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TATORT "Reifezeugnis"

Ein Mythos wird 40 Jahre

Noch immer ist der TATORT „Reifezeugnis“ für viele Zuschauer einer der besten Filme der Reihe. Legendär wurde der im März 1977 gesendete TATORT vor allem wegen der jungen Schauspielerin Nastassja Kinski. Ein Rückblick auf den Klassiker, der dieser Tage seinen 40. Geburtstag feiert.



Das Intro des TATORTs Reifezeugnis. Während Sina im Off aus einem Liebesbrief an den Lehrer Fichte liest, fährt die Kamera auf den Schulhof

Es ist ganz unscheinbar der zufällig 73. TATORT der Reihe, der da Ende März 1977 zur Ausstrahlung kommt: Reifezeugnis. Doch der Film wird unerwartet zur Legende, zur bekanntesten und vielleicht auch beliebtesten Ausgabe der Kriminalreihe in Deutschland. Und sogar ins Ausland schwappt der Film, bis in die USA – unter dem Titel „For your love only“. So bekannt und beliebt, dass sich selbst ausgesprochene Krimimuffel noch Jahre später mitzuteilen wissen, wenn die Rede auf diesen Film kommt. 

Als junge Schülerin Sina steht Kinski im Zentrum des Films Reifezeugnis, Bild: NDR/Telepress

Erfolg führt Nastassja Kinski nach Amerika

Für Nastassja Kinski (bürgerlich: Ruth Naszynski), die damals 15-jährige Tochter des Schauspielers Klaus Kinski, wird Reifezeugnis - ihr zweiter Film, den sie dreht - zum Karrieresprungbrett, der sie bis in die USA führt und die Zusammenarbeit mit vielen Regisseuren ermöglicht. Als junge Schülerin Sina steht Kinski im Zentrum des TATORTs und narrt lange Zeit die Polizei und alle um sie herum, wer den Tod ihres jungen Mitschülers Michael Harms zu verantworten hat.

Über Nacht wird Kinski zum Pausengespräch in Schulen, ja ganz Deutschland spricht über den Film und das bis dahin im Fernsehen explizit nicht gezeigte Thema einer Liaison zwischen Schülerin und Lehrer. Regisseur Roman Polanski engagiert die junge Kinski schon kurz nach dem Reifezeugnis-Erfolg für den Film Tess, weitere Engagements folgten für die noch junge Kinski. Bereits 8 Jahre nach Reifezeugnis bezeichnet die "HörZu" Nastassja Kinski als „eine der besten Filmschauspielerinnen der Welt“. Viele Jahre lebte Kinski in Hollywood; erst vor wenigen Monaten kehrte sie nach Deutschland zurück und wohnt jetzt im elitären Baden-Baden.

Wolfgang Petersen bespricht mit Nastassja Kinski den Ablauf der nächsten Szene im TATORT Reifezeugnis, Bild:NDR/Telepress

Auch Wolfgang Petersen schafft es nach Amerika

Für den jungen deutschen Regisseur Wolfgang Petersen ist Reifezeugnis zwar auch ein Meisterstück, aber eher ein Film unter vielen anderen großen Erfolgen. Auch seine Karriere führt ihn auf den amerikanischen Kontinent, wenn auch erst einige Jahre später und nicht – wie viele meinen – sofort nach der Reifezeugnis-Ausstrahlung. Immerhin bedeutet Reifezeugnis für Petersen das Ende seiner Arbeit für die TATORT-Reihe. Nach sechs sehr guten Krimis mit Klaus Schwarzkopf als Kommissar Finke verabschiedet sich Petersen am Set und überlässt Kommissar Finke für seinen letzten und siebten Fall einem anderen Regisseur.

In Deutschland dreht Petersen danach noch fürs Kino Das Boot und Die unendliche Geschichte, bevor er in Hollywood Fuß fassen kann. Im Jahr 2015, knapp zehn Jahre nach seinem letzten Hollywood-Film, filmt Petersen wieder in Deutschland und bringt mit Vier von der Bank ein Remake von einem Film ins Kino, den er 1976 schon mal inszeniert hatte – kurz vor dem TATORT Reifezeugnis.

Eine der zentrale Szenen des TATORTs Reifezeugnis: Sina wehrt sich gegen den Angriff ihres Mitschülers Michael Harms, Bild:NDR/Telepress

Im Spätsommer 1976 nimmt alles seinen Lauf

Reifezeugnis entsteht zwischen dem 23. August und 24. September 1976 in Eutin, Bosau und anderen Orten der Holsteinischen Schweiz. Für diesen TATORT scheint alles wie immer – das Drehbuch stammt wieder vom Routinier Herbert Lichtenfeld, Petersen führt – wie in den vorherigen fünf Finke-TATORTe – Regie. Gedreht und zur Sendung angekündigt wird der 6. Fall mit Klaus Schwarzkopf als Kommissar Finke in der sendereigenen PR-Publikation „ARD-Fernsehspiel“ noch unter dem Titel Reifeprüfung.

Titeländerung im letzten Moment

Doch wenige Wochen vor der Ausstrahlung korrigiert der Sender den Titel in Reifezeugnis; warum lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei klären, aber es hängt vermutlich mit der Titeldoppelung mit dem grandiosen amerikanischen Film Die Reifeprüfung (Original: The Graduate) von 1968 zusammen, der weltweit Wellen geschlagen hatte und in dem der junge Dustin Hoffman neben Anne Bancroft („Mrs. Robinson“) brilliert. Eine entscheidene Parallele: Auch hier ist eine „verbotene Liebesbeziehung“ Thema des Films.

Geholfen hat die Titeländerung vermutlich wenig: noch heute verwechseln viele den Titel; selbst der Produktionssender, der Norddeutsche Rundfunk (NDR), hat noch vor wenigen Jahren in Pressemitteilungen vom TATORT Reifeprüfung gesprochen. Selbst unter den Darstellern von TATORT-Ermittlern wusste nicht jeder, wie der TATORT richtig heißt, als das im "TATORT-Quiz" mit Jörg Pilawa anlässlich der 700.Folge im November 2008 gefragt wurde.

Ursprünglich wollte der NDR den TATORT Reifeprüfung nennen. Kurz vor der Ausstrahlung wurde der Titel geändert. Quelle: Broschüre ARD-Fernsehspiel, Ausgabe 1/1977

Vier junge Schauspielerkinder….

Wesentliches Thema für die berichterstattenden Medien vor der Ausstrahlung des TATORTs Reifezeugnis sind im Frühjahr 1977 vier junge Nachwuchsschauspieler/Innen, die einen berühmten Schauspieler zum Vater hatten. Regisseur Petersen hatte die Rolle von Sinas Mitschüler Michael mit Markus Boysen (Vater: Schauspieler Rolf Boysen), die Lehrerfigur des Helmut Fichte mit dem 31-jährigen Christian Quadflieg (Vater: Will Quadflieg), die intrigante Mitschülerin Katrin mit Rebecca Völz (Vater: Wolfgang Völz) und - Last but not least - die junge Sina mit Nastassja Kinski (Vater: Klaus Kinski) besetzt. 

…werden zur Sensation eines Films gemacht

Einige Zeitungen tun gerade so, als seien diese jungen Nachwuchsschauspieler die eigentliche Sensation des Films und stellen diese folglich ausführlich vor, arrangieren so die Überschriften ihrer Artikel: „Vom Vater haben sie`s gelernt" lautet der Titel der „besonderen Reportage“ aus HörZu und BILD titelt: „Vier Kinder von berühmten Schauspielern – in einem TATORT“.

Die Medien beackern kaum ein anderes Thema vor der Ausstrahlung; das von der NDR-Pressestelle bereitgestellte Statement von Klaus Schwarzkopf in den Reifezeugnis-Presseunterlagen „Ein Kieler Kommissar namens Finke und ein Mensch namens Klaus Schwarzkopf“ wird zwar auch von einigen Medien aufgegriffen, geht aber im Vergleich zu den vier jungen Schauspielerkindern in der Vorberichterstattung eher unter.

Ausschnitt aus der BILD-Zeitung Die Vorberichterstattung zum Drehstart von Reifezeugnis/Reifeprüfung am 1. September 1976 fokussierte sich ganz auf die Jungschauspieler mit berühmten, talentiertem Vater. So auch in der HörZu (rechts)

Pressestimmen: von „Meisterlich“ zu „Nicht bestanden“

Die wenige Tage vor der Ausstrahlung erscheinenden Kritiken der Tageszeitungen sind tendenziell positiv, aber keinesfalls als euphorisch zu bezeichnen. So erkennt die "Frankfurter Rundschau" erneut das Können von Lichtenfeld/Petersen an, psychologische Situation exakt auszuleuchten („meisterlich“) und mitfühlend zu inszenieren und bezeichnet Reifezeugnis als „spannendsten und aufregendsten“ TATORT der letzten Zeit. "Der Tagesspiegel" stellt nüchtern fest, dass Petersen wieder mal einen perfekten Unterhaltungsfilm abgeliefert habe. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ lässt sich gerade noch zu einem „Eine TATORT-Folge von der besseren Sorte“ herab. In der „Süddeutsche Zeitung“ werden kritische Töne laut. Ihr Rezensent kritisierte vor allem, dass Reifezeugnis es nicht vermochte, aktuellen Wegen der Verbrechensbekämpfung anschaulich nachzuspüren und gab Lichtenfeld/Petersen das als Hausaufgabe für den nächsten TATORT mit auf den Weg. Gänzlich negativ äußerte sich die "Berliner Morgenpost" und verweigerte dem Autor Lichtenfeld hierfür das Reifezeugnis: „Nicht bestanden“ lautete das knappe Urteil. Dass mit dem TATORT Reifezeugnis eine Legende und ein Fernseh-Mythos geboren oder Nastassja Kinskis Ausstrahlung und Erotik später ganz Deutschland beschäftigen und erregen würde, vermochte jedenfalls keiner der Rezensenten zu erahnen.

Szene aus Reifezeugnis: Wo könnte Sina sein - ob das Ehepaar Fichte helfen kann? Bild:NDR/Telepress

TV-Ausstrahlung erfolgreich

Die Ausstrahlung im Fernsehen war jedenfalls ein voller Erfolg. Sie bescherte dem Senderverbund ARD eine der höchsten Einschaltquoten der Fernsehkrimireihe überhaupt: 67% der Zuschauer (Marktanteil) sahen den TATORT; absolut entspricht dies etwa 25 Millionen Zuschauern. Im ZDF lief als Kontrastprogramm Kabale und Liebe, welches - nach Zitat des damaligen verantwortlichen NDR-Redakteur Rüdiger Humpert in der "Bild am Sonntag" – „nur ein Einschaltergbenis von 4%“ hatte.

Humpert selbst dürfte wohl am meisten überrascht gewesen sein von dem Traumergebnis dieses TATORTs, hatte er den Stoff von Reifezeugnis gegenüber Drehbuchautor Herbert Lichtenfeld vor den Dreharbeiten noch geringschätzig als „Kitsch“ abgetan, wie Lichtenfeld Jahre später in einem "Zeitzeichen"-Beitrag auf WDR2 erzählte.

Im Fokus: „Nasti“

Nach der TV-Ausstrahlung war der TATORT Tagesgespräch. Von den vier jungen Schauspielern war kaum noch die Rede, allein im Fokus stand jetzt Nastassja Kinski, verbunden mit der Geschichte von einem Lehrer, der ein Verhältnis mit seiner Schülerin hatte. Die Story aus dem TATORT war damals „ungeheuerlich“, wie sich der heutige NDR-Fernsehspielchef Christian Granderath im Gespräch mit Tatort-Fundus erinnert.

Für Granderath ist der Reifezeugnis-Mythos hauptsächlich auf die junge Kinski zurückzuführen: „Der Drehbuchautor Herbert Lichtenfeld, Wolfgang Petersen, Judy Winter und Christian Quadflieg, die Dramaturgie und die Regie haben natürlich einen wichtigen Anteil am Mythos um den Film. Für Christian Quadflieg haben ja auch viele Mädchen geschwärmt. Aber Nastassja Kinski war die, die den Unterschied und den Film zu einem Klassiker gemacht hat.“

Nastassja Kinski in Reifezeugnis, Bild:NDR

Auszeichnung auf Filmfestival Monte Carlo

Schon im Folgejahr 1978 erhielt Wolfgang Petersen für Reifezeugnis auf dem Filmfestival in Monte Carlo einen Sonderpreis, den „Cine del Duca“. Weil Regisseur Petersen verhindert war, nahm die damals einzige ARD-Nachrichtensprecherin, die spätere „Miss Tagesschau“, Dagmar Berghoff den Preis in Monte Carlo entgegen. Der Sonderpreis wurde damals regelmäßig vergeben für die beste Arbeit eines Regisseurs am Beginn seiner Karriere. Im Folgejahr erhielt Petersen den Preis übrigens erneut, diesmal für Schwarz und weiß wie Tage und Nächte. Schon einige Jahre vorher war bereits ein TATORT auf dem Filmfestival Monte Carlo ausgezeichnet worden, nämlich die zweite (gesendete) Haferkamp-Folge Zweikampf – ebenfalls ein Klassiker.

Prominente TV-Wiederholungen

Reifezeugnis bricht nahezu alle Rekorde, die es zu brechen gibt – vor allem ist der Film über Jahre, bis heute, beim Fernsehpublikum präsent, hat eine Dauerwirkung erzielt, ist Gesprächsthema. Wegen seines Erfolgs gehört der NDR-TATORT zu den am häufigsten wiederholten TATORTen überhaupt. Im Sommer 1985 zeigt Das Erste im Rahmen des „Krimi-Sommertheaters“ drei TATORT-Wiederholungen zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr, darunter ist – natürlich – auch Reifezeugnis. Der Klassiker läuft zu vielen TATORT-Jubiläen, schafft es sogar zu arte oder 3sat ins Programm, die bei TATORTen sonst eher zurückhaltend programmieren. In 40 Jahren läuft der Film 32 mal als Wiederholung, davon 9 mal in „Das Erste“, einmal mehr als im Sender seines Produktionssenders, dem NDR- und sonst in den meisten Dritten Programmen. 

Eine besondere Programmierung findet am Abend der Bundestagswahl 1998 statt, die CDU-Kanzler Helmut Kohl verliert und Gerhard Schröder erstmals gewinnt. An diesem Abend stellt folgt auf den Tagesthemen-Kommentar, gesprochen vom damaligen NDR-Fernsehdirektor und ARD-Koordinator Fernsehfilm Dr. Jürgen Kellermeier, die Ausstrahlung des NDR-Klassikers Reifezeugnis...

Reifezeugnis: Mediale Verkaufsgarantie

In den USA schafft das Reifezeugnis es erfolgreich in die Kinos – und auf eine VHS-Videokassette mit dem Titel For your love only. Auch in Deutschland vertreibt Studio Hamburg diesen TATORT auf einer Kauf-Kassette, wie nur wenige andere TATORT-Krimis. Als 2009 Disney 150 TATORT-Folgen auf DVD herausbringt, ist auch Reifezeugnis mit dabei. Auch als Buch ist der Krimi käuflich, er erscheint zuerst im Reutlinger Ensslin & Laiblin Verlag, später in der 24-teiligen Reihe von TATORT-Romanen im Augsburger Weltbild-Verlag.

Die Produkte zu Reifezeugnis folgten nach der erfolgreichen
TV-Ausstrahlung: Bücher, DVD und
anfangs noch die gute alte VHS-Kassette

Fortsetzung(en) von „Reifezeugnis“

Wenige Monate nach seiner Erstausstrahlung schrieb Herbert Lichtenfeld exklusiv für die "HörZu" eine Fortsetzungsserie des Fernseh-Erfolges. In mehren Teilen spinnt Lichtenfeld die Geschichte für die "HörZu"-Leser weiter. Im Zentrum steht das Lehrer-Ehepaar Fichte: Während Frau Dr. Fichte zur Studiendirektorin ernannt wird, wird Herr Fichte vom Schuldienst suspendiert.

Auch 2007 ist der Gedanke, den Klassiker Reifezeugnis fortzusetzen, beim NDR wieder aufgekeimt. Über die Pläne berichtet zuerst "HörZu", die damalige NDR-Fernsehspielchefin Doris J. Heinze bestätigt diese auch. Es fehle nur noch die Zusage von Hauptdarstellerin Nastassja Kinski, die Protagonisten Judy Winter und Christian Quadflieg hätten schnell zugesagt, heißt es. Kinski habe sich bei Petersen Rat geholt, er habe Nastassja geraten, die Rolle in der Fortsetzung anzunehmen wird kolportiert. Doch später sagt Kinski ab. In der geplanten Fortsetzung wäre Sina, die seit der Verbüßung der Jugendstrafe wegen Totschlags an ihrem Mitschüler als Literaturagentin in New York lebt, wieder in ihre Heimat zurückgekehrt, als ihre Mutter stirbt. Dort trifft sie auf die Lehrerin Gisela Fichte, die inzwischen von ihrem Mann, Sinas ehemaligem Klassenlehrer, getrennt lebt.

Unter Heinzes Nachfolger, dem heutigen NDR-Fernsehspielchef Christian Granderath, gibt es keine Pläne, den legendären TATORT fortzusetzen, wie er im Interview erklärt.

Für Fans eine Besonderheit

Für Fans ist der TATORT Reifezeugnis etwas besonderes, sie widmen ihm mehr Aufmerksamkeit als den meisten Krimis der Reihe. Sie sammeln Informationen und seltene Requisiten, finden das Drehbuch oder stöbern Zeitzeugen auf, die bei den Dreharbeiten beteiligt waren.

Die Drehorte in Schleswig-Holstein

Seit 2009 haben viele Fans immer wieder versucht, die Drehorte des TATORT-Klassikers herauszufinden und zu lokalisieren. Über Jahre haben sie akribisch recherchiert und herausgefunden, in welcher Straße das Haus des Lehrer-Ehepaares Fichte steht oder auf welchem Friedhof wohl die Beerdigung von Michael Harms stattfand. Die Ergebnisse der Recherchen werden im Tatort-Fundus später noch ausführlich veröffentlicht. Dazu haben die Fans in Eutin und Bosau Einwohner und damalige Komparsen befragt, Zeitungsarchive durchsucht. Auch der damalige „Location“-Scout, der Kriminaldirektor Winfred Tabarelli, wurde dazu befragt. Dieser kam damals eher durch Zufall mit dem TATORT-Team in Berührung, half dem Team aber auf der Suche nach Drehmöglichkeiten.  30 Jahre später war Tabarelli übrigens wieder für den Kieler NDR-TATORT tätig, diesmal längere Zeit als Fachberater für die Krimis mit Axel Milberg als Kommissar Klaus Borowski.

Über die Drehortsuche der Fans hat 2012 auch das NDR-Fernsehen im „Schleswig-Holstein“-Magazin berichtet und sie dort als „TATORT-Fahnder“ bezeichnet. 2012 waren die Drehorte des Krimi-Klassikers noch nicht vollständig lokalisiert – mittlerweile sind sie es aber.

Der Standort des Hauses des Ehepaars Fichte ist genauso
geklärt wie die berühmte Schule oder der Standort der Telefonzelle
aus der die beiden Mitschülerinnen Sina anrufen (Bilder:FW)

Fundstücke von Fans: Musik-Takes...

Reifezeugnis-Fans haben noch mehr zu Tage gefördert: beispielsweise alle 27 Stücke der legendären Filmmusik, die 1976 vom Musik-Hochschulprofessor Nils Sustrate als Auftragsarbeit für die Petersen-TATORTe komponiert und eigens vom NDR-Orchester eingespielt wurde. Von diesen sind noch nicht mal alle 27 Stücke in den Film eingespielt worden - oder rausgeschnitten worden.

Ebenfalls rausgeschnitten wurde aus dem Film die Figur des Oberstudiendirektors Bender, der vom Schauspieler Hans Timmermann gespielt wurde. Das förderte das Original-Drehbuch von 1976 zutage, das hartgesottene Fans ebenfalls noch nach über 38 Jahren auftreiben konnten.

Die gedrehte Szene mit Forkmann und Bender (2. von li) auf dem Schulhof wurde aus dem Film rausgeschnitten - die Änderungen der ersten Szene sind im Original-Drehbuch (rechts) handschriftlich markiert. Von wem, ist derzeit noch unklar. Bild links ist ein seltenes Standfoto von NDR/Telepress

... und Original-Drehbuch

Bei der Lektüre des Drehbuchs fällt ein wesentlicher Unterschied zum fertigen TATORT-Film auf: Die erste Szene des Films steht so gar nicht im Drehbuch. Offenbar wurde sie vom Regisseur Petersen geändert und völlig anders gestaltet, als Autor Lichtenfeld sie ins Buch schrieb: die Kranfahrt über die Stadt Eutin hin zum Schulhof, über der als Intro das Reifezeugnis-Theme läuft und man im Off hört, wie Sina Auszüge aus einem Liebesbrief an Fichte liest, fehlen im Buch.

Autor Lichtenfeld ließ in seiner Buchfassung den Film mit einer Schulhofszene beginnen, wo die jungen Schüler Sina und Michael und das Lehrer-Ehepaar Fichte eingeführt werden. Und deshalb fehlt auch die Figur des Oberstudiendirektor Benders im fertigen Film, denn der unterhält sich in der Szene mit dem Ehepaar Fichte und dem Lehrerkollegen Forkmann. Amüsant ist, dass Bender und sein Darsteller Timmermann im Abspann trotzdem genannt werden: der Sender muss vergessen haben, den Namen aus dem Abspann zu streichen.

Zugleich ist die Figur Bender auf einem sehr selten an die Presse verteilten Standfoto aus Reifezeugnis zu sehen,  mit dem Lehrer-Ehepaar Fichte und Kollege Forkmann auf dem Schulhof - eben in jener Szene, die Petersen für die Intro-Kranfahrt geopfert hatte. 

Fans bestätigen Qualität des Films

Bei den Fans rangiert Reifezeugnis in der TATORT-Rangliste derzeit auf Platz 6. Die  durchschnittliche Bewertung dieses TATORTs liegt aktuell bei 8,5 Punkten (von 10 Punkten für "sehr gut"). Damit ist die Folge für die Fans auch das Beste der 1970er Jahre. Zugleich ist sie die älteste Folge, die sich noch in den TOP10 hält. Und das obwohl Seh- und Filmgewohnheiten sich stark verändert haben, was die meisten Kommentatoren auch aufgreifen und thematisieren. Höher gewichtet wird aber der Plot, die Darstellung und die Inszenierung - Reifezeugnis  wird von den meisten Fans, auch den kritischen, immer noch als "zeitloser Klassiker" gesehen und als "Meisterwerk" eingestuft.

Francois Werner


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