© ARD/SF DRS/ORF

"Es geht um Geld"

Welcher ARD-Sender wie viele TATORTe im Jahr produzieren kann, hängt grundsätzlich in erster Linie von der Größe der Sendeanstalt ab. Gleiches gelte, so Gebhard Henke, für die Zahl der gesendeten Wiederholungen. "Es gibt ein Wiederholungshonorar, da geht es um viel Geld. Es ist also klar, dass wir nicht zum Beispiel Radio Bremen bitten können, zehn TATORT-Wiederholungen im Jahr zu zeigen. Da müssen die Größeren mehr stemmen als die Kleinen." Bei der Auswahl der Filme fürs Sommerloch spielten aber noch verschiedene andere Aspekte eine Rolle - auch inhaltliche: "Sie können einen Krimi, der im Karneval oder an Weihnachten spielt, ja schlecht im August zeigen", sagt Henke. Natürlich flössen auch Anregungen der Zuschauer und Vorschläge der Sender in der Auswahl der Wiederholungen ein. "Unsere Erfahrung ist aber, dass der Zuschauer die Abwechslung mag. Unterschiedliche Teams, Städte, Dialekte, regionale Einfärbungen - darauf achten wir auch bei den Sommer-Wiederholungen."

"Fantastisches Paket"

Dass der TATORT aus Münster zuletzt so erfolgreich in der Wiederholung lief, überraschte indes niemanden wirklich - schon gar nicht beim WDR, wo man weiß, dass die Humorfarbe des Duos Prahl/Liefers immer beliebter wird. "Die beiden kommen an. Besonders die jungen Leute lieben diesen Humor. Wir haben dann beim TATORT manchmal eine Zuschauerverteilung fast wie bei ProSieben", freut sich der WDR-Fernsehspiel-Chef, der dann in seiner Argumentation noch einen besonderen Trumpf aus dem Ärmel zieht: Seit 12. Juli läuft auf dem Sendeplatz von "Anne Will", die in der Sommerpause ist, also direkt im Anschluss an den TATORT, der neue Schwedenkrimi "Irene Huss, Kripo Göteborg". - Ein insgesamt, so Henke, "fantastisches Paket, das ich mir als echter Krimi-Fan gerne von Anfang bis Ende anschaue".

Frank Rauscher (Teleschau-Mediendienst)


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