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Heute ist der: 24.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Borowski und das Land zwischen den Meeren

Lohnt sich der TATORT heute?

Einschalten oder wegschalten? Wir haben den neuen Borowski-TATORT heute aus Schleswig-Holstein für Euch vorgeschaut!



Borowski und das Land zwischen den Meeren ist der 31. Fall für Axel MIlberg als Borowski. In der ARD-Zählung ist es der 1049.TATORT. Bild: NDR-Pressemappe

Worum geht’s in dem neuen Kiel-TATORT?

Dieser 31. Fall für Borowski spielt gar nicht in Kiel. Klaus Borowski wird von Kriminalrat Roland Schladitz auf die Insel Suunholt rausgeschickt, um Amtshilfe zu leisten. Und das, obwohl eigentlich die Flensburger Kollegen zuständig wären....

Welchen Fall muss Borowski lösen?

Oliver Teuber wurde von seiner geheimnisvollen Geliebten Famke Oejen leblos im Badezimmer aufgefunden, in der Badewanne liegend. Er war vor einiger Zeit die Schlüsselfigur in einem Kieler Korruptionsskandal, hatte beim Kieler Bauamt gearbeitet, bevor er spurlos verschwand. Für seine Freundin Famke Oejen hat seine Vergangenheit keine Rolle gespielt, und Teuber hat sich schnell ans Inselleben auf Suunholt gewöhnt: Er hat gerne in der Schweinezucht geholfen und gerne auch in der Kneipe am Stammtisch mit den Bewohnern über den Durst getrunken. Famke hat ihn bedingungslos geliebt, wie sie sagt. Auf der Insel wird Famke als „zutiefst verdorbenes Weib“ angesehen und von den Frauen gehasst, weil sie allen Männern den Kopf verdreht hat und angeblich für jeden „die Beine breit macht“. Tatsächlich ist Famke eine sehr leidenschaftliche Frau, die sogar Borowski in seinen Bann zieht.....…

Was ist passiert? Famke (Christiane Paul) und Oliver (Beat Marti). © NDR/ Christine Schroeder,

Wo bitte liegt Suunholt?

Irgendwo in der Nordsee. Axel Milberg behauptet, sie liege 40 Kilometer vor Husum, das NDR-Presseheft konkretisiert leicht: die Insel liege vor Dänemark. Obwohl Schleswig-Holstein, das titelgebende „Land zwischen den Meeren“, reichlich Insel zu bieten hat, wurde für diesen Film noch eine hinzugedichtet. Sie existiert nur für diesen TATORT. Die Inselszenen wurden quasi „gebaut“ und entstanden auf Inseln wie Pellworm, Fehmarn oder Amrum; in Nordstrand und Husum wurde ebenfalls gedreht. Alle Inselszenen ergeben zusammen die fiktive Insel Suunholt. Im TATORT werden mehrfach Parallelen zur versunkenen Insel Rungholt deutlich…

Was besagt die Rungholdt-Sage?

Die Insel Rungholt ist Mittelpunkt einer Legende, der sog. Rungholt-Sage. 1361 soll die Insel im Sturm untergegangen sein, als Reaktion Gottes auf die Sünder, die auf dieser Insel lebten und ihren triebhaften und Genüssen frönten. Sie sollen beispielsweise eine Sau mit Korn abgefüllt haben und dann vom Pfarrer verlangt haben, ihr die letzte Ölung zu geben. Nachdem die Insel unterging, soll man bis heute noch im Meer die Glocken Rungholts hören. Die Sage hat Theodor Storm 1871 in seiner Novelle „Eine Halligfahrt“ aufgegriffen; an der Westküste Schleswig-Holsteins kennt sie jedes Kind.

Borowski weiß zunächst nicht, was er von Famke halten soll. © NDR / Christine Schroeder

Was hat das mit dem TATORT zu tun?

Die Parallele zur Rungholt-Sage ist nicht zu übersehen. Famke und Teuber haben auf Suunholt ihre Wollust ausgelebt, die Antwort Gottes könne da nicht auf sich warten lassen. Das sagt zumindest die Kirchenfrau Margot Hilse. Sie sieht in Teuber den Teufel, der mit Famke Oejen auf der Insel ein zügelloses Leben voller Unzucht führte und sich „den widerlichsten Ausschweifungen“ hingab, sie zeichnet die Insel quasi als die nördliche Dependance von Sodom und Gomorrha. Hilse scheint mit ihren biblischen Metaphern das lebende Über-Ich der Insel Suunholts zu sein, ach: des ganzen Films, auch wenn sie selbst nicht immer keusch gelebt haben kann.

Für die verantwortliche NDR-Redakteurin Sabine Holtgreve ist der Kern der Rungholt-Sage durchaus noch aktuell: Sie findet es jedenfalls nicht abwegig, wenn in der heutigen Zeit von Sturmfluten und Weltuntergang fantasiert wird, wenn man sich vergegenwärtige, dass dieser Landstrich Schleswig-Holsteins besonders vom Klimawandel und damit ebenfalls vom möglichen Untergang bedroht sei….

Ist der TATORT spannend?

Sieht man ihn nur als Krimi, dann nicht besonders. Der Plot ist einfach gestrickt und wird den krimierfahrenen Zuschauer nicht besonders herausfordern. Das Hütchenspiel der von den Autoren aufgetischten Figuren und ihre Besetzung sagen fast alles.

Aber auf der Meta-Ebene ist der Film spannend: Man kann sich ja durchaus fragen, was ausschweifendes Leben für Folgen hat, nicht nur real und sachlich, sondern auch emotional, eben existenziell im doppelten Sinne. Die Atmosphäre des Films, der Insel, wird immer wieder bedrohlich inszeniert. Nicht nur durch Überwachungskameras auf der Fähre und die präsente Filmmusik, auch durch den kühlen Umgang der Menschen auf der Insel untereinander.

Diese aggressiv-gewaltsame Atmosphäre, die stets spürbaren Naturgewalten, die wilde Nordsee und das unberechenbare Wetter unterstreichen das Spannungsgefühl sehr. Es kann schon in der einen oder anderen Szene ungemütlich werden. Beim Zuschauen spürt man regelrecht die kalte Nässe der Insel und des Meeres. Der Film wirft die Frage auf, wie man auf engen Raum miteinander auskommen kann. Und wie schwer das gelingt, wenn starke und warme Gefühle dem entgegenstehen. Für Suunholt lautet die Antwort jedenfalls: nicht immer friedlich.

Es stürmt und regnet natürlich auch in einem Insel-TATORT des Norddeutschen Rundfunks (NDR): Borowski rennt zum Haus Famkes © NDR / Christine Schroeder

Wo liegen die Schwächen des Films?

Die Schwäche des TATORTs ist der Krimi-Plot. Der ist sehr einfach gestrickt und schnell erzählt, einfach konventionell. Ein klassischer Whodunit, der zudem sehr durchschaubar ist. Überhaupt kein Reißer! Außerdem langweilt einen die immergleiche Darstellung von norddeutschen Inselbürgern: Verschroben, pseudo-mysteriös, wortkarg und undurchsichtig. Dieses Bild seiner Bevölkerung sendet der Norddeutsche Rundfunk seit bald 50 Jahren in seinen Filmen.

Auch das „Lindholm-Prinzip“ ist ausreichend ausgelutscht, jetzt wird es schon auf andere Ermittler übertragen: Kommissar muss raus in die Provinz, fernab fast jeder Zivilisation, in einen ganz eigenen Kosmos und ein unbeholfener Dorfpolizist eilt ihm zur Hilfe, so gut er kann. Es gäbe durchaus noch andere Milieus und Landstriche im großen Sendegebiet des NDR, die er noch nicht ausgeleuchtet hat, die sicher mindestens so interessant sind, wenn nicht noch mehr. Und die man auch hinsichtlich der Ermittlungen endlich mal anders erzählen könnte. Da werden immer wieder Chancen vertan…

Was sind die Stärken dieses TATORTs?

Es mag paradox klingen: aber dass der Regisseur Sven Bohse sich nicht so sehr auf den Krimi-Plot und mehr auf die Gefühle und das Innenleben der Figuren fokussiert, macht den Film zu einem Erlebnis, das ist seine Stärke.

Die Spannung, die Bedrohlichkeit, das großartige Spiel Milbergs und die geheimnisvolle Christiane Paul überdecken die Schwächen um ein Vielfaches. Man will eben doch wissen, wie das ausgeht. Borowski ist längst kein verschrobener, kauziger Kommissar mehr – er hat Tiefgang bekommen und den füllt er auch in seinem 31. Fall noch. Christiane Paul gelingt der Spagat, eine hochemotionale und doch kühle Frau zu spielen, die man als Zuschauer gerne begreifen würde.

Last but not least: Die Bildsprache des Films ist überwältigend stark – und damit sind nicht nur die wunderschönen nördlichen Landschaftsbilder gemeint. Der Film wird über die Bilder atmosphärisch stark aufgeladen. Der Zuschauer wird so in eine andere Welt, in den Inselkosmos von Suunholt, gezogen, ungefähr so wie sich ein Sturm eine Insel nimmt……und lässt ihn nicht mehr los.

Priorisierung ist noch nicht ihre größte Stärke: Die junge Polizistin Maren Schütz lässt erst die Putzkolonne ran und dann die Spurensicherung.... Die Suunholter Polizistin wird von Anna Schimrigk gespielt. Bild: NDR/ Christine Schroeder

Wo ist eigentlich Borowskis Kollegin Sarah Brandt?

Die Kollegin Sarah Brandt wurde versetzt. Schon im letzten gesendeten TATORT (Borowski und das Fest des Nordens) hatte sie Borowski angekündigt, dass sie einen Versetzungsantrag stellen wollte, weil sie mit seinen Methoden nicht einverstanden sei. Borowski selbst– das wird aber nur in einem Nebensatz deutlich – hat wohl auch eine Abmahnung erhalten; wofür genau bleibt freilich offen. Die Versetzung von Sarah Brandt ist dramaturgisch also schlüssig.

Schon in den beiden letzten Folgen war Sarah Brandt ziemlich genervt, reagierte oft gereizt und über, so dass dieser Schritt folgerichtig erscheint. Und es ist eher wohltuend und ein großer Mehrwert für diesen Fall, dass Sarah Brandt und ihre Zickereien fehlen – wir vermissen sie nicht. Sie wird nicht mal mit einem Wort erwähnt in diesem Film, selbst dann nicht, als ein verdutzter Suunholter Polizist Borowski fragt, ob es üblich sei, dass er alleine ermittelt.

Wer ermittelt dann an Borowskis Seite?

Die Suunholter Polizistin Maren Schütz ist für diesen Fall Borowskis „Reiseleitung“, wie er sie anfangs nennt. Anna Schimrigk spielt die junge Polizistin überzeugend in diesem TATORT. Die ehrgeizige Polizistin hat die Insel Suunholt bisher noch nicht verlassen und macht relativ viele kriminalistische Anfängerfehler, weswegen Borowski sich u.a. die Rechtsmedizinerin Kroll aus Kiel auf die Insel holt. Die Figur Maren Schütz ist aber nicht die Nachfolgerin von Sarah Brandt: sie wird Suunholt ja wohl auch nie verlassen…..

Axel Milberg mit seiner neuen Kollegin Almila Bagriacik beim Pressetermin des nächsten TATORTs Borowski und das Haus der Geister im Sommer 2017, Bild: Norbert Czybulka

Wer wird Sarah Brandts Nachfolgerin?

Die neue Kollegin von Klaus Borowski heißt Mila Sahin und wird von der jungen Darstellerin Almila Bagriacik gespielt. Sie wird bereits im nächsten TATORT zu sehen sein, der den Arbeitstitel „Borowski und das Haus der Geister“ trägt.

Fazit: Lohnt sich der TATORT?

Ja, den sollte man nicht verpassen. Die Vielseitigkeit und Abwechslung des Kieler TATORT-Formats hält frisch und macht ihn sehenswert, so genau weiß man nie, was man heute bekommt. Außerdem hat Borowski schon schlechtere Filme abgeliefert.

Ich bewerte ihn in der TATORT-Rangliste mit 7,5 von 10 möglichen Punkten.

Francois Werner
TATORT: NORDSEE

Borowskis letzter Alleingang hat zu einer internen Ermittlung geführt - und zum Versetzungsgesuch seiner Kollegin Sarah Brandt. Um dem Ärger im Kommissariat zu entfliehen, stürzt sich Borowski allein in einen Fall, der ihn in die weite Landschaft des nordfriesischen Wattenmeers führt.  
TATORT-Erstsendung am Sonntag, 25. Februar 2018

Erinnerungen an die Famke O. - Kai-Oliver Derks über den neuen TATORT aus Kiel
AXEL MILBERG

Der Schauspieler Axel Milberg spielt seit 15 Jahren und zum 31. Mal den Kieler Kommissar Klaus Borowski im TATORT. Anlässlich der Ausstrahlung von „Borowski und das Land zwischen den Meeren“ dachte Milberg laut über seine Zukunft als TV-Kommissar nach.



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