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Meta

Ganz großes Kino

Berlin. Berlinale. Der Kriminalfilm „Meta“ feiert Premiere. Er beginnt mit einem abgetrennten Finger in einem Päckchen, das bei der Mordkommission eingeht. Der Absender führt zu einem Lagerraum, in dem eine große Kiste steht. Darin schwabbelt, in Formaldehyd eingelegt, die zugehörige Leiche eines Mädchens herum. Gemietet wurde der Lagerraum von einem Filmproduzenten, der gerade einen Film darüber gedreht hat, in dem es darum geht, dass ein abgetrennter Finger per Post an die Mordkommission geschickt wurde, der diese zur Leiche in einem Lagerraum führt ...

Die Kommissare auf der Berlinale. © rbb / Reiner Bajo

Und das Bemerkenswerte ist: Diese kleine Inhaltsbeschreibung trifft auf gleich zwei Filme zu: den TATORT „Meta“ ebenso wie den fiktiven Thriller „Meta“, der das Kernstück des TATORTs darstellt.

Geheim-Geheimdienst im Film-Film

Oh je, schon wieder ein Experimental-TATORT? Aber ehe jetzt alle, die von Horror-TATORTen, mordenden Avataren, überdrehten Comedy-Plots oder existenzialistischen Dialogen zwischen Filmfiguren und den sie darstellenden Schauspielern entnervt sind, panisch die Fernbedienung zum Umschalten suchen: Entspannen Sie sich! Lehnen Sie sich wie im Kino zurück und lassen Sie sich einfach in den Film hineinziehen. Sie werden es nicht bereuen.

Mit „Meta“ ist etwas überraschend ausgerechnet dem RBB ein echtes Juwel gelungen. Die Idee ist ebenso originell wie ergiebig: Der genaue Hergang bei den Ermittlungen zu einem Mordfall wird in einem Film vorhergesagt, alles trifft mehr oder weniger so ein, wie es auf der Leinwand zu sehen ist. Dadurch erhalten die Kommissare – das Berliner Duo Rubin und Karow – entscheidende Hinweise auf den Täter und die Hintergründe des Mordfalls, den sie zu lösen haben. Womit natürlich klar wäre, dass der Drehbuchautor des Films in den Fall verwickelt sein muss. Aber wozu der Aufwand?

Robert Karow recherchiert in einem Bordell. © rbb / Reiner Bajo

Während der coole wie unterkühlte Kommissar Karow sich immer stärker von der Filmvorlage in den Bann ziehen lässt, ihn komplett für bare Münze nimmt und dabei allmählich den Bezug zur Realität verliert, bemüht seine emotional aufgewühlte Kollegin Rubin sich dagegen um einen kühlen Kopf. Das Verschwörungsszenario, das der Film aufwirft, erscheint ihr zu abstrus, aber immer, wenn sie glaubt, einen schlagenden Beweis dafür zu haben, dass „Meta“ eben doch letztlich „nur ein Film“ ist, erfüllt sich wieder eine von dessen Vorhersagen. Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen für die Ermittler also zunehmend. Karow fühlt sich von einem extrageheimen Geheimdienst, der Organisation Gehlen, einem aus alten Nazis rekrutierten Vorläufer des heutigen BND, verfolgt, an dessen Existenz Rubin hingegen nicht glauben mag. Für sie ist der Drehbuchautor selbst der Täter, der mit dem ganzen Spektakel nur von seinem schlechten Gewissen ablenken will. Und dem womöglich der Kultfilm „Taxi Driver“ zu Kopf gestiegen ist. Während Karow sich immer mehr zu eben jenem einst von Robert de Niro gespielten Travis Bickles entwickelt und bald schon seine eigene Jodie Foster getroffen hat. Große Filmzitate also, aber klar: Es ist ja auch Berlinale.

Die Geschehnisse des Films "Meta" wiederholen sich in der Wirklichkeit. © rbb / Reiner Bajo

Beim Häuten der Zwiebel

„Meta“ überzeugt nicht nur durch sein „Zwiebelschalensystem“, wie Schauspielerin Meret Becker es passend bezeichnet, der Film ist trotz dieser Konstruktion dicht, spannend und gut nachvollziehbar. So irrwitzig die Wendungen der Handlung mitunter auch sind – wenn man sich einmal auf die Sache einlässt, bleibt alles durchaus plausibel. Das schon in zig TATORTen durchexerzierte Spiel mit allerlei Meta-Ebenen wird in „Meta“ auf eine neue Ebene gehoben. Eine Meta-Metaebene, sozusagen. Klingt abgehoben, trotzdem bleibt alles sehr bodenständig. Dazu ist die Inszenierung auch noch erfreulich detailverliebt: die Szenen auf der Berlinale sind eben dort im letzten Jahr gedreht worden, da passt die Terminierung zur Eröffnung des diesjährigen Filmfestivals perfekt. Schon im Vorspann erwartet den Zuschauer eine Überraschung, auch der Abspann wartet mit einer solchen auf, und die Konstruktion des Film im Film im Film bietet auch während dieser auf- und anregenden 90 Minuten viele Gelegenheiten zu hübschen kleinen Gags, die dennoch nie auf witzig getrimmt sind – auch der Humor funktioniert hier eher auf der Meta-Ebene. Aber gerade die Filmszenen mit den Filmszenen entwickeln einen ganz eigenen Zauber.

Vier Filme, ein Film-Festival und ein TATORT, der schon jetzt heißer Anwärter auf den besten Beitrag der Reihe des Jahres ist, mindestens – so ein Film wäre es glatt wert, auf der Berlinale gezeigt zu werden. Ach, wird er in gewisser Weise ja auch. Am ersten Berlinale-Sonntag eben. Kurzum: ganz großes Kino.

Heiko Werning


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