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Heute ist der: 27.05.2018. --> Bis heute wurden 1072 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Im gelobten Land

Tod auf der Ladefläche

Man stelle sich vor: ein führerloser Lkw auf einem deutschen Autobahnrastplatz. Eine Einheit der Drogenfahndung observiert das verdächtige Fahrzeug mit Engelsgeduld und ahnt nicht, dass währenddessen im Inneren 23 Flüchtlinge grausam ersticken. Stunden später, als im Laderaum die Zwischenwände aufgeschraubt werden, bietet sich ein Bild des Grauens. Ein Bild, das man aushalten muss als Zuschauer des Stuttgarter TATORTs mit dem sarkastisch anmutenden Titel "Im gelobten Land". Leicht fällt das nicht.

Lannert und Bootz haben sich überworfen. © SWR / Johannes Krieg

Es spricht für die Weitsicht des Autors Christian Jeltsch, dass er dieses Horrorszenario laut eigener Aussage schon vor über zwei Jahren nach intensiver Recherche entwickelte. Und es spricht Bände über den Zustand der Welt, dass die Fantasie des Drehbuchschreibers von der Wirklichkeit eingeholt wurde. Zur Erinnerung: Im August 2015 erstickten 71 Flüchtlinge auf der Ladefläche eines Lasters, der auf der A4 bei Parndorf im österreichischen Burgenland auf dem Pannenstreifen abgestellt wurde. Die Meldung ging um die Welt. Dennoch erscheint es angesichts des ungebrochenen Flüchtlingsstroms nach Europa höchst unwahrscheinlich, dass das Geschäft der Schleuserbanden seither gelitten hat.

Im TATORT heißt der Hintermann der fiktiven Flüchtlingstragödie Milan Kostic. In Jugendjahren floh er selbst vor dem Balkankrieg nach Deutschland. So einer weiß um die Nöte derer, die unter Lebensgefahr Elend und Verfolgung entkommen wollen. Ist der schwäbelnde Gangster mit Migrationshintergrund am Ende vielleicht ein verkannter Idealist oder doch nur ein eiskalter Ausbeuter der Verzweifelten? Oder vielleicht etwas von beidem? Eine spannende Frage, um die es im dicht inzsenierten Film von Regisseur Züli Aladag auch geht.

Kommissar Lannert soll dem Schleuserpaar helfen, aus dem Flüchtlingsheim zu entkommen. © SWR / Johannes Krieg

Über weite Strecken entwickelt sich das Geschehen als beklemmendes, nächtliches Kammerspiel. Nach dem Leichenfund im Lkw verfolgt Thorsten Lannert den mutmaßlichen Schleuser Kostic, der auch in einer Mordsache im Drogenmilieu tatverdächtig ist, auf eigene Faust in ein Flüchtlingsheim. In einem stickigen Zimmer im fünften Stock wird der Stuttgarter Kripo-Mann von Kostics Schwester und Komplizin Mitra niedergestochen und festgehalten.

Noch eine weitere Geisel ist verletzt: die asylsuchende Lela. Die Schwarzafrikanerin könnte gegen Kostic aussagen, bangt aber um die Familie, die unterwegs nach Deutschland ist. Ebenfalls in einem von Kostics Lkws. Während Lannerts Kollege Bootz mit dem SEK die Zimmer der Unterkunft der Reihe nach durchsucht, verstrickt der Schleuser den Polizisten in ein Dilemma: Sollte Lannert ihm und seiner Schwester nicht zur Flucht aus dem Gebäude verhelfen, würden weitere Flüchtlinge einen qualvollen Erstickungstod sterben.

Kommissar Lannert will Lela helfen. © SWR / Johannes Krieg

Leider lässt es sich nicht verschweigen: Beim redlichen Bemühen, soziale Relevanz in einen Hochspannungsplot zu überführen, ist die Plausibilität des Ganzen ein Stück weit auf der Strecke geblieben. Selten, dass sich hier einer verhält, wie es in der jeweiligen Situation nachvollziehbar wäre. Warum stürmt ein Kripo-Beamter auf eigene Faust ein Flüchtlingsquartier? Warum ordert sein Kollege erst das SEK und geht dann im entscheidenden Moment doch alleine vor? Vermutlich weil es der dramatischen Zuspitzung dient ...

Kalt lässt einen dieser Duell-Thriller mit sozialkritischem Unterbau trotzdem nicht. Bis zum Ende. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Dass ein deutscher Fernsehkommissar eine Gruppe junger, offenbar arabischstämmiger Männer voller Erleichterung in Empfang nimmt, ist ein starkes Schlussbild. Eines, das in diesen aufgeregten Tagen seine Wirkung nicht verfehlen wird.



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