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Heute ist der: 24.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Echolot

Verloren im Cyberspace

Es ist eine seltsame Gleichung: Mit jedem Voranschreiten der Technik wächst auch die Angst der Menschen vor dem Fortschritt. Der neue TATORT, der das Silicon Valley nach Bremen verlegt, gießt Öl ins Feuer der Technologie-Skeptiker. Die beiden Kommissare Lürsen und Stedefreund bekommen es nämlich mit einer Künstlichen Intelligenz zu tun, die einen Menschen getötet hat. Klingt etwas überambitioniert für einen Sonntagskrimi? Ist es auch.

 

Und auch sonst stehen beim TATORT Echolot die Vorzeichen auf Abschalten. Zwei Regisseure und vier Drehbuchautoren haben an dem Film herumgedoktort, und dann läuft er auch noch im Rahmen der Themenwoche "Zukunft der Arbeit". Ganz so schlimm kommt's dann aber doch nicht.

Zunächst aber verwundert es, dass dieser TATORT ausgerechnet in Bremen angesiedelt ist. Nicht nur, weil man hier ein Start-up wie jenes von Vanessa Arnold nicht vermuten würde. Nein, vor allem irritiert die Wahl, weil die beiden Kommissare Lürsen und Stedefreund mit dem Fall, der sich vor ihnen ausbreitet, hoffnungslos überfordert sind. Wie Statisten stolpern sie durch diese 90 Minuten, werfen mit Standardfragen um sich und wirken dabei wie zwei Hundertjährige, die sich in einen Apple Store verirrt haben.

 

Eine bessere Figur macht da schon Linda Selb. Man erinnere sich: Selb hatte im letzten Bremen-TATORT ihren ersten Auftritt und mit ihrer eigenwilligen Art nicht nur die Kommissare gehörig verwirrt. Jetzt immerhin kann die eiszapfige Ermittlerin ihre Trümpfe ausspielen. Denn sie ist es, die erkennt, dass Start-up-Gründerin Vanessa Arnold ums Leben kam, weil ein Fehler in der Bordsoftware ihr Auto verunfallen ließ. "Klingt nach Science Fiction", entfährt es da Stedefreund. Und der Kommissar muss sich an noch mehr Zukunftsmusik gewöhnen.

Denn auch wenn Vanessa Arnold tot ist, ihr digitales Abbild, das auf den Namen "Nessa" hört, ist noch ziemlich aktiv. "Nessa" ist ein Computerprogramm, das auf dem Aussehen seiner Schöpferin basiert - eine frappierende Parallele zur Pointe des Stuttgarter TATORT HAL vor wenigen Wochen. Damals hielt ein Computerprogramm namens "Bluesky" die Ermittler auf Trab, nun also ist es "Nessa". Diese weiterentwickelte Siri, dazu da, Menschen in Alltagssituationen zu helfen, steht kurz vor der Veröffentlichung und spukt schon jetzt über die Tablets und Computermonitore von "Golden Bird Systems".

 

Jetzt, da das reale Vorbild tot ist, tut man sich bei der Software-Schmiede mit der Vermarktung freilich schwer. Ein Motiv scheint hier also niemand wirklich zu haben, zumal sich Programmierer Paul Beck gar in die echte Vanessa verliebt hatte - und nun vor ihrem digitalen Spiegelbild fleißig onaniert. Irgendjemand aber muss "Nessa" auf ihre Schöpferin gehetzt haben. Die Lösung ist dann in der Tat überraschend. Nur muss man, so ist das leider oft beim TATORT, erst quälend lange 90 Minuten durchstehen, bevor ein kleiner Funken Genialität aufflackert.



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