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Heute ist der: 26.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

TATORT-Literatur

111 Gründe, TATORT zu lieben

Der TATORT ist die erfolgreichste Krimireihe Deutschlands. Doch warum eigentlich? Ein neu erschienenes Buch sammelt Gründe für die Beliebtheit der Reihe - von herausragenden Einzelepisoden über besondere Ermittlerteams bis hin zu kuriosen Gastauftritten.

Kurt-J. Heering & Silke Porath: 111 Gründe, TATORT zu lieben. Schwarzkopf & Schwarzkopf, 9,95 ?.

Als der erste TATORT 1970 im Fernsehen lief, war Silke Porath noch nicht geboren und Kurt-J. Heering gerade 17 geworden. Die Autoren des am 1. Oktober erschienenen Buches "111 Gründe, TATORT zu lieben" haben die Krimireihe somit aus unterschiedlichen Perspektiven miterlebt. Beide stimmen jedoch in der Aussage überein, dass bei ihnen der TATORT so fest zum Sonntagabend gehöre wie das Amen zur Kirche. In 111 kleinen Geschichten frönen sie in ihrem Buch ihrer Liebe zum TATORT. Sie beleuchten ihre persönlichen Highlights aus über 40 Jahren, zeigen, warum die Folgen oft Geschichtsreisen sind, graben die schrägsten Geschichten aus, schauen sich die Ermittler genauer an, enttarnen (peinliche) Prominenz im TATORT und erzählen Wissenswertes über Ambiente, Kolorit, Regisseure, Autoren sowie Nebendarsteller.

Diese vielfältigen Bereiche sind im Buch in 11 Kapitel gegliedert. Jeder der Gründe wird darin auf einer bis zu sechs Seiten erläutert, immer in einer unterhaltsamen und anschaulichen Sprache. Es bleibt jedoch bei einer rein textuellen Repräsentation, auf unterstützende Bilder wird in den Gründen verzichtet - was voraussetzt, dass man Schauspielernamen mit den zugehörige Gesichtern assoziieren kann. Jedoch werden alle Kapitel durch gelungene Illustrationen der TATORT-Ermittler von Jana Moskito eingeleitet. In denjenigen Gründen, die bestimmte Folgen thematisieren (z.B. Frau Bu lacht, Der oide Depp oder Das Dorf) verstehen die Autoren es zudem, durch Nacherzählungen die Handlung oder bestimmte Szenen bildhaft ins Gedächtnis zu rufen, um darauf ihre Argumentation aufzubauen. Stehen die Macher des TATORTs im Fokus eines Grundes, so wird oft auch Wissenswertes aus deren Biografie erwähnt. Mehrfach sorgen Listen für Abwechslung, in denen etwa die besten 11 TATORT-Folgen, -Ermittler oder -Gastauftritte zusammengestellt werden - natürlich aus Sicht der Autoren.

Subjektive Folgenauswahl

Ballauf und Schenk gehören zu den Favoriten der Autoren. Bild: Jana Moskito

Bücher dieser Art bringen es unweigerlich mit sich, dass viele der Gründe rein subjektiv sind. Wann ein Prominentenauftritt gelungen oder peinlich ist, wann eine Folge abstrus oder genial ist und wie die Bestenlisten auszusehen haben - jeder Fan hätte hier wohl seine eigenen Vorstellungen. Die Autoren etwa werden nicht müde, das Münchner Team Batic/Leitmayr in den Himmel zu loben, während die Folgen aus den 70er Jahren etwas vernachlässigt und oft als langatmig bezeichnet werden. Von den Fans in der Rangliste generell sehr gut bewertete Folgen wurden von den Autoren zum Teil anders wahrgenommen - Abschaum etwa als "total missratene Schnitzler-Travestie" oder Das Böse als "absolut schwachsinnige Geschichte". Auf der anderen Seite werden zumindest Perlen wie Morde ohne Leichen und Tote Taube in der Beethovenstraße in die Bestenliste aufgenommen. Letztlich ist es durchaus auch Intention der Autoren, durch ihre Auswahl für Diskussionen sorgen zu wollen.

Von den Autoren eher als Komödie denn als Krimi gesehen: das Münsteraner Team. Bild: Jana Moskito

Das Buch verzichtet bei seinen Betrachtungen grundsätzlich nicht auf Kritik an der Reihe. Auch das Berliner Team Roiter und Zorowski sowie die Giftschrank-Folgen werden als Gründe aufgeführt, die den TATORT einzigartig machen. Durststrecken wie die Brinkmann-TATORTe werden ebenso erwähnt wie die zur Nebensächlichkeit degenerierten Krimiplots der Münsteraner TATORTe. Prinzipiell bewegen sich nahezu alle Gründe auf einer sehr speziellen Ebene und fokussieren einzelne Folgen, Szenen, Ermittler oder Macher. Generelle und auch einige triviale Gründe vermisst man hingegen. So wird etwa die Grundidee, den Föderalismus der Rundfunkanstalten für eine Krimireihe zu nutzen ebensowenig als eigener Grund aufgeführt wie die seit Anfang beibehaltene Durchschnittslänge von 90 Minuten.

Trotz kleiner Fehler empfehlenswert

Wird gleich als erster Grund genannt: Horst Schimanski, der das Krimi-Genre entstaubt hat. Bild: Jana Moskito

Einige faktische Fehler trüben den ansonsten positiven Eindruck des Buches. Zwar erheben die Autoren explizit keinen enzyklopädischen Anspruch und haben eine weitaus geringere Fehlerquote als etwa das 2010 erschienene TATORT-Lexikon, dennoch fallen dem TATORT-Fan einige Fehler direkt ins Auge. So wird der TATORT im Buch regelmäßig als "Serie" bezeichnet, zumindest das Cover trägt die korrekte Bezeichnung "Reihe". Reifezeugnis wird mehrfach als die am meisten wiederholte Folge erwähnt, während sich tatsächlich die beiden Folgen Böses Blut und Unter Brüdern diesen Rang teilen. In einer Auflistung besonderer Folgentitel kommen mit "Die kleine Chinesin" und "Ausgedient" zwei nicht-existente TATORT-Titel vor. Von solchen eher kleinen Fehlern abgesehen beweisen die Autoren durch Detailwissen, dass sie den Großteil aller Folgen gesehen haben.

Wer eine wissenschaftlich tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Phänomen TATORT sucht, kommt an dem Standardwerk "Ermittlungen in Sachen TATORT" von Eike Wenzel nicht vorbei. Wer hingegen eine eher leichte Lektüre zum gelegentlichen Schmökern sucht, kann bei "111 Gründe, TATORT zu lieben" zugreifen. Zum Preis von 9,95 ? werden viele Erinnerungen an TATORT-Highlights geweckt und der Leser wird selbst zum Nachdenken angeregt, warum er seine Sonntagabende regelmäßig vor dem Fernseher verbringt. Gerade TATORT-Fans, die noch nicht alle Folgen und Kuriositäten der Reihe kennen, werden in dem Buch kurzweiliges Lesevergnügen finden.

Timo Bredehöft

Gewinnen Sie ein Exemplar des Buches!

Der TATORT-Fundus verlost 3 Exemplare des neu erschienenen Buches "111 Gründe, TATORT zu lieben" von Kurt-J. Heering und Silke Porath. Dafür wollen wir wissen, aus welchem Grund Sie den TATORT lieben. Die besten Gründe werden in anonymisierter Form im TATORT-Fundus veröffentlicht. Die 3 Exemplare werden unter allen Teilnehmern verlost. Das Gewinnspiel endet am Dienstag, 23.10.2012.

Die Verlosung ist beendet, die Gewinner werden in Kürze benachrichtigt.





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