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Heute ist der: 08.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Alles was Sie sagen"

Lohnt sich der TATORT heute?

Bundespolizist Thorsten Falke ermittelt zum 10.Mal im TATORT – diesmal in Lüneburg. Seit 2013 und der Folge Feuerteufel kennen wir den prolligen Billstedter Polizisten mit der Vorliebe für Vollmilch. Seine Kollegin Grosz ist bereits zum vierten Mal dabei, sie hatte ihre Premiere ja erst 2016 in Zorn Gottes. Wir haben uns den TATORT „Alles was Sie sagen“ vorab angeschaut, um die Frage zu klären: Lohnt sich der TATORT? Lieber einschalten oder wegschalten?



Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring), Joachim Rehberg (Jörn Knebel) Bild: NDR/Christine Schröder

Worum geht’s in „Alles was Sie sagen“?

Die Bundespolizei– Kommissare Thorsten Falke und Julia Grosz überprüfen in Lüneburg die Identität eines Mannes, der verdächtigt wird, Angehöriger einer Miliz gewesen zu sein, die Kriegsverbrechen begangen hat. Im Rahmen der Ermittlungen wird bei einem Zugriff eine Zeugin erschossen. Aus Falkes Waffe wurden zwei Schüsse gefeuert. Er und seine Kollegin Grosz geraten unter Verdacht und müssen sich internen Ermittlungen stellen. Doch es gibt auch andere, die ein Interesse am Tod der jungen Frau gehabt haben. Wurden Falke und Grosz benutzt und sollen sie nun zu Sündenböcken gemacht werden oder ist ihr Einsatz tatsächlich aus dem Ruder gelaufen?

Julia Grosz (Franziska Weisz), Bild: NDR/Christine Schröder

Was ist das Thema des TATORTs?

Vordergründig geht es – wie so oft bei den Bundespolizei-TATORTen von Falke – um das Thema Flüchtlinge. Das große Thema des Films ist Vertrauen. Vertrauen in die Polizei, Vertrauen zu Kollegen und Freunden. Das ist auch zwischen den beiden Ermittlern noch ein Thema, denn die beiden kennen sich noch nicht so gut. Der Film spielt mit der Frage: Können sie sich gegenseitig vertrauen? Und offenbar – das wird in den Verhörszenen schnell deutlich – weichen die Versionen von Falke und Grosz voneinander ab, die sie da erzählen.

Treibt Grosz etwa ein linkes Spiel mit ihrem neuen Kollegen Falke und steht die Partnerschaft der beiden auf der Kippe? Oder sind die beiden schon ein Herz und eine Seele?

Wie wird der TATORT erzählt?

Der Film wird überwiegend und durchgehend als Rückblende erzählt. Ausgangspunkt ist ein dunkles Verhörzimmer, in welchem die beiden Ermittler nachts um 3 Uhr verhört werden. Grund: sie stehen unter Verdacht, eine Zeugin erschossen zu haben. Die Folge: Kriminaldirektor Rehberg und Chef der Lüneburger Polizei will alle Informationen sammeln, damit er bei Tagesanbruch vor die Presse treten kann. Das Verhörzimmer steht im Mittelpunkt des Films und die Verhörszenen werden collagiert mit den nacherzählten Ereignissen, über die Falke und Grosz beim Verhör erzählen.

Abbas Khaled (Youssef Maghrebi), Stefan Hansen (Moritz Grove), Julia Grosz (Franziska Weisz), Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring), Bild: NDR/Christine Schröder

Wie ist Falke drauf?

In seinem 10. Fall Alles was Sie sagen brüllt Falke sich übertrieben aggressiv durch Lüneburg. Er benimmt sich der Kollegin Grosz gegenüber wie ein eifersüchtiger Gockel und gegenüber den Kollegen, den „oberkorrekten“ Lüneburgern, gibt er den Kotzbrocken. Selbst über falsche Mülltrennung echauffiert er sich – zum Schreien! Falke bleibt letztlich aber immer geschmeidig. Es nervt nicht, aber es wirkt etwas affektiert. Immerhin: Den Billstedter Proll hatte Möhring einfach gut drauf!

Schön ist auch, wie zaghaft Regisseur Özgür Yildirim die persönliche Annäherung der beiden neuen Kollegen isnzeniert. Die Pointe im Finale ist dann sehr amüsant. Pluspunkt dafür, dass Falkes Sohn diesmal fehlt. Es gibt kein Privatgedöns und Falke kann sich – was er Grosz anfangs noch vorwirft – „auf die Arbeit konzentrieren“.

Was ist die Stärke von „Alles was sie sagen“?

Die Erzählweise reißt es raus. Oft kaschieren Rückblenden ein schlechtes Skript. In Alles was Sie sagen ist das anders: Die Rückblenden sind das Kernstück und auch die Rettung im Wust von altbekannten und nicht erstmals eingesetzten Krimiversatzstücken wie Flüchtlingsproblematik, internem Polizeigedöns und Kompetenzgerangel zwischen Kollegen unterschiedlicher Institutionen, wie wir sie – gerade in Falke-TATORTen – ja nun auch schon langsam kennen. Diese Rückblenden schaffen es, Spannung zu erzeugen. Die Rückblenden sind straight erzählt und man versteht sie auf Anhieb. Sie bringen die Handlung voran. Keine Mätzchen, keine kryptisch-mysteriösen Andeutungen.

Falke (Wotan Wilke Möhring) und Grosz (Franziska Weisz) stoßen bei Al-Shabaan (Marwan Moussa) auf großes Schweigen. Bild: NDR/Christine Schröder

Und die Geschichte ist einfach gut erdacht. Sie wird nachvollziehbar und kontinuierlich erzählt. Zwischenzeitlich zweifelt der Zuschauer immer wieder mal an den Aussagen der beiden Kommissare, was ja sein soll. Spätestens an diesem Punkt reißt der Krimi seine Zuschauer auch wirklich mit.

Der Humor ist wohl dosiert und auch nicht plump. Man hat wirklich oft die Möglichkeit, über das neuen BuPo-Dreamteam zu schmunzeln! So könnte gute Krimiunterhaltung im TATORT ruhig öfter daherkommen.

Lohnt sich der TATORT?

Unbedingt! Wer nicht verpassen will, wie/dass Falke immer besser wird, muss einschalten!

Fazit:  Das ist ein spannender, wendungsreicher Krimi ohne viel Privatgedöns und luftleeren Regie-Mätzchen. Alles was Sie sagen ist ein großes, in sich rundes Verwirrspiel mit großartiger Auflösung, der ganz attraktiv erzählt ist. Kein Experiment!

Ich gebe in der TATORT-Rangliste 8 von 10 möglichen Punkten.

Francois Werner


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