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Heute ist der: 24.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Fangschuss

Schlumpfine beim Herren-Ballett

Man hat es über die vielen Jahre fast vergessen, vielleicht sogar ein bisschen verdrängt: Frank Thiel, der ewig grummelnde "Tatort"-Kommissar aus einem Münsteraner Single-Haushalt, ist eben doch kein asexuelles Wesen. Wie zum Beweis steht da im neuen Fall "Fangschuss" die zumindest potenzielle "Frucht seiner Lenden" vor ihm, wie Thiels platonische Hassliebe Professor Boerne genussvoll schäkert.

Leila Wagner ist in Münster auf der Suche nach ihrem Vater. © WDR / Martin Menke

Leila Wagner, ein gerissenes Gör mit Schlumpfschopf, geht davon aus, des Kommissars Tochter zu sein. Ein "ganz passabler Lover" sei er gewesen bei einem möglicherweise folgenreichen One-Night-Stand vor gefühlten Urzeiten - so habe es ihr jüngst die schwer kranke Mama gebeichtet.

Es kennt den Münster-"Tatort" schlecht, der glaubt, die Vielleicht-Tochter eröffne nur einen Nebenschauplatz. Tatsächlich hängt das knallblau gefärbte Früchtchen natürlich mit drin in einem Doppelmordfall, in dem die Stammautoren Stefan Cantz und Jan Hinter gewohnheitsgemäß alles mit allem verquicken: Jägerlatein mit Haarwuchsmittel, verstrahltes ukrainisches Gemüse mit einem belgischen Auftragskiller aus dem Darknet. Kaum möglich, sich da als Zuschauer zurechtzufinden. Viel wichtiger aber: Man fühlt sich pudelwohl.

Die Kommissare Thiel und Krusenstern. © WDR / Thomas Kost

"Das Timing und die Chemie zwischen den beiden, der Rhythmus in ihren Dialogen, sind zu einem Ballett geworden", schwärmt der amerikanische Regisseur der Folge, Buddy Giovinazzo, der zuletzt vor geschlagenen 14 Jahren die Antipoden Boerne und Thiel in Szene setzte ("Tatort: Dreimal schwarzer Kater"). Ihre Schlagabtausche wirken auch diesmal wie Schmiermittel im Getriebe eines chaotisch gebauten und doch ganz schnurrig laufenden Krimimotors. Ein IT-Experte wurde vom Balkon geworfen, ein Investigativ-Reporter erschossen. Beide, so zeigt sich, hatten im Verbund Recherchen gegen einen Münsteraner Futtermittelhersteller angestrengt.

Mit den mutmaßlichen Hintermännern der Taten legt sich furchtlos Thiels neue "Mitbewohnerin" Leila an, die wohl auch im ermordeten Alki-Journalisten einen möglichen Vater wähnte und dessen Rechercheergebnisse nun als Druckmittel ins Spiel bringt. Nur gut, dass in Münster immer ein geparktes Fahrrad zur Hand ist, das man einem Grobian auf der Flucht vor die Füße werfen kann ...

Professor Boerne macht die Jagdscheinprüfung. © WDR / Thomas Kost

Um aktuelle gesellschaftspolitische Bezüge machen sie in Münster auch diesmal einen größeren Bogen als ein Fischallergiker um die Nordseefiliale. Pointe geht vor Plausibilität - das der realitätsabbildenden Trübsal womöglich etwas überdrüssig gewordene "Tatort"-Publikum wird es auch diesmal in großer Vielzahl goutieren. Bildungsauftrag? Nicht so wichtig. Wobei man von einem beredten Snob wie Professor Boerne natürlich immer viel lernen kann - gerade dann, wenn er mit Feuereifer für den Jagdschein büffelt. Man könnte jedenfalls eine Wette darauf abschließen, dass am Ausstrahlungsabend geschätzte rund 13 Millionen Bundesbürger den "Stummelschwanzmakaken" googeln.

Jens Szameit
Teleschau Mediendienst
 
 


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