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Heute ist der: 19.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Goldbach

Das Schwarzwald-Debüt

Schon lange wird über den neuen Schwarzwald-TATORT geredet. Vor allem deshalb, weil ursprünglich Harald Schmidt den Vorgesetzten der Kommissare Franziska Tobler und Friedemann Berg spielen sollte. Wohl aufgrund dieser Personalie dachte man, im Südwesten des Landes entstehe eine neue humoristische Ermittlerzelle. Weit gefehlt! Schmidt sagte sein Engagement kurzfristig ab, doch das Grundkonzept des Films dürfte das nicht verändert haben. Die herausragenden Bernd Lange (Drehbuch) und Robert Thalheim (Regie) erschufen mit dem TATORT "Goldbach" ein leises, ungeheuer intensives Drama über Städter, die mit ihren Familien das Idyll der Natur suchen. Als ein Kind stirbt, zerbricht die Gemeinschaft an Leid und Misstrauen.

Das neue TATORT-Team aus dem Schwarzwald. © SWR / Alexander Kluge

Der TATORT beginnt mit einem Schuss - und der Stille unmittelbar danach. Man hört das Geräusch und sieht noch lange in einer statischen Kameraeinstellung die Wipfel der noch winterlichen Bäume. Durch den Schuss wurde das Leben eines Kindes beendet, doch die Natur lässt das unbeeindruckt. Die Bäume stehen weiterhin herum, der Wind bewegt sich durch sie hindurch wie zuvor. Als die Ermittler, von denen das Drehbuch behauptet, sie wären schon immer dagewesen, in eine kleine Siedlung alter Schwarzwaldhäuser kommen, arbeiten sich drei befreundete Familien gerade lachend an einem Baum ab. Doch an den Gesichtern der Kommissare lässt sich ablesen: Hier wird eine Todesnachricht überbracht. Das Leben der Städter, die hier herausgezogen sind, damit die Kinder in der Natur aufwachsen, wird von nun an nicht mehr dasselbe sein.

Die elfjährige Tochter von Jens und Barbara Reutter ist tot. Linus, der Sohn einer zweiten Familie, ist spurlos verschwunden. Nur das dritte Kind, das mit den anderen beiden zum Spielen aufgebrochen war, kehrt zurück, als wäre nichts gewesen. Man habe sich getrennt, heißt es. Was die anderen gemacht hätten, wüsste er nicht - sagt der als einziger zurückgekehrte Paul.

Franziska Tobler will von Paul wissen, was pasiert ist. © SWR / Johannes Krieg

Neben der leise, aber präzise gezeichneten Polizeiarbeit beobachtet das Drehbuch Bernd Langes, der gemeinsam mit Hans-Christian Schmid auch für die sehr starke ARD-Miniserie "Das Verschwinden"verantwortlich ist, vor allem das Zerbrechen der idealistischen Städter-Gemeinschaft. Wie ist das Mädchen gestorben? Was ist mit dem verschwundenen Linus passiert? Und weiß Paul mehr, als er sagt?

Die neuen Schwarzwald-Kommissare Hans-Jochen Wagner und Eva Löbau sind weniger Schauspiel-Stars denn herausragende Charakterdarsteller. Wagner, ein halbes Leben lang in pointierten Nebenrollen zu sehen, erreichte ein größeres Publikum als Co-Ermittler in der ZDF-Krimireihe "Kommissarin Heller". Ein Job, den er für den neuen TATORT aufgab. Wagner kommt ebenso aus Baden-Württemberg wie Eva Löbau. Löbau, eine Schauspielerin mit besonderer, schwer zu beschreibender Aura, haben Kenner seit dem Film "Der Wald vor lauter Bäumen", einem Frühwerk von Maren Ade, auf dem Schirm. Als extrem selbstunsichere, junge Lehrerin sorgte Löbau dort für einige der intensivsten, schamhaftesten Momente der deutschen Filmgeschichte.

Der Vater des toten Mädchens hat sich in seiner Trauer zurückgezogen. © SWR / Johannes Krieg

Nun haben es Wagner und Löbau also in die Prominentenriege der TATORT-Kommissare geschafft. Sicher auch ein bisschen Lohn für viele Jahre mit überdurchschnittlichen Leistungen vor der Kamera. Hinter der Kamera schafft Gleiches mit beeindruckender Regelmäßigkeit der Regisseur Robert Thalheim. Der 1974 geborene Berliner ist alles andere als ein Krimispezialist, liefert aber in allen Genres immer wieder herausragende Glanzlichter ab. Ob im grandiosen Außenseiter-Porträt "Netto", im fantastischen Familienfilm "Eltern" oder zuletzt mit der Agentenkomödie "Kundschafter des Friedens" - Thalheim "inszeniert" keine Film, er packt eher außergewöhnlich sorgfältig beobachtetes Leben in kluge Bildererzählungen. Bei soviel Kreativ-Potenzial muss ein neuer TATORT nicht automatisch gut werden, doch hier ist alles aufgegangen. Das leise, aber sehr schmerzliche Drama, in dem Godehard Giese als Vater des toten Kindes mal wieder aus vielen guten Darstellern herausragt, ist einer der besten TATORTe des Jahres 2017.



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