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Heute ist der: 27.05.2018. --> Bis heute wurden 1072 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Es lebe der Tod

In Schwermut geboren

Schön, dass der gute Felix Murot wieder ganz bei sich ist. Wir erinnern uns: Im letzten Wiesbaden-TATORT traf die Ermittlerfigur ihren Darsteller Ulrich Tukur zum Tête-à-Tête der surrealen Art. Eine reichlich hochtrabende und auch ziemlich ultimative Pointe, nach der man im Grunde ganz aufhören müsste. Aber dazu hatte Kunstfreund Tukur dann doch keine Lust.

 

Fast etwas ernüchtert stellt der 59 Jahre alte Schauspieler fest, dass der Nachfolger der Film-im-Film-Übung "Wer bin ich?" ein "eher konventioneller Tatort" geworden sei. Eine Einschätzung, die naturgemäß mit Vorsicht zu genießen ist, denn wirklich konventionell sind die Tukur-Krimis niemals. Auch an "Es lebe der Tod" wird man sich erinnern. Wegen Theaterstar Jens Harzer als schaurig-sanftem Todesengel und wegen eines morbiden Seelenexorzismus, wie ihn wohl noch kein Sonntagsermittler in nunmehr 1.001 ausgestrahlten Folgen über sich ergehen lassen musste.

Realisiert haben den Tukur-"Tatort" Nummer sechs Erol Yesilkaya (Buch) und Sebastian Marka (Regie) - ein Duo, das nach "Das Haus am Ende der Straße", "Hinter dem Spiegel" und zuletzt "Die Wahrheit" für überlebensgroße Genrefilme steht, die sich nach dem Besonderen strecken. Wenn nicht alles täuscht, standen diesmal Gothic Horror, Psycho-Thriller und Film noir Pate für einen melancholietriefenden Abstecher in die Seelengründe eines aus der Zeit gefallenen Ermittlers. Existenzphilosophie im Gewand einer Kriminalerzählung. Schon klar, dass da keine Zeit für Tätersuche im herkömmlichen Sinn bleibt.

 

Dass der Apotheker Arthur Steinmetz für eine bizarre Mordserie im Raum Wiesbaden verantwortlich zeichnet, ist dann auch gar nicht die Frage. Mit einem fingierten Mord nach ähnlichem Muster locken Murot und seine Kollegin Magda Wächter den Mann in die Falle. Nur um festzustellen, dass ihm die Taten, wiewohl er sie freimütig einräumt, vor Gericht kaum nachzuweisen wären. Zu Anfang kennen die Ermittler nicht mal die Identität des sonderbaren Kerls, der seine Vernehmung in einer Gefängniskapelle zum Psychospiel nach eigenen Regeln umfunktioniert.

Als Mörder sieht sich der Mann mit dem rustikalen Familiennamen und dem feinnervigen Gebaren mitnichten, sondern vielmehr als eine Art Sterbehelfer. Seine Opfer waren allesamt hoffnungslos leidende Menschen - unheilbar erkrankt an Körper oder Seele. "Keine Schmerzen, keine Angst, würdevoll" - nach diesem Credo modelliert der seinerseits nicht ganz kerngesund wirkende Finsterling seine Bluttaten als weichgespülte Suizidskulpturen in der Badewanne.

 

Den Genre-Regeln folgend spitzt sich das Ganze im Handumdrehen zum redseligen Psychoduell zwischen Killer und Polizist zu. Schnell wird klar, dass Steinmetz irgendeinen Narren an Felix Murot gefressen hat. Der wahnsinnige Todesengel hat nach dem LKA-Mann offenbar ebenso leidenschaftlich gesucht wie umgekehrt.

Wie alles Leben auf den Tod zuläuft, so steuert dieser Krimi gewordene Existenzialismus auf ein denkwürdiges und selten intensives Finale zu, welches lange nachhallt. Verblüffend für einen Film, der mit einer harmlos anmutenden Geburtstagsparty im Ermittlerkreis begonnen hatte. "Sieben Jahre bis zur Rente", das hatten die Kollegen dem schwermütigen Murot keck auf die Torte gespritzt. Es würde einen doch wundern, wenn der Jubilar tatsächlich so lange durchhält.

Jens Szameit
Teleschau Mediendienst
 
 


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