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"Demokratie stirbt in Finsternis"

Lohnt sich der Polizeiruf heute?

Die Frankfurter Kriminalkommissarin Lenski und ihr Kollege Raczek ermitteln gemeinsam schon zum 5. Mal im Polizeiruf – diesmal in der brandenburgischen Pampa. Wir haben uns den Polizeiruf Demokratie stirbt in Finsternis vorab angeschaut, um die Frage zu klären: Lohnt sich der Polizeiruf? Lieber einschalten oder wegschalten?



Bei Olga Lenski und ihrer Tochter wurde eingebrochen. Ihr Kollege Adam Raczek will herausfinden, wer für den Einbruch verantwortlich ist. Bild: rbb/Oliver Feist

Worum geht es?

Über Nacht wird in die Wohnung von Olga Lenski eingebrochen. Dabei wird sie und ihre Tochter von den Tätern beim Schlafen mit dem eigenen Handy gefilmt. Während ihr Kollege Adam Raczek um seine Kollegin besorgt ist und nach den Einbrechern fahndet, nimmt sich Lenski nach den Erlebnissen auf einem abgelegenen Bauernhof eine Auszeit. Dort trifft sie auf den Besitzer, Lennard Kohlmorgen, und seine beiden Kinder. Die Familie lebt auf dem abgeschiedenen Hof vollkommen autark.

Kurze Zeit nach Lenskis Ankunft wird die Leiche von Valeska Kohlmorgen am Rande eines Waldsees gefunden. Die Ehefrau und Mutter ist vor wenigen Wochen erst ausgezogen. In den Fokus der Ermittlungen gerät ihr Ehemann. Es ist eine schwierige Situation für Olga Lenski. Denn zum einen ist Lennard Kohlmorgen der Hauptverdächtige in diesem Mordfall, zum anderen fühlt sie sich zu dem Mann hingezogen. Kann sie noch die professionelle Distanz wahren?

Wo spielt der Polizeiruf?

Zu großen Teilen spielt „Demokratie stirbt in Finsternis“ bei herbstlichem Ambiente auf einem abgelegenen Hof mitten in der brandenburgischen Pampa. Das hat durchaus seinen Reiz und sorgt wenigstens von den Bildern her für Stimmung. Gedreht wurde dafür im Spätherbst des letzten Jahres in der Gemeinde Oberbarnim in Ostbrandenburg. Die Grenzregion zu Polen, die der Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) nach dem Neustart 2015 mit der ersten deutsch-polnischen Mordkommission in Frankfurt/Oder beleuchten wollte, spielt hier nur eine untergeordnete Rolle.

Bei Olga Lenski und ihrer Tochter wurde eingebrochen. Ihr Kollege Adam Raczek will herausfinden, wer für den Einbruch verantwortlich ist. Bild: rbb/Oliver Feist

Wer ist in „Demokratie stirbt in Finsternis“ zu sehen?

Neben Maria Simon und Lucas Gregorowicz, die zum fünften Mal im rbb-Polizeiruf „gemeinsam“ ermitteln, ist Jürgen Vogel – unter anderem bei der Kohlernte – zu sehen. Es ist nicht Vogels brillanteste Schauspielleistung, aber was will ein Schauspieler bei Sätzen wie: „Ich glaube nicht, dass das Ende bald kommt, ich glaube wird stecken mittendrin.“ auch machen!?

Dazu gesellen sich nervtötende Jugendliche mit ähnlich hölzernen Dialogzeilen. Nichtsdestotrotz verhindern vor allem Simon und Vogel einen 90-minütigen Totalausfall.

Welche Themen kommen zum Vorschein?

Viel zu viele.

Thematisiert werden die emotionalen Folgen eines Einbruchs, eine aus den Fugen geratene Familie, das autarke Leben auf dem Dorf im Kontrast zur konsumgeilen Lebensweise in der Stadt, Hacker, die auf staatliche Ordnungen pfeifen und die Frage wie viel eine Gesellschaft ertragen kann, bevor sie gänzlich in Anarchie verfällt. Sowieso sind in diesem Film alle gegen das System, gegen die Regierung und gegen die Polizei. Die Autoren halten einiges bereit, ohne auf den Punkt zu kommen.

Der Polizeiruf aus Brandenburg steht eher für konservative Krimikost. Warum dieses Mal nicht?

Der Grund saß auf dem Regiestuhl. Das Engagement von Matthias Glasner ließ schon erahnen, dass das Ganze ein wenig großspuriger ausfallen wird. Man erinnere sich an die wundervoll übertriebene Abschiedsfolge von TATORT-Ermittler Cenk Batu in Hamburg („Die Ballade von Cenk und Valerie“), die Glasner 2011 in Szene setzen durfte.

In „Demokratie stirbt in Finsternis“ experimentiert der Regisseur erneut zwischen Themenfilm und Politthriller mit nahender Zerstörung des „alten“ Systems. Eines hat er dabei aber nicht bedacht: Brandenburg ist nicht Hamburg.

Olga Lenski trifft im benachbarten Ort auf eine Gruppe Jugendlicher. Bild: rbb/Oliver Feist

Was sind die Schwächen des Films?

Der Krimi hat zwei große Baustellen.

Zum einen der Krimiaspekt, der in den 90 Minuten deutlich zu kurz kommt. Der Mord an Valeska Kohlmorgen interessiert den Film über weite Strecken in keiner Weise. Dieser Drehbucheinfall wirkt eher in den Film hineingebaut, um die Berechtigung zu erhalten, am Sonntagabend als Polizeiruf 110 durchzugehen.

Zum anderen bietet „Demokratie stirbt in Finsternis“ Stoff, für den Kinofilme gemacht werden und nicht für einen ARD-Film, der zeitlich und finanziell in den Rahmen passen muss. Das Apokalypsen-Szenario gegen Ende ist lahm und spannungsfrei. Der Ausbruch der Anarchie kennzeichnet sich größtenteils dadurch, dass ein paar Halbstarke mit Feuerzeug, Messer und Waffen durch die Prärie ziehen und eine „neue Welt“ ausrufen. Das ist weder beängstigend noch glaubhaft.

Am Ende des Filmes fragt eine Radiomoderatorin passend: „Geht es dir auch so als ob du schlecht geträumt hast?“ Man möchte ihr zurufen. „Ich hoffe.“

Kommissar Raczek bei den in diesem POLIZEIRUF spärlich gesäten Ermittlungen. Bild: rbb/Oliver Feist

Lohnt sich das Einschalten von „Demokratie stirbt in Finsternis“?

Bedingt.

Wer einen Krimi mit ausgeklügelten Wendungen und umfassender Ermittlungsarbeit sehen möchte, der meide an diesem Sonntagabend Das Erste. Wer hingegen auf eine richtig gut spielende Maria Simon, Jürgen Vogel und Verschwörungstheorien zum Weltuntergang steht, der ist bei „Demokratie stirbt in Finsternis“ genau richtig.

Fazit: Der Polizeiruf 110 „Demokratie stirbt in Finsternis“ ist ein durchschnittlicher Sonntagsfilm mit Mord. Der rbb geht bisher auf überraschend eigenwilligen Wegen durch das Jahr 2018. Nach dem überragenden „Film-im-Film“-TATORT „Meta“ im Februar, ist dieses „Experiment“ für den sonst so bescheidenen Brandenburger Polizeiruf jedoch deutlich eine Nummer zu groß.

Ich gebe (in der virtuellen Rangliste) 3 von 10 möglichen Punkten.

Rene Ploß

 

 



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