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Heute ist der: 21.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Borowski und das verlorene Mädchen

Wenn der Mord gar nicht so wichtig ist ...

Die Ausgangssituation: Gemäß den Zahlen der Sicherheitsbehörden gibt es derzeit gut 800 Islamisten aus Deutschland, die in Richtung Syrien oder Irak gereist sind, um dort terroristische Gruppierungen zu unterstützen. Ein Fünftel davon, so heißt es, seien weiblich. Was also treibt eine Frau an, Deutschland mit diesem Ziel zu verlassen? Das ist die Frage, die der Kieler TATORT stellt. Dessen Überschrift "Borowski und das verlorene Mädchen" impliziert von vorneherein: Es gibt kein Zurück.

 

Es ist ein TATORT. Und es darf daher nicht Mord abgehen, wobei dieser nur Beiwerk ist. Die 17-jährige Schülerin Julia nimmt Kontakt zur Polizei auf und äußert die Vermutung, dass ihr Bruder ihre Mitschülerin Maria getötet habe. Doch darüber hinaus gibt sie sich äußerst schweigsam und unkooperativ. Tags darauf wird Maria tatsächlich aus der Kieler Förde gefischt. Borowski und seine Kollegin Brandt werden den Täter suchen. Doch die üblichen Ermittlungsverfahren nehmen nur einen kleinen Raum des Films ein. Denn vor allem richtet sich der Blick der Ermittler auf das Schicksal von Julia, über die der Zuschauer fast die gesamte Zeit über etwas mehr weiß als die Kommissare.

Das Mädchen hat sich ganz offensichtlich mit ihrer Mutter überworfen, nachdem ihr Vater bei einem Unfall ums Leben kam. Ihre psychischen Probleme sind unübersehbar. Antworten erhofft sie sich beim Islam. Man hört sie aus einem Brief an ihre Mutter lesen, den sie niemals abschicken wird: "Eure Fragen sind nicht meine Fragen. Euer Leben ist nicht mein Leben. Eure Wünsche sind nicht meine Wünsche. Ich will nicht mehr die sein, die ich bin. Ich will nicht mehr da sein, wo ich bin." Sie will, sagt sie später, "einen Gott finden, der meine Wunden heilt."

 

Ihr Weg soll sie raus aus Deutschland nach Syrien führen, und offensichtlich gibt es eine ganze Menge Personen unterschiedlichen Glaubens, die an eben diesem Verlassen ihrer Heimat großes Interesse haben. Welche Rolle nimmt dabei der Imam Abu Abdallah ein? Warum sucht dessen Vertraute Amina Jaschar auf so nachhaltige Weise die Nähe von Julia? Und wieso mischt plötzlich die Staatsschutz-Abteilung beim LKA mit ihrem Leiter Kesting mit? Borowski und Brandt haben ein recht wirres Geflecht zu durchdringen, ehe sie eher zufällig dem Täter auf die Spur kommen. Aber wirklich wichtig ist dieser Teil der Geschichte ohnehin nicht.

"Borowski und das verlorene Mädchen" ist einer jener TATORTe, die es gerade in den letzten zwei, drei Jahren immer wieder gab. Man stellt sich das so vor: Jemand hat eine Idee. Ein Thema, das in die Zeit passt und ihm auf den Nägeln brennt. Und um die damit verbundene Botschaft an eine garantiert hohe Zahl an Zuschauern zu bringen, wird ein eben TATORT daraus gemacht. Der wird dann, wie in diesem Fall, eher TV-Drama denn Krimi.

 

Hinzu kommt, dass es dieser Film auch stilistisch seinem Publikum nicht leicht macht. Die Schnitte sind wild, vor allem die ersten Minuten sind inhaltlich kaum zu verstehen. Immer wieder werden Szenen nicht durcherzählt, die Kamera wandert ohne jede Stabilität durch die Räume, was dokumentarisch wirkende Momente erzeugen soll, letztes Endes aber auch eine anstrengende Angelegenheit ist. So steht sich dieser TATORT am Ende auch ein bisschen selbst im Weg. Was ein interessanter Beitrag zu aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen hätte sein können, ist dann doch vor allem auch ein allzu forderndes filmisches Wagnis. Im Anschluss, ab 21.45 Uhr, diskutiert Anne Will mit ihren Gästen die Frage, warum sich junge Deutsche dem radikalen Islamismus anschließen.

Kai-Oliver Derks
Teleschau Mediendienst


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