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Buch-Empfehlung

Zwischen Indizien, Rassismus und Schreitherapie

Am 10. September erscheint "Wo die Angst ist", der erste Kriminalroman der preisgekrönten Drehbuchautorin Dinah Marte Golch (u.a. "Nie wieder frei sein"). Ein ungleiches Ermittlerteam versucht darin, den lebensgefährlichen Angriff auf einen türkischen Abiturienten in Potsdam aufzuklären. Für den Leser verspricht dies Spannung und tiefe Einblicke in die Psychologie.

Dinah Marte Golch Wo die Angst ist Kiepenheuer & Witsch, Klappenbroschur, 320 Seiten ? 14,99 ISBN 978-3-462-04563-5

Zwei Wochen vor Weihnachten: Als auf Noyan Akay, den Gründer einer Anti-Rassismus-Bewegung, ein Mordanschlag verübt wird, betreut Alicia Behrens den Vater des Komapatienten. Und kümmert sich zudem um den einzigen Zeugen: Rüdiger Brandt. Der Kommissar Sigi Kamm versucht hingegen, eben diesen Zeugen zum Reden zu bringen. Doch Brandt wird bedroht und schweigt aus Angst vor dem Täter und aus Sorge um seine Familie. Am Bett seines Sohnes, der vielleicht nie mehr aus dem Koma erwachen wird, treibt der Wunsch nach Gerechtigkeit Mutasim Akay in tiefe Verzweiflung. Der Verdacht fällt schnell auf Neonazis, was für Kamm und Behrens schwierige Ermittlungsarbeit bedeutet. Dabei haben die beiden ungleichen Ermittler selbst noch eine Rechnung miteinander offen ...

Realität des Polizei-Alltags

Dinah Marte Golch konnte mit ihren 3 bisherigen TATORT-Drehbüchern bereits ihr Geschick für intensive und dabei auf die Realität des Polizei-Alltags bezogene Kriminalfälle beweisen. In dieser Tradition steht auch ihr erster Roman. Am Anfang steht ein türkischer Abiturient, der brutal zusammengeschlagen wurde. Eigentlich scheint der Fall recht klar, doch Bürokratie und Gesetze machen den Ermittlern das Leben schwer. Hausdurchsuchungen und Festnahmen lassen sich ohne Beweise oder verbindliche Zeugenaussagen eben nicht einfach so ausführen, was eines der Kernthemen des Buches darstellt.

Die Autorin Dinah Marte Golch. Bild: Florian Froschmayer

Interessante Konstellation: Kommissar und Psychologin

Ein weiterer Faktor, der für Kommissar Kamm nur eine unnötige Verzögerung der Ermittlungen darstellt, ist die ihm zur Seite gestellte Psychologin Kamm, die den Zeugen lieber seelischen Beistand leisten möchte statt sie zu einer Aussage zu drängen. Gerade aber die Psychologie stellt einen der großen Pluspunkte des Buches dar. Man könnte meinen, die Autorin sei selbst Psychologin, so genau sind die Einblicke in die psychologischen Hintergründe und Methoden. Dabei sind die Schilderungen nie lehrbuchhaft, sondern stimmig in die Geschichte integriert, sodass man einen Einblick in die Gedankenwelt und Motivation der Protagonisten erhält. Das Privatleben der Ermittler selbst ist im Großteil des Buches im Hintergrund, sodass der eigentliche Fall im Fokus steht und trotzdem über Andeutungen Interesse geweckt wird, mehr über die Ermittlerfiguren zu erfahren.

Auch als Filmvorlage hervorragend

Insgesamt kommt das Buch trotz Themen wie Neonazis und Türken ohne die üblichen Klischees aus. Vielmehr wird ein differenzierter Blick auf Rassismus, gescheiterte Familien, Selbstjustiz und eben Psychologie geworfen, wenn es vielleicht auch ein paar Zufälle zu viel gibt. Gerade in der zweiten Hälfte des Buches spitzt sich die Lage zu und die Spannung steigt bis zum Schluss an. Von der Erzählweise zeigt sich das Buch zeitgemäß mit einigen Zeitsprüngen und mehreren parallelen Erzählsträngen, die nach und nach zusammenlaufen. Auffällig zeigt sich die Unterteilung in viele kurze Unterkapitel, was direkt an Szenen in einem Film denken lässt. Und als Film, womöglich als TATORT, würde die Geschichte ebenfalls hervorragend funktionieren. Zwar gibt es unter den aktuellen Teams keines mit einer fest besetzten Psychologin, aber vom Charakter des Kommissars wäre etwa der neue Hamburger Ermittler Falke gut denkbar. Oder aber der Rostocker Polizeiruf-Ermittler Bukow, der im letzten Film ganz ähnlich wie Kamm im Buch urteilte: "So ne Psychotante bringt gar nichts". Zu Unrecht.

Timo Bredehöft
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