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"Kennste den...?" oder "Wie findest Du das...?"

Die Idee, am TATORT Lieder zu trällern kam ganz zufällig. Manfred Krug und Charles Brauer hatten Langeweile, trällerten sich was, um die Zeit rumzukriegen. Die Redakteurin des NDR hat davon Wind bekommen - und es zum festen Element in jedem TATORT-Krimi der beiden gemacht.

Ausgerechnet auf Neuwerk - einer kleinen, zu Hamburg gehörenden Vogelinsel in der Elbmündung - geschieht ein Mord. Stoever und Brockmöller ermitteln, da wo sich Fisch und Möwe Gute Nacht sagen. Ein Leuchtturm, zwei Gast-, zwei Bauernhöfe, das war`s. In den Drehpausen können die beiden Kommissare nicht mal eben zur Currywurstbude um die Ecke, es gibt keine. Und nach Drehschluß ist weit und breit kein "Dennis Swing Club", wo man den Drehtag ausklingen lassen könnte. Was bleibt Stoever und Brockmöller da anderes übrig, wenn die Kameras aus und sie wieder Krug und Brauer sind, als sich mit sich selbst zu beschäftigen. Die Freunde, Liebhaber der guten alten Swing- und Jazzstandards aus den 50 er und 60 er Jahren, setzen sich in einen der beiden Gasthöfe. Dort steht ein Klavier. Manfred Krug und Charles Brauer, beide ganz passable Spieler, stimmen spontan und völlig konzeptionslos alte Songs an und singen dazu. "Kennste den...?" oder "Wie findest Du das...?" oder "Haste schon mal so `Somewhere Over The Rainbow´ gespielt?"
tatort - Die Songs, Warner Special Marketing, Veröffentlichung der ersten CD: 10.01.2000

Da war es passiert. Tatort-Redakteurin Doris J. Heinze ist so entzückt, wie die beiden da trällern, dass sie sich wünscht, beim nächsten Mal die Kamera weiter laufen zu lassen. Ihre Idee war es, die Melodien zur Entspannung in die Mords-Geschichten einzuflechten. Auch der Produzent, Richard Schöps, fand die Idee klasse und so wurde am 24. März 1996 der erste Tatort "Tod auf Neuwerk" mit eben diesem "Somewhere Over The Rainbow" ausgestrahlt. "Sobald das Publikum abwinkt, hören wir auf damit. Ohne Quote keine Note!", meinte Manfred Krug lakonisch. Doch dem Publikum gefiel es. Die Zuschauerzahlen stiegen um ein bis zwei Millionen pro Folge, ein deutliches Indiz dafür, dass die Leute die "Swinging Cops" mochten.

Seither sind fast vier Jahre und über siebzehn Songs vergangen, genügend Material für eine CD, dachten sich viele. Nach jeder Folge musste Kerstin Ramcke, die bei der Tatort-Produktionsfirma "Studio Hamburg" Anfragen beantwortet, die Zuschauer trösten. Eine CD war nicht vorgesehen. Doch als sich die Zuschauerreaktionen häuften und auch das Tatort-Drehteam das Ermittlerduo drängelte, endlich ins Studio zu gehen, haben sich die beiden Charmeure breitschlagen lassen. "Wenn wir das schon machen, dann muss es aber auch schön werden", hob Charles Brauer seinen Qualitätsanspuch hervor. Sicher ein Grund dafür, dass man an Klaus Doldinger nicht vorbei kam. Wenn jemand für musikalische Tatort-Qualität bürgen kann, dann er. Aus der Feder des Jazz- und Filmmusikers stammt bereits die berühmte Tatort-Erkennungsmelodie, kriminalistische Spannungsbögen werden seit Jahren musikalisch von ihm untermalt und auch die Gesangseinlagen von Stoever und Brockmöller hat er fachmännisch betreut. So lag nichts näher, als die CD von ihm produzieren und mit einspielen zu lassen. Sein unverwechselbarer Saxophonsound ist eine Zierde dieser Platte.

Auch die übrigen Musiker kommen fast alle aus Doldingers Umfeld. Der mehrfach preisgekrönte Schlagzeuger Wolfgang Haffner, der Percussionist Ernst Ströer oder der in München lebende australische Gitarrist Peter O´Mara - allesamt Spitzenmusiker der deutschen Jazzszene. Die Streicher sind keine geringeren als die der Münchner Philharmoniker, und die lyrische Country-Mundharmonika wird hier wie auch im Film vom wunderbaren Steve Baker gespielt. Die Orchestrierung und die Arrangements sind eingängig und unaufgeregt, orientieren sich an der Schlichtheit der Lieder, wie sie im Tatort gesungen wurden. Der holländische Arrangeur Rob Pronk verzichtet bewusst auf Spielereien und Mätzchen, um den Tatort-Charakter zu erhalten. "Diese Platte sollte ja mit dem Tatort etwas zu tun haben. Sonst hätten wir ja gleich was Neues machen können.", so Krugs Begründung. Der Originalität tut das keinen Abbruch.

Originell sind auch die Interpretationen der Lieder durch die beiden Kommissare. Sie sind in ähnlicher Abfolge auf CD gepresst, wie auch sie im Tatort gesungen wurden. Mal hauchen sie einen Schlager zart ins Mikro, dann brummt Krug ein tiefes "Birds Fly Over The Rainbow", später rotzt er ein bluesig-röhrendes Scat-Solo in das ansonsten leichtfüßig daher kommende "Spiel mir eine alte Melodie". Ihre stichelnden Gags können sie auch hier nicht lassen: Der Johnny Mercer-Klassiker "Goody, Goody" endet beim `you´ "zu spät, n´ Hauch, oder?", so Stoever zu seinem Kompagnon während der Aufnahme. Und wenn die beiden Spitzbuben unschuldig fragen "Kann denn Liebe Sünde sein" und dabei das "Glüück" mit spitzem Mund, rollenden Augen und nach oben blickendem Haupt extra lang betonen, dann weiß man: hier war die Liebe besonders schuldvoll und sündig!

Für Manfred Krug war es der erste Besuch in einem Tonstudio nach über zwanzig Jahren. Bereits in den sechziger Jahren sang er in der DDR vorzüglich Jazz und Schlager. Elf Schallplatten hat er dort aufgenommen. Nach seinem Wechsel in den Westen kam 1979 eine zwölfte hinzu, was bis dato die letzte sein sollte. "Die Leute kannten mich nicht und haben mit Recht auf Milva gehört und geguckt und nicht auf diesen etwas dicklichen Glatzkopf, aus der Zone", so Krug heute. Charles Brauer besingt zum ersten Mal eine CD. Ein weiteres Novum ist das Duo Krug/Krug. Die Tochter Fanny findet es so gut, dass der Vater wieder singt, weshalb sie ihn bei "Jim, Johnny und Jonas" nach Kräften unterstützt.

Aus der Pressemappe der CD "Die Songs".


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