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TATORT mit Wotan Wilke Möhring

"Mehr Möglichkeiten, was aktuelle und gesellschaftlich relevante Geschichten betrifft"

Vor drei Wochen lief der neueste TATORT mit Wotan Wilke Möhring, HEUTE gleich der nächste. Wir sprachen mit NDR-Fernsehspielchef Christian Granderath über die beiden neuen TATORTe aus Norrdeutschland, über das was noch in der Pipeline ist und was den TATORT bei der Bundespolizei von dem bei der Mordkommission unterscheidet.



Innerhalb von drei Wochen laufen jetzt zwei TATORTe Schlag auf Schlag mit Wotan Wilke Möhring im Ersten. Warum gab es denn so eine lange Pause seit März 2016?

Das hatte mit internen Planungen zu tun und hat sich dann so ergeben. Die TATORT-Planung ist eine komplexe Angelegenheit, man ist auch abhängig davon, wie und wann die Filme fertiggestellt werden und wie deren Inhalte sind. Wir freuen uns aber, dieses Jahr so zeitnah zwei Filme mit Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz präsentieren zu können.

Christian Granderath ist Leiter des Programmbereichs"Fiktion & Unterhaltung / Film, Familie und Serie" im Norddeutschen Rundfunk © NDR, honorarfrei

In "Böser Boden" wird das Horror-Genre mit dem Krimi-Genre vermischt. Warum war das bei dieser Geschichte so reizvoll für das Team?

Wir haben zwei bereits zwei TATORTe mit Marvin Kren realisiert, Kaltstart und Die Feigheit des Löwen. Marvin war uns mit seinem Zombie-Film "Rammbock" aufgefallen und der NDR hatte auch sein B-Movie" Blutgletscher" ausgestrahlt. Wir haben ihn gefragt , ob er für einen TATORT nicht mal einen Ökoskandal mit Zombiemotiven kreuzen will. Das war vor drei Jahren. Redakteur Donald Krämer hat das dann mit Marvin und schließlich der Regisseurin Sabine Bernardi in Angriff genommen, da Marvin plötzlich durch "4 Blocks" als Regisseur gebunden war.

Der TATORT Böser Boden ist in erster Linie ein Umwelt-Thriller, der von den Gefahren der Erdgasförderung und Fracking in Norddeutschland handelt. Es war dem Team ein Anliegen zu erzählen, was bereits die Angst vor einer möglichen Vergiftung mit den Menschen macht. Um diesen spannenden Teil der Geschichte zu transportieren, haben die Autoren Marvin Kren und Georg Lippert Anleihen bei Zombie-Motiven gesucht. Es sind diese Genre-Zitate, die die Vergiftung des Bodens und der Menschen erfahrbar machen sollen.

Böser Boden: Familie Naderi hat Angst. Die Dorfbewohner im Supermarkt verhalten sich seltsam.... © NDR/Christine Schroeder

Bei "Horror" denken vielleicht viele noch an den letzten Frankfurter TATORT zurück. Was ist am Horror in "Böser Boden" anders?

Autoren, Regisseur und Redaktion wollten auf der Basis eines spannenden Kriminalfalls Irritation durch den Verdacht erzeugen, dass Menschen sich durch umweltbedingte Verseuchung vermeintlich wie Zombies verhalten. Was geschieht mit einer Dorfbevölkerung, die einer allmählichen Vergiftung ausgesetzt wird? Die Menschen sind erschöpft, gereizt und gestresst und verhalten sich aggressiv. Und dann kommt es zu einem Mord. Es gibt dabei Überschneidungen mit Motiven aus Zombie-Filmen, damit spielt der Film. Aber natürlich ist es kein Zombie- oder Horrorfilm. Böser Boden sollte im Rahmen eines Öko-Thrillers dem Realismus und seinen Figuren verbunden bleiben.

Falke sucht neben seinen Ermittlungen wieder mal nach seinem Sohn Torben - wird er ihn diesmal finden, wie geht es mit Falkes Sohn weiter?

Das werden wir, wie Sie sicher verstehen, hier nicht verraten. Aber die Vater-Rolle bleibt eine echte Herausforderung für Torsten Falke.

Kommissarin Julia Grosz wird von Franziska Weisz gespielt. Erstmal schlägt Sie Falkes Angebot des persönlichen "Du" aus.... © NDR/ Christine Schroeder

Bei der neuen Kollegin Grosz bekommt man fast den Eindruck, dass die Dame etwas unterkühlt ist, sie ist wortkarg und nüchtern. Sie schlägt sogar das "Du" aus, das ihr Falke im Bemühen um Harmonisierung anbietet. Was charakterisiert die neue Kollegin?

Grosz ist eine fähige und engagierte Bundespolizistin. Aber sie hat eine herbe Vergangenheit, nach ihren traumatischen Erlebnissen in Afghanistan lässt sie so schnell niemanden an sich heran. Doch mit ihrem temperamentvollen und manchmal auch stürmischen Partner Falke wird sie das nur schwer durchhalten.

Im TATORT "Dunkle Zeit" kurz vor Weihnachten ermittelt Falke im Milieu einer Partei, die stark der AfD ähnelt und in welchem die Geschehnisse ziemlich real erscheinen. Welchen Beitrag kann der Film leisten, welche Aussage will er dem Zuschauer zurufen?

Dunkle Zeit will am Sonntag Abend spannend unterhalten, aber auch vom Hier und Heute und den Gespenstern erzählen, die wieder aus ihren Löchern gekrochen sind. Mit dem TATORT Dunkle Zeit ist es dem Drehbuchautor und Regisseur Niki Stein gelungen, einen klug konstruierten und vielschichtigen Krimi im Umfeld einer fiktiven rechtspopulistischen Partei zu erzählen.

Es geht um Verführbarkeit und Fanatismus einer pseudo-patriotischen Partei, aber auch um Demagogie und die Bedrohung der Demokratie. Wenn der Zuschauer hinterher noch darüber nachdenkt, was er gesehen hat und welchen Einfluss das morgen vielleicht auf sein Leben hat, finden wir das gut. Ich bin aber kein Freund von Belehrungen und Botschaften. Fragezeichen sind in der Kunst wichtiger als Ausrufezeichen. Das weiß auch unser Regisseur Niki Stein.

Dunkle Zeit: Der linksextremen Paula (Sophie Pfennigstorf) ist jedes Mittel recht. © NDR/Christine Schroeder

Der Film wurde diesen Sommer parallel zum G20-Gipfel in Hamburg gedreht - welche Herausforderungen gab es und wie hat das Drehteam sie gelöst?

Leider konnten wir zu dieser Zeit nicht in Hamburg drehen, wir haben das geprüft und mussten dann für die Szenen der gewalttätigen Demonstration der Autonomen gegen die Neuen Patrioten u.a. nach Neumünster ausweichen. Da ist das dann trotzdem sehr realistisch geworden, erstaunlich erschreckend, wir waren den Bildern vom G20-Gipfel ein paar Tage voraus. Niki Stein hat das sehr gut inszeniert.

Derzeit wird noch ein weiterer TATORT mit Wotan Wilke Möhring gedreht. Was für einen Fall muss Falke diesmal lösen und wann wird der Film voraussichtlich gezeigt?

Die Autoren Arne Nolting und Jan Martin Scharf erzählen eine ungewöhnliche Geschichte. Bei einem Zugriff wird eine Zeugin tödlich verletzt. Aus Falkes Waffe wurden zwei Schüsse abgefeuert. Er und seine Kollegin Grosz geraten unter Verdacht und müssen sich internen Ermittlungen stellen. Özgür Yildirim hat nach Feuerteufel und Zorn Gottes seinen dritten TATORT mit Wotan in Hamburg inszeniert. Der Film wird voraussichtlich im Herbst 2018 zu sehen sein.  

Dunkle Zeit: Die Ermittler Falke und Grosz bei einer Demo. Da sie für die Bundespolizei ermitteln, kommen sie "in der Regel nicht automatisch an ihre Fälle" © NDR/ Christine Schroeder

Stichwort: Bundespolizei - Was unterscheidet die Stoffentwicklung für den Sender und die Autoren grundsätzlich von einem TATORT, bei der die Mordkommission ermittelt?

Grundsätzlich unterscheidet sich die Stoffentwicklung für einen TATORT, der bei der Bundespolizei angesiedelt ist, nicht dramatisch von anderen TATORTen. Es ergeben sich vielleicht mehr Möglichkeiten, zum einen bei der Themenfindung, was aktuelle und gesellschaftlich relevante Geschichten betrifft und zum anderen beim Einsatzgebiet, das um einiges größer ist, als bei der klassischen Mordkommission. Falke und Grosz kommen in der Regel nicht automatisch an ihre Fälle. Redakteur Donald Kraemer hat sich in den ersten Jahren zusammen mit den kreativen Teams sehr bewusst auf Geschichten konzentriert, die rund um Flucht und Migration angesiedelt waren, lange vor der sogenannten Flüchtlingskrise.

Interview: Francois Werner


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