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Heute ist der: 19.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

TATORT: Stau

"La La Land" im Ländle

Nein, diesmal geht es nicht um Stickoxyde oder Feinstaub, wir sind nicht am Neckartor oder auf der Durchgangsader B 10, wo die deutschen Verschmutzungsrekorde gemessen werden. Aber die Weinsteige, die sich von der Stuttgarter Innenstadt hochschlängelt zum Fernsehturm und zur Autobahn, ist auch nicht schlecht. Dort sind die Staus programmiert.

TATORT StauLannert und Bootz ermitteln auf der Stuttgarter Weinsteige - mit wunderschönem Panormablick in den Kessel. Bild: Alexander Kluge (SWR)

Dietrich Brüggemann (Buch und Regie) hat die Situation derart eindrucksvoll selbst erlebt, dass er daraus einen ungewöhnlichen Stuttgarter TATORT-Krimi gemacht hat. Es schwäbelt an allen Ecken und Enden - der frühere Kommissar Bienzle alias Dietz-Werner Staeck hätte seine Freude daran gehabt.

Ansonsten: Viel Komik im Stau, so der Titel des Films. Und mittendrin zwei Kommissare, die sich, Verzeihung, den Hintern aufreißen. Es dauert allerdings gefühlte zehn Minuten, bis dieser Whodunit-Krimi, der in Wahrheit eine schwarze Komödie ist, endlich in die Gänge kommt. Man muss erst mal die Sonntagspredigt einer Kindergärtnerin über sich ergehen lassen, worin diese Aufklärung gibt über gestresste Eltern und Kinder, die an ihnen leiden. Nicht die Kinder sind's, die einen verkorksten Charakter haben, sondern die Eltern, die dahinleben in ihren Zwängen - teils mit dem Gasfuß auf der Überholspur, teils auch im Stau. "Mit Vollgas im Stau", so das Ende der geschwäbelten Gesellschaftsanalyse, die durchaus das Zeug zum Deutschen Kleinkunstpreis hätte.

Lannert und Bootz ermitteln unter Zeitdruck. Können Sie im Stau den Täter entlarven und festnehmen? Bild: SWR/A. Kluge

Auch danach lässt der Titel-Stau noch auf sich warten. Es gibt immer wieder Short Cuts: Menschen in allen möglichen Stress-Situationen. Den Rentner, vom Altstar Rüdiger Vogler mitreißend gespielt, der gerne ein neues Wohnrecht hätte, den Angestellten, den der Chef für eine Botenfahrt nach Feierabend missbraucht, und eben auch die Kindergärtnerin, die ihre Pappenheimer kennt. Das Radio spielt Chart-Nummern am laufenden Band für Kinder, die ihre Mütter gängeln. Immerhin: Erste Staumeldungen werden schon mal durchgesagt.

Dann kommt's: In einer Wohngegend nahe der Weinsteige wurde ein 14-jähriges Mädchen tot aufgefunden. Unfall oder Mord? - Ein dreijähriger Dreikäsehoch will durchs Fenster das Geschehen beobachtet haben: "Da ist ein Mädchen umgefallen", gackert er und verweist später auf sein rotes Spielzeugauto, als er um eine Beschreibung des Tatautos gebeten wird. Vielleicht hat er auf dem Schoß der Mutter, scheinbar schlafend, auch nur einen Film gesehen, in dem so was vorgekommen ist. Das alles geschah in einer Nebenstraße, die zur Weinsteige, einer Stuttgarter Ausfallstraße, führt. Die ist wegen eines Wasserrohrbruchs vorübergehend gesperrt. Der Täter muss in den Stau hineingefahren sein.

Als keine große Hilfe entpuppt sich der dreijährige Augenzeuge. Kommissar Bootz versucht es dennoch mit Geduld. Bild: Alexander Kluge/SWR

Schwerstarbeit für Lannert und Bootz, Richy Müller und Felix Klare, in ihrem 20. Fall. Da heißt es, jedes Fahrzeug filzen, tausend Fragen stellen - einer der vielen Fahrzeuglenker muss ja der Täter sein. Wie sie das machen, darf man durchaus großartig nennen. Scharfe Vorstandsfrauen und genervte Chauffeure werden befragt, tief in die Seele zerrütteter Ehen hineingeblickt.

Stark gecastet, das alles, wirklich vom Feinsten. Von der in eine Studiohalle hineingebauten Staufalle mit Blick auf die Lichter der Stadt (fast wie L.A.) ganz zu schweigen. So greift eine schwarze Dialogkomödie Platz, die allerdings zu einer etwas nichtigen Auflösung führt. Die Kinderschänder und Vergewaltiger, die via Datennetz infrage kommen, haben diesmal Pause. Das Komische überwiegt, die Spannung könnte durchaus größer sein. Aber die Verhöre, in die all die Verdächtigen hineingezwungen werden, auch die Scharmützel zwischen den Stuttgarter Kommissaren und den gequälten Vertretern der Ortspolizei, haben Pep. Und nicht zuletzt lernt der Zuschauer ja auch viel über unterlassene Hilfeleistung und die tödlichen Folgen einer Fahrerflucht.

Durchhalten lohnt sich also.

Wilfried Geldner
Teleschau Mediendienst
 
TATORT: WEINSTEIGE STUTTGART

TATORT: Stau

Feierabendzeit an einem Herbsttag in Stuttgart. Die Stadt steht im Stau. Alle wollen nach Hause, keiner kommt voran. In einer Wohngegend liegt ein junges Mädchen tot am Rande der Fahrbahn. Schädelbasisbruch, das könnte ein Unfall mit Fahrerflucht sein, aber auch eine absichtliche Tötung. Der einzige Zeuge ist erst drei Jahre alt und entsprechend unzuverlässig. Also macht Thorsten Lannert sich auf zu der Wagenschlange, sichert Spuren, sammelt Aussagen und begegnet dabei der ganzen Bandbreite von zunehmend gereizten Heimkehrern.
TATORT-Erstsendung am Sonntag, 10. September 2017

INTERVIEW MIT RICHY MÜLLER

Richy Müller spielte in „Stau“ zum 21. Mal den Hauptkommissar Thorsten Lannert. Welches Alleinstellungsmerkmal dieser Kommissar heute noch hat, was der Darsteller über das Privatleben der Ermittler denkt und wofür sich der Schauspieler immer wieder einsetzt, verrät er im Interview.

INTERVIEW MIT DIETRICH BRÜGGEMANN

Dietrich Brüggemann hat mit „Stau“ seinen ersten TATORT-Film inszeniert. Im Interview erklärt er, was die Besonderheiten seines Erstlingswerks sind, welchen logistischen Aufwand die Dreharbeiten erforderten und welche Bedeutung Filmmusik oder Autobatterien haben können. "Stau" läuft in Kürze als Premiere auf dem Filmfestival des Deutschen Films in Ludwigshafen und am 10. September 2017 in DasErste.

INTERVIEW MIT SZENENBILDNER PROF. KLAUS PETER PLATTEN

Prof. Klaus-Peter Platten hat über Jahre zahlreiche TATORTe aus Süddeutschland als Szenenbildner gestaltet. Im Interview erzählt er, wie bei der neuesten Stuttgarter-Folge Stau vorgegangen ist, um die Weinsteige möglichst realistisch nachzubilden.

BILDERGALERIE VON DER PREMIERE

Am 2. Juni 2017 wurde der TATORT "Stau" auf dem SWR-Sommerfestival auf dem Stuttgarter Schlossplatz erstmals 5.000 gespannten Zuschauern vorab präsentiert. Mit großem Applaus goutierten die Besucher der Premiere den neuen TATORT von Dietrich Brüggemann. Eine Bildergalerie von der Veranstaltung.

FANS BEIM MEET & GREET

Am 2. Juni 2017 wurde der TATORT "Stau" auf dem SWR-Sommerfestival auf dem Stuttgarter Schlossplatz erstmals 5.000 gespannten Zuschauern vorab präsentiert. Vorher konnten ausgewählte TATORT-Fans an einem Meet & Greet teilnehmen und die Hauptdarsteller Richy Müller und Felix Klare hautnah miterleben. Einige Bilder von der Veranstaltung



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