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Heute ist der: 26.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Familien

Lohnt sich der 1057. TATORT "Familien" aus Köln heute?

Zum 73. Mal ermitteln Ballauf und Schenk schon gemeinsam im TATORT. Seit 1997 haben die Ermittler so einige gemeinsame verzwickte Fälle gelöst, jetzt steht ein neuer Fall an. Wir haben uns den TATORT "Familien" vorab angeschaut, um die Frage zu klären: Lohnt sich der TATORT - lieber einschalten oder wegschalten?



Der 73. TATORT für die Kölner Ermittler Bild: Pressemappe WDR

Worum geht es im neuen Köln-TATORT „Familien“?

Ein junger Mann liegt tot auf der Straße, neben ihm eine Reisetasche, gefüllt mit 500 000 Euro. Schnell ist die Identität des Opfers geklärt. Es handelt sich um Ivo Klein, der an diesem Abend mit Freunden seinen Junggesellenabschied gefeiert hat. Die Fingerabdrücke auf der Tasche und auf dem Bargeld führen Max Ballauf und Freddy Schenk zu Reiner Bertram, einem renommierten Kölner Wirtschaftsanwalt. Als die Kommissare ihn mit Ivo Kleins Tod konfrontieren, gesteht Bertram, er habe das Geld für eine Lösegeldforderung deponiert. Seine Enkelin Charlotte Ritter wurde gekidnappt, und die Entführer haben gedroht, sie umzubringen sobald die Polizei eingeschaltet wird …

Was ist das Thema des Films?

Der Titel der Folge ist Programm. Es geht um die „Familie“. Und um Geheimnisse, die Familien haben (können). Am Ende sind das tödliche Geheimnisse. Der Kölner-TATORT zeichnet an diesem Sonntag leider nur zerstörte oder belastete Familien. Da ist um 21.45 Uhr nix mehr gut. Selbst der obligatorische Initial-Mord in der dritten Filmminute zerstört eine weitere, eigentlich unbeteiligte Familie, die noch gar nicht richtig gegründet war. Das wirkt in Summe alles recht negativ, es wird kein positives Gegenstück gezeigt. Im Gegenteil: dem „dicken Onkel Freddy“ wird auch noch gleich ein kleines Familienproblem angedichtet. Das muss wohl so sein heutzutage. Schon in seinem letzten Drehbuch – der Folge Nachbarn vom letzten Jahr – hatte Autor Christoph Wortberg Freddy ein Problem mit seinem Nachbarn angedichtet. Das alles scheint (Baukasten-)system zu haben….

Die Ruhe selbst: Norbert Jütte (Roland Riebeling) erledigt die Hintergrundarbeit im Präsidium. Zeit für ein Tässchen Tee ist immer. © WDR/ Thomas Kost

Hat der Film denn noch heitere Elemente?

Zum Glück ja, wenn auch nur wenige.

Jütte, der neue leicht verfressene Assistent der beiden Kölner Langzeit-Ermittler, ist weiterhin ein Lichtblick. Den Rechner des Opfers checken, mit dessen Freunden sprechen, Werkstätten und Waschstraßen wegen des Unfallwagens kontaktieren – das alles soll Jütte am besten sofort machen. Dass der nicht begeistert ist, dürfte klar sein. Konsequenz: am besten gleich eine Nachtschicht im Präsidium einlegen – die Lacher sind vorprogrammiert. Und dass Freddy nun im Erdbeerkörbchen vorgefahren kommt, ist zwar auch eine kleine amüsante Hommage an den Auto-Tick der Figur. Aber beides rettet die Folge leider nicht.

Freddy Schenk (Dietmar Bär, l) muss mit einem Kollegen eingreifen: Rainer Bertram (Hansjürgen Hürrig, 2.v.r.), der Großvater der entführten Charlotte und Vater von Ines Ritter (Nicole Marischka, hinten) verliert die Kontrolle. © WDR/ Thomas Kost

Welche Stärken hat der TATORT "Familien“?

Leider nur wenige. Denn die Schauspielerleistungen der Episodenrollen überzeugen kaum – auf der ganzen Linie. Alle Figuren müssten hochemotional sein, doch das nehme ich kaum einer ab. Einzig Hansjürgen Hürrig spielt wirklich stark. Möglicherweise wird genau dies zum Problem der anderen Darsteller. Auch Harald Schott, der sonst immer eine sichere Bank im TATORT ist, bleibt hier eher farblos. Leider traut sich kein Regisseur, ihn mal gegen den Strich zu besetzen. 

Am schlimmsten ist aber: keiner dieser Darsteller bietet Ballauf und Schenk Paroli, dem Film fehlt es an einem starken, markanten Gegenpart. 

Und die Moral von der Geschicht?

  1. Redet mehr miteinander, Menschen!
  2. Seid friedfertig und übt keine Rache!
  3. Kümmert Euch um Eure Liebsten!
  4. Alkohol löst keine Probleme……
Ein Toter und eine Tasche voller Geld: Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär, l) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, 3.v.l) und Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch, M) am Tatort © WDR/ Thomas Kost

Gibt es keine Überraschungen?

Neben Freddys neuem fahrbaren Untersatz vielleicht noch, dass die beiden Ermittler sich plötzlich auch noch Social-Media-Accounts bedienen, um Zeugen zu finden und dann über dem Rhein zu verhören. Sensation!

Die beiden TATORT-Opi-Anwärter passen sich – wenn auch nur ganz wenig – doch noch der Realität an! Man hätte in den letzten Jahren schon den Eindruck gewinnen können, dass Innovationen einen Bogen um den Köln-TATORT machen. Überraschend auch, dass beim Rheinbrücken-Verhör der Dom nicht zu sehen ist und auch das Wurstbudenfinale (wieder) fehlt.

Der Entführer von Charlotte Ritter meldet sich: Freddy Schenk (Dietmar Bär, l) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, 2.v.r.) hören aufmerksam zu, gemeinsam mit Ludwig Ritter (Harald Schrott, 3.v.r.) und Ines Ritter (Nicole Marischka, 2.v.l.), den Eltern der jungen Frau. © WDR/ Thomas Kost

Was ist aus dem Kölner Themen-TATORT geworden?

Das frage ich mich auch. Es gibt ihn offenbar nicht mehr! Die letzten 5 Folgen hat der WDR nur noch auf Dramen gesetzt, mal in der Nachbarschaft, beim Arbeiten, im Karnevalsverein oder jetzt in einem größeren Familiengeflecht. Die Dramen übertönen den Krimianteil zudem massiv. Politisch denkende TATORTe aus Köln oder die thriller-artigen Entführungs-, Erpressungs- und Raubüberfallgeschichten a la „Wir-fangen-einen-bösen-Buben“-TATORT wie beispielsweise Die Blume des Bösen (2007), Schattenlos (2003), Das Phantom (2003), Direkt ins Herz (2000) oder Keine Polizei (2000) fehlen mittlerweile völlig.

Dabei hatte ich bei dem Arbeitstitel „Der Finger“ schon so gehofft, dass die Kölner das Genre wieder beleben würden. Immerhin: der nächste Kölner TATORT kommt wieder von Autor und Regisseur Thomas Stiller, der genau das beherrscht und zwei der eben aufgezählten Folgen inszeniert hat.

Zusammenbruch: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, r) fangen Jessica Dahlmann (Marie Meinzenbach, M) auf. Die junge Frau musste ihren toten Freund identifizieren. © WDR/ Thomas Kost

Lohnt sich das Einschalten von „Familien“?

Das ist dieses Wochenende wetterbedingt eher zu verneinen. Denn es soll ja deutschlandweit wünderschön sonnig werden. Ich würde deshalb jeder Freizeitaktivität draußen da eindeutig den Vorzug geben.

Fazit: Der Kölner TATORT ist eine große Enttäuschung. Die routinierte Reißbrettdramaturgie macht aus dem Stoff einen nichtssagenden Film, das ist lähmend: so eine Geschichte hat man im TATORT gefühlt schon zu oft gesehen. Die im letzten Fall Mitgehangen detektierte „Frischzellenkur“ bei vielen kleinen Details wird hier nicht fortgeführt – außer beim neuen Assistenten. Da reißen auch unsere Lieblinge Ballauf und Schenk nichts mehr raus.

Ich gebe in der TATORT-Rangliste extrem wohlwollende 4,5 von 10 möglichen Punkten.

Francois Werner


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