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Heute ist der: 20.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Level X

Von Gurus und Blendern

Der 17-jährige Simson ist "Prankster". Er spielt Leuten Streiche, filmt diese und übertragt sie via eigenem Kanal ins Internet. Simsons junge Fangemeinde ist riesig. So sehen Tausende, wie das Internet-Idol vor laufender Drohnen-Kamera stirbt, nachdem er eine Rockerbande geärgert hat. Trotzdem kommt der schwarzlederne Mob nicht als Täter in Frage.

Tod eines Pranksters. © MDR / Gordon Muehle

Die Kommissarinnen Sieland und Gorniak recherchieren mit ihrem Chef Schnabel in der ihnen kaum vertrauten Welt der Social Media-Gurus und ihrer Jünger. "Level X" ist der erste Fall für das neue Dresdner Team, der nicht von Starautor Ralf Husmann geschrieben wurde. Sein klug ausgedachtes Thema schöpft der künstlich wirkende Krimi kaum aus.

"Kann nicht mal jemand dieses verdammte Internet ausschalten", schreit Martin Brambach in seiner Rolle als Kommissariatsleiter mit Old School-Werten irgendwann den Computer an. Natürlich ist dieser alternde Ost-Macho mit weichem, tragikomischen Kern der Prototyp des Ahnungslosen, wenn es um virtuelle Welten geht. Auch das, was diese Welten mit ihren jungen Wanderern machen, entzieht sich weitgehend der Dresdner Ermittler-Erkenntnis.

Die Ermittler befragen Social Media-Guru Magnus Cord. © MDR / Gordon Muehle

Die alleinerziehende Kommissarin Gorniak hat immerhin ihren halbwüchsigen Sohn, der ihr hin und wieder ein paar Tipps gibt. Ansonsten begegnet das Kriminalisten-Trio seinem vom 1979 geborenen Autor Richard Kropf erdachten Sujet relativ ahnungslos. Vom arroganten Internet-Impresario Magnus Cord, der junge Social Media-Stars im Dutzend unter Vertrag hat, hören sich Kommissare und Zuschauer eine öffentliche Nachruf-Predigt an, die man einfach nicht glauben kann. Hat Simson seinen großsüchtigen Förderer von einst vielleicht ein bisschen zu sehr geärgert? Oder kommt ein Konkurrent wie Prankster Scoopy als Täter in Frage? Und wie sieht es mit der hübschen jungen Emilia aus, die als Fan eine besondere Nähe zu Simson pflegte?

Ähnlich wie die Kommissare mit ihrem unvernetzten Weltbild oft sinnbildlich vor verschlossenen Türen stehen, kommt auch Emilias Mutter, eine Pastorin, nach dem Tod Simsons nicht mehr an ihre Tochter heran. Die Sprache der Geistlichen, die vergebens an die verschlossene Zimmertür der halbwüchsigen Tochter klopft, ist ebenso künstlich wie die übertriebenen Anglizismen des Internet-Gurus Cord. Was könnte das bedeuten? Vielleicht, dass die jungen Massen im Film unter der Regie von Gregor Schnitzler nicht mehr durch Sprache erreichbar sind, sondern lediglich über die Macht des Bildes und seiner Thrill-Momente? Worte waren gestern, heute zählt nur noch das Live-Bild. Dieses verfolgen und kommentieren jugendliche Follower im Film mit aufpoppenden Nachrichten über einem in Stille fotografierten Stadtpanorama, eine schöne Idee der Regie.

Die junge Emilia wird befragt. © MDR / Gordon Muehle

Weniger schön ist die Künstlichkeit, mit der Richard Kropf - auch Headautor der derzeit gefeierten deutschen Gangster-Serie "4 Blocks" - seine Protagonisten agieren lässt. Der Guru, schließlich handelt es sich beim TATORT "Level X" um eine Auftragsarbeit des MDR zur ARD-Themenwoche "Woran glaubst du?", agiert so künstlich, dass man davon ausgehen muss, selbst Kids mit abgebrochener Hauptschulausbildung müssten diesen schmierigen Nervbolzen in Nullkommanichts als Blender enttarnen. Auch die Pfarrerin in ihrem einer "Eltern"-Ausgabe der 80-er entlehntem Duktus oder die Naivität der Ermittler in manchen Begegnungen mit der Netz-Szene sind nicht wirklich glaubhaft geraten.

So bleibt ein durchschnittlicher TATORT, mit deutlich weniger Humor als die beiden Husmann-Folgen, der sein spannendes Thema leider nicht völlig ausschöpft. Ralf Husmanm, der vor allem beim in der Schlagerszene spielenden Dresdner Team-Debüt "Auf einen Schlag" ein Meisterstück lieferte, soll den Sachsen als Autor allerdings nicht völlig abhandenkommen. Für Folge vier, so heißt es, wäre der vielbeschäftigte Autor wieder mit an Bord.

Eric Leimann
Teleschau Mediendienst
 
 


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