Zur Startseite tatort-fundus.de
Heute ist der: 15.12.2018.
 
Sie sind hier:  TATORT-FUNDUS > 

Saarländischer Rundfunk (SR)

"Lange Schatten": Neuer Radio-TATORT von der Saar 

Zum 25. Dienstjubiläum wird Hauptkommissar Michel Paquet von seinen Kollegen der Saarlouiser Mordkommission nicht nur mit Crémant und Kuchen überrascht, sondern auch mit einem Fall, der lange zurückliegt und ihn mit der traumatischen Vergangenheit einer ganzen Familie konfrontiert. Mit dieser Folge bereichert der SR die Radio-TATORT-Reihe mit einem ausgezeichneten Krimihörspiel.



Lange Schatten von Madeleine Giese wird ein Jahr zum freien Download auf www.radiotatort.ard.de bereitstehen, sobald er ausgestrahlt wurde. Bild: SR/Oliver Dietze

Schon während der Feierlichkeiten zu Paquets Dienstjubiläum nimmt der nächste Fall seinen Lauf: Der alte Kollege Brommer will Paquet sprechen. Und diese Situation ähnelt der von vor 25 Jahren: Paquet, damals frischgebackener Kommissar, hatte sich in den Fall von Suse Ahrens verbissen, die um ein Haar ihre Mutter Renate erschlagen hätte. Unfall, behauptete sie, Mord, vermutete Paquet. Und nun bringt ihm der alte Brommer die Nachricht, dass Renate Ahrens gestorben ist – und zwar durch die Hand ihrer Kinder - das vermutet Brommer zumindest. Paquet ist angespitzt und nimmt sich den Fall vor.

Dieses Déjà-Vu konfrontiert Hauptkommissar Paquet und seine Kollegin Amelie Gentner mit den Grenzen ihrer Polizeiarbeit und der traumatischen Vergangenheit der Familie Ahrens, die wie Pech und Schwefel zusammenhält. 


Sendetermine

Lange Schatten läuft auf den ARD-Kulturwellen vom 14.bis 19. März 2018.  Die einzelnen Termine im Überblick: 

  • 14.März:  BR2 20.03 Uhr,  HR2 21.00 Uhr  
  • 16.März:  WDR3  19.04 Uhr, SWR2 22.03 Uhr  
  • 17.März:  WDR5  17.04 Uhr,  NDR Info 21.05 Uhr  
  • 18.März:  SR2 KulturRadio 17.04 Uhr, RB (Bremen2) 17.05 Uhr 
  • 19.März:  MDR Kultur 22.00 Uhr,   RBB Kulturradio 22.04 Uhr 
  • 20.März:  RB (Bremen 2) 21.05 Uhr 

In der Woche vom 13. bis zum 20. März legt SR 2 KulturRadio einen Schwerpunkt auf das Thema "Trauma - Schrecken ohne Ende".   In Lange Schatten geht es um ein Familiendrama, das seinen Ausgangspunkt in traumatischen Ereignissen Anfang 1945 hat.


Stimmgewaltig: Ilse Strambowski spricht in Lange Schatten Annemie Forster Bild:© SR/Oliver Dietze

Ein Whodunit: Spannende Konstruktion

Besonders spannend ist an diesem Kriminalfall die Frage, wie die Ermittler gegen diese Mauer des Schweigens ermitteln wollen, denn für sie steht fest: der Mörder ist jemand aus der Familie. Aber wer ist es? Das herauszufinden ist in diesem geschlossenen Mikrokosmos doppelt schwer, denn die Familie hat sich komplett gegen die beiden Polizisten verschworen: Ihre Aussagen sind für die Polizisten kaum zu knacken. Und gleich die ganze Familie in Sippenhaft nehmen, das können sie auch nicht: Eine harte Nuss für Paquet und Gentner.

Sprecherrollen und Montage überzeugen

Schon akustisch ist dieser Radio-TATORT ein großer Hörgenuss: Angefangen mit den Sprecherrollen und ihren Stimmen. Als erstes:  Ulrich Brommer. Der wird gesprochen vom bekannten Hörspiel- und Synchronsprecher Walter Renneisen. Seine markante Stimme für die Figur des alten Polizeikollegen beherrscht fast die gesamte Exposition des Falls und bekommt durch Renneisen sogar eine unterhaltsam-komische Note. Leider ist Renneisen nur kurz vertreten; schade, aber das tut dem keinen Abbruch, denn auch das restliche Sprecherensemble überzeugt sehr, vor allem Ilse Strambowski als Tante Annemie, Astrid Meyerfeldt als kaltschnäuzige Suse Lentzke (ehemals Ahrens), Anne Weber als Dentistin Barbara Ahrens und Sebastian Rudolph als treusorgender Muttisohn Philip Ahrens.

Deren Mutter Renate ist in Lange Schatten gestorben und Paquet und Gentner merken, dass es die Kinder anfangs offenbar kaum berührt. Auch die Tante der beiden, Annemie Forster, reagiert gleichgültig, und es wird klar, dass sich die beiden Schwestern nicht sonderlich mochten. Zweifelsohne ist Ilse Strambowski als Annemie Forster das akustische Highlight der Folge, die den Fall nicht nur stimmgewaltig trägt. 


Exkurs: Die Produktion des Hörspiels "Lange Schatten"

Die Aufnahmen

Die Produktion von Lange Schatten fand im Februar 2018 statt. Für die Aufnahmen wurden drei Produktionstage angesetzt. Die Aufnahmen fanden dieses Mal beim Südwestrundfunk (SWR) in den Stuttgarter Hörfunkstudios statt. Der SWR leistet dem Saarländischen Rundfunk bei seinen Radio-TATORTen regelmäßig Produktionshilfe, weil dort ausreichend Studiokapazität vorliegt. Zeitweise sind bis zu sechs Sprecher gleichzeitig beschäftigt gewesen, neben dem Regisseur und technischem Personal - und das erfordert etwas mehr Platz, als in Saarbrücken verfügbar ist.

Postproduktion

An die dreitägigen Aufnahmen schließt sich noch eine etwa 14 Tage dauernde Postproduktion an: Das Hörspiel wird geschnitten, montiert und gemischt. Regisseur von Lange Schatten ist Matthias Kapohl. Er ist freischaffender Hörspielautor und Radioregisseur. Neben seinen mehrfach ausgezeichneten Regie-Arbeiten für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk entwickelt er freie Audioformate und Klanginstallationen für Museen. 

Uraufführung

Der ARD-Radio-TATORT Lange Schatten wurde vor seiner Hörfunkpremiere bereits zweimal öffentlich in der Stadtbibliothek uraufgeführt: am 13.März in der von Saarlouis, und am 14. März 2018 in der von Saarbrücken. An beiden Terminen waren die SR-Dramaturgin Anette Kührmeyer und die Autorin Madeleine Giese anwesend. 

Regisseur Matthias Kapohl in der Studioregie, als er mit den Sprechern über Mikrofon kommuniziert, im Hintergrund die Regieassistentin Pia Frede. Die Aufnahme fand beim SWR in Stuttgart statt. Bild: SR/Oliver Dietze
Das Sprecherteam im Gespräch mit Regisseur Matthias Kapoh (2 v re.)l: Astrid Meyerfeldt, Sebastian Rudolph, Ilse Strambowski und Anne Weber (v li nach re) Bild: SR/Oliver Dietze
Das Ermittlerteam im saarländischen Radio-TATORT: Brigitte Urhausen (Kommissarin Amelie Gentner), André Jung Hauptkommissar Michel Paquet) und Regisseur Matthias Kapohl (v.l.n.r.) Bild: SR/Oliver Dietze

Brigitte Urhausen als Kommissarin Amelie Gentner: Die junge, engagierte aber auch respektlose Kommissarin Amelie Gentner wundert sich über ihren Chef, Hauptkommissar Michel Paquet: Er hat sie gelobt! Zum ersten Mal überhaupt. Im aktuellen Fall geht es auch um Nachwirkungen des 2. Weltkriegs, sollte die Beschäftigung damit Paquet weicher gemacht haben – oder war es eher der delikate Käsekuchen, den Gentner ihm zum Dienstjubiläum gebacken hat? Bild: SR/Oliver Dietze

Erzählung mit Rückblenden

Als reizvoll und gelungen muss man auch die Form der Erzählung bezeichnen, die Autorin Madeleine Giese für ihre neuerliche Kriminalgeschichte um Paquet und Gentner gewählt hat: die Erzählung wird immer wieder mit Rückblenden gespickt.

Immer wieder werden in dem Hörspiel die die Ermittlungen der Jetzt-Zeit mit Ereignissen aus der Vergangenheit collagiert, die in der Zeit des zweiten Weltkriegs spielen und nicht nur bedrohlich und beängstigend wirken, sondern für die Beteiligten vor allem eins sind: traumatisch. Die Ahrens-Kinder, die anfangs noch "Froh zu sein bedarf es wenig...." summen, werden schnell merken, dass es das manchmal doch nicht ist. 

Akustisches Feuerwerk

Das aufwändige akustische Feuerwerk von Eindrücken erklärt peu-a-peu das Schicksal der beiden Geschwister und den Kindern von Renate Ahrens: Es wird spürbar und nachvollziehbar. Ähnlich einer Psychoanalyse entblättert sich in Lange Schatten nicht nur das Schicksal und Muster jeder Einzelfigur, sondern offenbart das gesamte psychische Geflecht von Verstrickungen einer Familientragödie. 

Links Andre Jung (mit Regisseur Matthias Kapohl) spricht Michel Paquet: Ende 50, wurde in Saarlouis geboren und hat auch immer dort gelebt, seine Mutter ist Luxemburgerin. Er ist er eher der gemütliche Typ und er isst für sein Leben gern. Paquet schätzt sein Familienleben mit den drei Töchtern, darunter Charlotte, sie studiert, will Journalistin werden und kommt Paquet gerne mal bei Fällen in die Quere. Bild: SR/Oliver Dietze

Trotz harter Kost auch Entlastung...

Das ist harte Kost. Aber die ist spannend aufbereitet und interessant gestaltet. Keineswegs wirken die Rückblenden kompliziert oder irritierend, man verliert beim Hören nie den Faden. Im Gegenteil: die für sich stehenden Rückblenden oder alleine schon Momente des Abgleiten in eine Erinnerung sind akustisch schön gelöst, gut montiert. Anfängliche Zweifel, ein aus Rückblenden bestehendes Hörspiel könne unruhig und fahrig wirken, sind unbegründet.

Bei aller Schwere des Plots ist Lange Schatten auch ein durchaus unterhaltsames Stück - denn es bietet genügend Entlastungen durch Komik und Humor, die wohl dosiert sind, und - ganz besonders für Ermittlerin Amelie Gentner - auch einige Überraschungen bereit halten.... 

Fazit

Lange Schatten ist sehr hörenswert. Das Hörspiel konzentriert sich auf einige wenige Figuren, die so alle ihren nötigen Raum bekommen. Die titelgebenden langen Schatten erklären sich eindrucksvoll. Das Hörspiel thematisiert Traumata, als Aspekt des zweiten Weltkriegs, allgemeiner: von Kriegen allgemein, die oft unbeachtet oder nicht ausreichend gewürdigt bleiben. So schafft Lange Schatten gleichzeitig auch einen sehr aktuellen Bezug zur Gegenwart, die von Flüchtlingskrisen, Kriegen und Kriegsberichterstattung geprägt sind.

Ich empfehle: Einschalten! Alleine die akustische Montage des Hörspiels macht es zu einem Hörgenuss erster Güte.

Francois Werner


BITTE SPENDEN SIE!

Bitte unterstützen Sie das private Hobbyprojekt tatort-fundus.de! Wir freuen uns über jede Unterstützung und Anerkennung. Mit dem Geld werden primär die laufenden Kosten des Server- Betriebs beglichen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


TV-TERMINE
Alle anstehenden TV-Wiederholungen finden Sie übersichtlich gelistet

© tatort-fundus 1997 - 2018
Der Tatort-Fundus ist eine Webseite für Tatort-Fans

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung der Texte, BIlder und Daten nur mit Genehmigung des tatort-fundus

Sitemap | Impressum | Disclaimer |  Diskussionsforum RanglisteUnsere Datenschutzerklärung 

Alle inhaltlichen Fragen richten Sie bitte an frage(at)tatort-media.de 
Bei technischen Problemen bitte Nachricht an webmaster(at)tatort-media.de
Diese Website nutzt das Content-Management-System TYPO3