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Heute ist der: 20.05.2018. --> Bis heute wurden 1071 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Freitod

"Ich geh zum Sterben wie zum Frisör!"

Der Klang des Todes - es ist das Gurgeln eines Trinkstrohhalms. Das selbstbestimmte Sterben kommt also in Gestalt eines Giftbechers - hat man das auch mal gesehen. Es kann ja nicht schaden, ein Bild von dem zu haben, worüber so leidenschaftlich debattiert wird. Eine unheilbar erkrankte Kölnerin hat in diesem Schweizer TATORT ihre letzte Reise nach Luzern angetreten.

 

Da aber nicht nur die betagte Deutsche im Beisein ihrer Tochter sanft entschläft, sondern kurz später auch ihre professionelle Sterbebegleiterin ums Leben kommt, wird ein Fall für die Kommissare Reto Flückiger und Liz Ritschard daraus. Freitod heißt er ganz unverblümt - das kontroverse Schlagwort trägt er gut sichtbar im Titel.

Natürlich ist der Film von Josy Meier, Eveline Stähelin (Buch) und Sabine Boss (Regie) ein sogenannter "Themen-TATORT". Einer jener gefürchteten Debattenbeiträge im Krimi-Format. Fraglos plakativ, aber gottlob nicht zu hölzern werden die Extrempositionen ins Feld geführt: hier die fiktive Organisation Transitus, die Ausländern den professionell begleiteten Gang ins Jenseits ermöglicht, der in ihren Heimatländern nicht legal ist. Dort die fromme Gruppierung Pro Vita. Deren selbstherrlicher Wortführer wettert scharf gegen den "Sterbetourismus". "Der gläubige Mensch spielt nicht Gott!", mahnt der Moralapostel streng. Da ahnt man schon, dass der adrett frisierte Geck privat nicht ganz so integer lebt, wie er es den anderen abverlangt.

 

Aber würde so ein bigotter Eiferer einer Sterbebegleiterin nachts auf dem Nachhauseweg auflauern, sie niederschlagen und mit einer Plastiktüte ersticken? Oder wäre das nicht eher dem hinterbliebenen Sohn der freiwillig verstorbenen Kölnerin zuzutrauen? Der wirre Mann, bipolar gestört, wie man erfährt, macht mit seinen Tiraden halb Luzern wuschig. Die Schwester hatte dem aufbrausenden Kerl die Entscheidung der Mama vorenthalten. Jetzt fühlt er sich hintergangen und sagt den Transitus-Leuten die ägyptischen Plagen aus der Bibel voraus. "P-P-Pest und Finsternis!" Ein reichlich theatralischer Auftritt.

Davon abgesehen darf man dem mittlerweile elften Luzerner Beitrag zur TATORT-Reihe aber doch viel Feingefühl attestieren. Die heikle Frage, ob es moralisch statthaft ist, hoffnungslos leidende Menschen in den Suizid zu begleiten, wird gewissenhaft umkreist. Auch von den beiden Kommissaren, die nicht umhinkommen, sich auch persönlich zu letzten Dingen zu positionieren. Wer würde entscheiden wollen, ob Verdrängung oder Melancholie die passende Haltung ist?

Den besten Auftritt haben die Macher indes einem Sterbenswilligen aus Österreich zugedacht. Der Todkranke aus dem Nachbarland wird auf dem Weg ins Jenseits von einer Protestkundgebung der Suizidgegner aufgehalten. Zwischen frommen Kanzelsprüchen ("Jedes Leben ist heilig!") und der Gefühligkeitsprosa der Sterbebegleiter ("Er hat sich das gut überlegt, das war ein langer innerer Prozess") platzt es typisch austriakisch aus ihm heraus: "Ach was, ich geh zum Sterben wie zum Frisör!"

Ist auch eine Möglichkeit.



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