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Heute ist der: 18.11.2019. --> Bis heute wurden 1122 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Zeit der Frösche"

Lohnt sich der Heike-Makatsch-TATORT heute?

Einschalten oder wegschalten? Wir haben den neuen TATORT heute aus Mainz für Euch vorgeschaut!



Zeit der Frösche ist der zweite Fall für Ellen Berlinger Bild: SWR-Pressemappe

Worum geht’s in diesem TATORT?

Wieder mal ist die Geschichte angesiedelt im Milieu von Teenagern. Schon im ersten Auftritt Fünf Minuten Himmel war Ellen Berlinger mit Heranwachsenden konfrontiert, nicht zuletzt und zusätzlich auch mit ihrer eigenen Tochter Nina, die sie jahrelang bei ihrer Mutter in Freiburg aufwachsen ließ.

Auch in ihrem zweiten TATORT Zeit der Frösche“ verfällt Ellen Berlinger ins gleiche Muster: sie „parkt“ ihre zweite Tochter Greta, kaum mehr als ein Jahr alt mittlerweile, bei ihrer Cousine oder einem netten Kindergärtner, während sie den Fall um einen vermissten Teenager lösen muss. Und: auch hier kommt ein Teenager aus ihrem persönlichen Milieu wieder ins Spiel…

Welchen Fall muss Ellen Berlinger lösen?

Am Ende einen sehr persönlichen Fall.

Der Fall beginnt mit einem blutdurchtränkten Kapuzenpulli. Der ist für Ellens Kollegen Martin ein böses Signal. Ihm liegt seit Jahren eine unaufgeklärte Mordserie an Jugendlichen schwer auf der Seele. Jetzt ist er überzeugt, dass wieder ein Teenager getötet wurde. In Ellens Augen ist das nur eine der möglichen Erklärungen. Aber auch sie ist beunruhigt. Denn der Pullover könnte Jonas gehören, Majas Sohn. Und zu diesem hat sie eine spezielle Verbundenheit entwickelt.

Jonas sollte nach dem Schulfest vom Vorabend bei einem Ausflug mit Freunden sein, aber Ellen kann ihn dort nicht erreichen. Jonas' Eltern machen sich noch keine Sorgen, anders als die der 16-jährigen Marie Blixen. Auch Marie war bei dem Schulfest, ist aber von dort nicht mehr zurückgekehrt. Die wohlhabenden Eltern fürchten eine Entführung, um von ihnen Lösegeld zu erpressen. Der Kapuzenpulli dagegen, geben sie an, stammt nicht von Marie.

Die Verhöre von Maries Mitschülern über den Abend des Schulfests erbringen nicht viel, noch nicht mal Max, mit dem Marie geflirtet hatte, hat etwas zu sagen. Dann geht tatsächlich eine Lösegeldforderung ein. Eine Geldübergabe wird versucht, doch Marie ist bereits tot, erschlagen und auf einem verlassenen Gelände zurückgelassen. An der Leiche finden sich Spuren des grauen Kapuzenpullis. Ellen beginnt zu fürchten, dass Jonas in den Fall verwickelt ist….

Ellen Berlinger (Heike Makatsch) im Einsatz in Zeit der Frösche © SWR/Julia Terjung

Überzeugt die Makatsch als Polizistin?

Naja, es wird langsam. Die Figur Ellen Berlinger gewinnt in ihrem zweiten Fall noch deutlich an Konturen. Sie ist immer noch kein Sympathiebolzen – manchmal abweisend, mürrisch, schlecht gelaunt und gestresst – aber langsam macht die Figur sich locker, so mein Eindruck. Woran ja vielleicht doch auch der Kindergärtner seinen bescheidenen Anteil hat, der Ellen hartnäckig den Hof macht.

Als Polizistin ist sie kompetent, entschlossen und gründlich. Trotz nächtelanger Verhöre und Übermüdung der Ermittlerin durch ihre familiäre Konstellation mit Tochter Greta bleibt sie fast immer professionell, ja glaubhaft. In Berlingers fast gereizter und bestimmter Deutlichkeit gegenüber machoiden Männern und Verbrechern scheint sogar die unbestechliche Beamtin durch.

Mit ihren Ermittlungsmethoden streift sie aber durchaus auch mal die Grenzen der Legalität. Zum Glück hat sie ein Korrektiv; ihren Kollegen Rascher, der ihr das jeweils rechtzeitig klarmacht.

Jonas (Luis Kurecki) ist drei Jahre jünger als Max (Paul Michael Stiehler), aber so gut in Mathe, dass er dem Älteren Nachhilfeunterricht geben kann. Jonas ist der Neffe von Hauptkommissarin Ellen Berlinger © SWR/Julia Terjung

Welche Beziehung hat Ellen zu ihrem Neffen Jonas?

Eine Art Seelenverwandtschaft könnte man sagen, die gekennzeichnet ist von einer selbstverständlichen Vertrautheit.

Die beiden angeln zu Beginn des Films am Rhein und schon diese kleine Szene zeigt diese Verbundenheit ganz gut. Das Gespräch, die Aussagen und das Vokabular des Jungen sind zwar relativ untypisch für einen pubertären Jungen. Der weiß viel über den Mars und das Hormon Oxytocin; er bricht Emotionales gerne auf Faktisches und Tatsachen herunter. Aber das bleibt nachvollziehbar, denn Jonas lebt in seiner eigenen Welt, er findet schwer Verbindung zu den Menschen, die ihn umgeben und empfindet zu große Nähe als unangenehm. Und das ist seine Gemeinsamkeit mit Hauptkommissarin Ellen Berlinger. Die kann Nähe offenbar auch nur schwer ertragen, wie sich dann während des Films zeigt.

Dramatischer Höhepunkt des Films ist dann die die Frage der möglichen Täterschaft des Neffen Jonas, die Ellen tief bewegt und keinesfalls kalt lässt.

Ellen (Heike Makatsch) macht sich Sorgen um den Sohn ihrer Cousine Maja.. Maya (Jule Böwe) dagegen beharrt darauf, dass alles in Ordnung sei. © SWR/Julia Terjung

Wie erträglich ist die familiäre Verwicklung der Ermittlerfigur?

Die Situation der alleinerziehenden Kommissarin wuppt die Makatsch auch nicht viel besser als die Kolleginnen Lindholm oder Rubin, aber hier wirkt es beiläufiger und dadurch auch realistischer – es wird eher en passant gespielt und bleibt wohltuend niedrig dosiert. Wobei: mehr Raum ist dafür auch kaum bei dieser ganzen familiären Verwicklung.

Denn dass wieder eine Ermittlerfigur persönlich und familiär stark in den Fall verwickelt ist, gehört ja mittlerweile zur dramaturgischen Grundzutat in der aktuellen TATORT-Macher-Ära. Die Identifikationsfläche für die Zuschauer, wenn Ermittlerfiguren als unsere TV-Helden Dinge erleben und für uns vom Wohnzimmersofa aus sichtbar wird, wie sie mit den Konflikten und Problemen umgehen, ist dramaturgisch mittlerweile abgerieben und macht viele Krimis nur noch zur vorhersehbaren TATORT-Nummer. So auch hier.

Das Darauf-Beharren und ständige Wiederholen solcher Erzählmuster ist schlicht ermüdend. Warum nicht mal wieder ein TATORT mit authentischen Verbrechen, dem Fokus auf kernigen und interessanten Figuren aus der Unterwelt und einem Ermittler, der in seinem Dienst einfach nur einen Fall löst?

In welcher Stadt ermittelt Ellen Berlinger überhaupt?

Ellen Berlinger hat sich in die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz, nach Mainz, versetzen lassen. In ersten Fall Fünf Minuten Himmel löste sie noch in Freiburg. Nach dem Tod ihrer Mutter hat Ellen aber Freiburg verlassen und ihre Tochter Greta geboren.

In Mainz wohnt Ellens Cousine Maja, bei der Greta immer "zwischengeparkt" werden kann. Von Mainz ist in dieser Folge recht wenig zu sehen. Bis auf den Rhein, den Hauptbahnhof und den Brückenkopf in Kastel sieht man doch recht wenig von der Landeshauptstadt. Das Team hatte in Mainz nur zwei Drehtage. Der Rest wurde in Berlin gedreht.

Heike Makatsch, Kameramann Martin Fakas und das Team der Zieglerfilm Baden-Baden bei den Dreharbeiten zum "Tatort - Zeit der Frösche" in Mainz im NOvember 2017 © SWR/Zieglerfilm

Warum werden Makatsch-TATORTe immer zu Ostern gezeigt?

Für „Zeit der Frösche“ war der Termin an Ostern der nächste erreichbare Feiertags-Sendetermin, weil er erst kurz vor dem letzten Weihnachtsfest abgedreht wurde. Traditionell sind die „TATORT-Specials“ mit Heike Makatsch innerhalb der ARD als sog. „Event“-TATORTe konzipiert. Diese werden immer an besonderen Feiertagen wie Ostern, Neujahr oder dem zweiten Weihnachtsfeiertag gesendet.

So haben 2013 schon die Weimar-TATORTe mit Tschirner/Ulmen begonnen und auch der gestern wiederholte Falke-TATORT „Frohe Ostern, Falke“ war ein solcher Event-TATORT.

Gab es mit diesem oder 2016 mit „Klingelingeling“ zu Weihnachten „Event-TATORTe“, die auch inhaltlich zu diesem besonderen Sendetermin passten, haben die beiden bisherigen Makatsch-TATORTe das inhaltlich nicht aufgegriffen.

Martin Rascher (Sebastian Blomberg) und Ellen Berlinger (Heike Makatsch) in der Gerichtsmedizin. © SWR/Julia Terjung

Lohnt sich das Einschalten bei „Zeit der Frösche“

Es schadet jedenfalls nicht, denn so ein Ärgernis wie der Erstling wird es diesmal nicht: „Zeit der Frösche“ ist schon besser als der Erstling „Fünf Minuten Himmel“.

Das heißt aber nicht, dass „Zeit der Frösche“ gleich das große Highlight ist. Der Film hat einige Längen, wenngleich er deswegen auch nicht sofort langweilig ist. Trotzdem wären etwas mehr Spannung und auch mehr unterhaltende Elemente wünschenswert gewesen, das ganze kommt doch etwas sperrig daher. „Zeit der Frösche“ erzählt einen tragischen Fall und bringt uns die Figur Berlinger langsam näher. Nicht mehr, nicht weniger.

Das Zeug zum Klassiker hat der TATORT sicher nicht. Und wo das „Event“ ist oder was und warum das ein „Special“ ist, blieb mir schon wieder verborgen. Eine vom SWR so hochgejubelte Hauptdarstellerin allein macht eben auch noch keinen guten Film und in diesem Fall auch keinen „Event“.

Trotzdem hat die Produktion mit Markus Imboden diesmal einen Regie-Routinier beauftragt, der solide inszeniert hat, krimi-erfahren ist und wo kein Schiffbruch droht. Die Bilder sind konventionell fotografiert und sehenswert, die Besetzung ist überzeugend. Auch dieser TATORT wird – wie sein Kölner Vorgänger vor 14 Tagen – als Rückblende erzählt. Warum nur?

Fazit: Beim Makatsch-TATORT ist noch immer Luft nach oben. Mit etwas gutem Willen und Geduld wird der anfangs etwas zäh und schleppend erzählte Handlungsablauf aber immer mehr zu einem akzeptablen Wochenendausklang. Rechtgeben muss man dem Kindergärtner, als er der Berlinger sagt: „Du bist kaum unter den TOP10!“. Vielleicht schafft die Makatsch das dann im dritten TATORT. 

Ich gebe in der TATORT-Rangliste 5 von 10 möglichen Punkten.

Francois Werner
TATORT: MAINZ

Um in der Nähe der Familie zu sein, hat Kommissarin Ellen Berlinger sich nach ihrer Babypause in die rheinland-pfälzische Hauptstadt versetzen lassen. Dort muss sie ermitteln, als ein junges Mädchen verschwindet, das womöglich zum Opfer in einer Mordserie wurde. TATORT-Erstsendung am Ostermontag, 2. April 2018

TATORT: MAINZ

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KRITIK "ZEIT DER FRÖSCHE"

Was ist so speziell an dieser alleinerziehenden Schlechte-Laune-Ermittlerin Ellen Berlinger, die abweisender ist als jede Teflonpfanne? Und an dieser Krimi-Produktion, die handstreichartig von Freiburg nach Mainz verlegt wurde und sogar ziemlich gewöhnlich ist. Jens Szameit über den zweiten TATORT mit Heike Makatsch



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