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Heute ist der: 24.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Neues von Putzi

Die neue Biografie von Götz George ist auch für diejenigen Leser, die sich nur für die Kunstfigur Horst Schimanski interessieren, aufschlussreich. Denn das Buch hält viele Details zu Georges TATORT-Zeit parat, die bisher unbekannt waren - und jeden erstaunen werden.

Natürlich ist Götz George nicht Horst Schimanski. Lange Jahre schien es so, dass der Darsteller nur auf diese Kunstfigur aus Duisburg, aus dem bekannten Fernsehprodukt TATORT, reduziert werden würde. Dass dies nicht besonders fair ist, dürfte evident sein: der Darsteller hat mittlerweile so viele andere Figuren gespielt - in preisgekrönten und sehenswerten Filmen -, dass es unfair wäre, ihn auf diese Figur zu reduzieren. Aber: Ohne Schimanski geht es auch nicht in einer Biografie. Die Figur spielte er immerhin seit Beginn der 80er Jahre - mittlerweile seit 28 Jahren, wenn auch mit 6 Jahren Unterbrechung. Wie George selbst schreibt waren das "sicherlich die schönste, die anstrengendsten und die erfülltesten Jahre in meinem Leben".

Von den "jungen Wilden von der Filmhochschule"..

Und so geht George selbst auf diese Zeit ein - erzählt von dieser TATORT-Zeit. Das geschieht sehr ausführlich. Das Lesen der Zeilen versetzt den Leser geradezu in diese Zeit. George beginnt bei den "jungen Wilden von der Filmhochschule", die das "Monument Haferkamp", den TATORT-Vorgänger beim WDR, durch Provokation eines nicht annehmbaren Drehbuchs zum Rücktritt zwangen und die Figur Schimanski durchsetzen konnten. Bei einem anfangs offensichtlich sehr ängstlichen Sender, der "jederzeit bereit war", diesen neuen Schimanski abzusetzen, die "Reißleine zu ziehen". Die Zeitungen schossen sich schon vor der Ausstrahlung der ersten Folge auf ihn ein, sprachen vom "gammligen Asphaltcowboy" oder "Von allen guten Geistern verlassen". Selbst bei der Bavaria waren bekanntlich nicht alle begeistert. Produzent Rohrbach meinte, diese Figur sei nicht "mehrheitsfähig!" (wichtig hierbei: ", wenn ihr sie so lasst!").

Es wäre kein George Buch, wenn es auch nicht von den Ängsten dieses Darstellers erzählen würde; die Ängste, die er befürchtete, wenn die Figur Schimanski floppen würde. Zum Glück braucht hier niemand mehr drauf eingehen - denn die Figur wurde vom Publikum akzeptiert.

... zur Schimanski-Jacke

So weit, so bekannt. Doch George füttert den TATORT-Fan, den Leser, mit Details, die neu und interessant sind. Und die die Dinge und Enwicklungen natürlich aus der Sicht von Götz George erzählen, ausführlich und fast chronologisch. Dazu gehörten Dinge, wie die Frage, wie ihm die TATORT-Rolle zugetragen wurde oder warum er anfangs "ablehnend" auf das Angebot, diesen Kommissar zu spielen, reagierte? Das Buch schildert, wie die Schimanski-Jacke geboren wurde, das untrügliche Marken- und Erkennungszeichen des Duisburger TATORT-Kommissar. Ebenso die Körpersprache, der Gang der Figur Horst Schimanski, die Götz George in vollen Besitz nahm, der er sich mit Haut und Haaren verband.

Aber auch eine kleine Sensation hält das Buch parat: in Sachen Besetzung war George nicht die erste Wahl für "Schimanski". Ein anderer Darsteller war dafür von Bernd Schwamm, dem Produzenten der Bavaria, eigentlich vorgesehen - es war Eberhard Feik. Warum es dann George wurde, erzählt George auch nach...

Ein Wegbegleiter von Götz George - Hajo Gies prägte den Schimanski-TATORT maßgeblich mit. Bild:WDR, 1987
Bekannt für seine intensive Arbeit an Drehbüchern, dramaturgischen Feinheiten und Figurenentwicklungen, zeigt das Buch konkret auf, wie er Dialoge im TATORT-Drehbuch einfach änderte. Aus einem "Tollpatsch" macht George in Schimanski-Slang natürlich den "Volltrottel". Oder: "Das ist ganz schön teuer" wird bei Schimanski zu einem "Da muss ne alte Frau lange für Stricken". George wollte keine Schriftsprache, keine Sprache, die nach Papier klang. So auch sein "Scheisse" - das klang einfach nach Leben, nach der Straße: das verstanden auch alle Leute vor den Fernsehern.

Das Buch zeigt auch die Entwicklung der Schimanski-Serie im TATORT sehr genau auf. Wie Reaktionen (der Presse) und Gegenreaktionen (der Filmemacher) sich bedingten, wie die BILD-Zeitung als "unsichtbarer Gegner" im dritten Schimanski-TATORT (und dem ersten nach der Fernsehpremiere gedrehten) vorgeführt wurde. Es zeigte ebenso, wie Götz George mit der immer mehr wachsenden Popularität umging und in die Rolle wuchs. Seine offene und deutliche Kritik, sein Ziel, mit dem TATORT etwas "reales" zu erzählen und die Leute zum Nachdenken anzuregen, schildert das Buch intensiv; der Kampf des Darstellers um die Figur - mit all den Widerständen im WDR, mit all den Befürwortern im WDR - und der Bavaria.

"Neckermann macht`s möglich"

Interessant sind die Details Ausführungen zu einigen TATORT-Drehbüchern, die so in einer ursprünglichen Fassung nicht vom Sender abgenommen wurden. Bei Grenzgänger, der zweiten Folge, wurde das Ende der Folge nicht akzeptiert und musste neu nachgedreht werden. Redakteurin Steinhaus vom WDR befahl, das Ende dürfe nicht signalisieren, "Verbrechen lohne sich". Schimmi und Thanner sollten ursprünglich den V-Mann und Schimanski-Intimus Hollai - den Gegenspieler im Film - am Ende nicht dingfest machen können, weil dieser sie mit der Buchung einer Pauschalreise übertölpelt habe und erfolgreich fliehen konnte. Darüber sollten sich Schimanski und sein Kollege Thanner vor Lachen fast bepisst haben, im Film: "Neckermann macht´s möglich!", sollte der letzte Satz im Film sein. Auch andere Bücher wurden geändert- Beispiel Miriam: Thanner durfte nicht einfach behaupten, Banküberfälle stiegen proportional zur Arbeitslosenquote... Das Buch ist voller solcher Details und zeigt den immer wiederkehrenden, aber doch wohl befruchtenden Kampf zwischen Darstellern, Produktion und Sender am Schimanski-TATORT.

Aus erster Hand

Für den lesenden Fan sind die vielen TATORT betreffenden Seiten deshalb in jedem Fall ein Gewinn. Wo sonst erfährt man auch so viele Jahre später noch so viele Details und Hintergründe ( z.B. dass Horst Vocks ein alter Knastbruder mit RAF-Kontakten war) zu einem der wichtigsten TATORT-Kapitel überhaupt? Und vor allem: wo sonst direkt aus erster Hand, von Götz George höchstpersönlich, der kaum wie ein anderer die Entwicklung dieser Figur kennen muss?
Das Buch gehört somit schon als Fakten-Quelle in den Schrank des TATORT- und Horst-Schimanski-Fans - für den Götz-George-Fan sowieso!

Francois Werner


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