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Heute ist der: 18.12.2018. --> Bis heute wurden 1087 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

TATORT „Meta"

„Größer als das Leben“

Mit der Produzentin Nanni Erben haben wir über den neuesten TATORT-Beitrag aus Berlin gesprochen. Wir klären, wie dieser TATORT entwickelt wurde, auf welcher Idee er fußt und warum die Dreharbeiten auf der Berlinale für das Team eine ganz besondere Herausforderung waren.

Wie entstand die Idee zu diesem Berlinale-TATORT „Meta“?

Nanni Erben: Die Grundidee, einen Berlinale-TATORT zu machen, hatte unser Produzent Quirin Berg. Als wir uns nach der Berlinale 2015 dieser Idee angenommen haben, brauchten wir tatsächlich mehrere Anläufe, um uns diesem Thema anzunehmen. Wir haben schnell gemerkt, dass das gar nicht so einfach war.



Nanni Erben ist Produzentin bei der Produktionsfirma „Wiedemann & Berg“ und produziert regelmäßig die TATORTe aus Dresden, Weimar und Berlin. Als Produzentin hat sie neben Meta auch die Berliner TATORTe Dinge, die noch zu tun sind (2012) und Ätzend (2015) produziert. Bild:FW

Warum?

Nanni Erben: Weil es grundsätzlich möglich ist, viele Facetten von oder über die Berlinale zu erzählen. Wir hatten erst überlegt, viel über die Filmbranche zu zeigen. Eine Geschichte um ein Filmteam und einen toten Regisseur. Aber diese Ideen und auch andere Ansätze fanden wir letztendlich nicht überzeugend, zu konventionell. Wir fanden auch, sie wären der Berlinale nicht gerecht geworden.

Was genau wollten Sie also mit einem Berlinale-TATORT erzählen?

Nanni Erben: Wir wollten Berlin erzählen und das anhand der alljährlichen Berlinale. Wir wollten die Berlinale in einer Größe erzählen, wie sie ihr gerecht wird. Deshalb schien uns beispielsweise der Mord in einem Filmteam zu klein. Die Berlinale ist ja international, sie hat auch viele Ebenen, sie hat viele Reihen und Aspekte und diese alle wollten wir gerne in einem Berlinale-TATORT erzählen. Ein bisschen größer als das Leben.

Wie ging es dann weiter?

Nanni Erben: Ich hatte 2016 das Vergnügen, mit dem Regisseur Sebastian Marka den Weimar-TATORT Der scheidende Schupo zu machen. Sebastian Marka hat mich damals zusammengebracht mit dem Drehbuchautor Erol Yesilkaya, die beiden haben ja schon einige TATORTe zusammen gemacht. In dieser Konstellation haben wir uns dann mit der Producerin Tanja Marzen getroffen, um diesen Berlinale-TATORT voranzutreiben. Unsere Frage war: kommen wir gemeinsam nicht doch noch mal auf eine ganz andere Idee?

Und?

Der Regisseur Sebastian Marka (Mitte) und Mark Waschke (li) und Meret Becker (re) beim Drehstart von Meta im Februar 2017. Die Dreharbeiten fanden parallel zur Berlinale statt. Das Foto enstand am Potsdamer Platz Bild: rbb/ Reiner Bajo

Nanni Erben: Diese Grundidee, einen Fall mit zwei Ebenen, den Film-im-Film zu erzählen, stammt vom Autor Erol Yesilkaya. Erol ist nahezu unerschöpflich kreativ und wir waren tatsächlich alle sofort total begeistert. Er hat dann diese Geschichte mit der Film-im-Film-Idee und der „Meta“-Ebene in einem Treatment auf 12 oder 14 Seiten niedergeschrieben. Wir haben diese Stoffidee dann der Fernsehspielchefin Cooky Ziesche und der Redakteurin Josephine Schröder-Zebralla vom Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) vorgestellt. Auch sie waren beide sehr angetan und haben grünes Licht gegeben. Dann ging es recht schnell und Erol Yesilkaya hat den Drehbuchauftrag bekommen. Wir haben übrigens – im Vergleich zu vielen anderen TATORT-Produktionen – in diesem Fall gar nicht viele Fassungen entwickelt, das ging also recht zügig.

Der rbb ist sehr stolz, dass dies die erste TATORT-Folge überhaupt war, die auf der Berlinale gedreht werden durfte. Warum ist das denn eigentlich so schwierig?

Für die Dreharbeiten auf dem roten Teppich hatte das Team ein sehr enges Zeitfenster zugeteilt bekommen. Arbeitsfoto von den Dreharbeiten während der Berlinale v. li.: Regisseur Sebastian Marka, daneben Mitte Issak Dentler (Rolle Regisseur Michael Schwarz), Meret Becker (Rolle Nina Rubin) und Mark Waschke (Rolle Robert Karow). Bild: rbb/ Reiner Bajo

Nanni Erben: Der Zeitplan der Berlinale ist unglaublich eng getaktet. Da ist im Prinzip jede Minute und jeder Platz besetzt und verkauft. An Presse, an Filmteams oder an Vorführungen - es gibt ein strenges Protokoll und ganz klare Ablaufpläne und die können nicht unterbrochen werden. Es gibt im TATORT Meta ja vor dem Berlinale-Palast diese Szene auf dem roten Teppich, wo die beiden Kommissare drüber laufen. Normalerweise würden man an so was vielleicht einen halben Tag drehen, aber wir hatten dafür nur 45 Minuten Zeit.

Es gab kein anderes oder größeres Zeitfenster?

Nanni Erben: Nein, es gab kein größeres Zeitfenster für uns, wir mussten diese 45 Minuten nutzen und es schaffen. Das war das einzige Zeitfenster, welches zwischen zwei Filmpremieren lag. Wir brauchten auch unbedingt den Abend, denn wir wollten die gleiche Stimmung wie die realen Premieren auf der Berlinale einfangen. In dieser Dreiviertelstunde sind wir dann mit unserem Team vorgefahren und haben gedreht, dass unser fiktiver Regisseur aus dem Auto steigt und ihm die beiden Kommissare Rubin und Karow in den Berlinale-Palast folgen. Das Zeitfenster war unglaublich eng, weil schon wieder sehr schnell die nächsten Premieren und auch die Vorfahrten schon wieder begannen. Wir hätten auch mit unserer Kamera nirgends anders stehen können. Das war im Nachhinein sehr aufregend und sehr schön, dass wir die Gelegenheit dazu bekommen haben – und dass es geklappt hat.

Was hätten Sie gemacht, wenn es aus irgendwelchen Gründen nicht geklappt hätte?

Nanni Erben: Dann hätten wir es nochmal herstellen müssen, also nachbauen, mit vielen Statisten zu einem anderen, späteren Termin. Aber das wäre nicht das gleiche geworden!

Eine Besonderheit bei „Meta“ ist ja, dass der Vorspann leicht modifiziert und verändert wurde. Ist das am Computer entstanden?

Nanni Erben: Ja, wir haben diese Szene im Berliner Babylon Kino gedreht. Die Zuschauer- Komparsen wurden vor einer grüner Wand gedreht. Nach den Dreharbeiten wurde in der Postproduktion am Computer die grüne Fläche durch das TATORT-Bild ersetzt.

Beim Nachtdreh im Februar 2017 zum TATORT Meta: Der Regisseur Sebastian Marka sitzt inmitten seines Produktionsteams. Bild: rbb/ Reiner Bajo

Wie ist ihr persönliches Fazit zu „Meta“?

Nanni Erben: Natürlich muss ich ihn als Produzentin sehr gelungen finden, aber ich finde das auch ganz ehrlich und bei aller Selbstkritik so. Meta ist schon deshalb grandios, weil er nie langweilig wird. Er hat unglaublich viele kluge Wendungen, man ist als Zuschauer permanent dran, immer wieder in einer anderen Ebene des Krimis. Sebastian Marka hat das sehr gelungene Drehbuch großartig inszeniert. Mich haben aber auch die beiden Kommissare sehr begeistert. Ich finde es sehr gut dargestellt, wie Robert Karow sich in diesem Fall verliert und Nina Rubin ihn wieder auffängt. Tatsächlich finde ich, dass Meta größer als das Leben geworden ist – so wie wir das wollten. Meta ist im Prinzip wie die Berlinale: schillernd, berauschend und großartig – eben ein Film-Fest!

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte François Werner


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