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Heute ist der: 24.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Einmal wirklich sterben

"Das vergisst einen nie"

Die leichte Krimi-Unterhaltung in allen Ehren. Aber wenn man ernst nimmt, wovon so ein TATORT erzählt, dann ist das ja streng genommen alles gar nicht zu verarbeiten. Man versteht jedenfalls sofort, warum der aus Augsburg nach München angereiste Alt-Kriminaler Xaver Busch sein Wasserglas mit Hochprozentigem aus dem Flachmann anreichert - noch vor dem Frühstück.

Der Kriminalkommissar Busch informiert die Münchner Kollegen. © BR / Bernd Schuller

Unterm Arm hat er eine 15 Jahre alte Kladde mit Tatortfotots. Ein sogenannter "erweiterter Suizid", eine Familientragödie, die sich in der Landeshauptstadt nun offenbar eine Generation später fortgesetzt hat. "Das geht ja immer weiter, das hört ja nie auf", haspelt der freundliche, gebrochene Mann. "Die Tragödie, diese Schrecken." Und dann sagt er einen bei genauem Hinhören bemerkenswerten Satz: "Das vergisst einen nie."

Kurz nach ihrem recht beschwingten Oktoberfestbesuch im September ("Die letzte Wiesn") und kurz vor ihrem 25-Jahre-Dienstjubiläum im kommenden Jahr ("Mia san jetz da wo's weh tut") geht's für die altgedienten Münchner Batic und Leitmayr noch mal ans Eingemachte und dem Zuschauer an die Nieren. "Einmal wirklich sterben", inszeniert vom Schweizer Markus Imboden, ist einer dieser "Tatorte", welche die glatte Krimi-Oberfläche aufkratzen und das tödliche Elend dort sichtbar machen, wo es am meisten schmerzt: im bürgerlich-familiären Umfeld.

Emma hat in der Kindheit Schreckliches erlebt. © BR / Bernd Schuller

Was ist geschehen in einem Einfamilienhaus im gediegenen Münchner Stadtteil Ramersdorf? Die Frau des Hauses liegt erschossen in ihrem Blut, ihr Lebenspartner ist schwer verletzt, und ihr kleiner Sohn wurde von Unbekannten - vielleicht vom Täter - schlimm traumatisiert vor einem Krankenhaus abgesetzt. Da hockt er nun im Schlafanzug mit gesenktem Haupt und dem Blut der ermordeten Mutter am blanken Fuß. Wie soll man Worte für so etwas finden? Der Bub findet erst mal gar keine mehr.

Eine alte Schussverletzung des Stiefvaters, der im Koma liegt, bringt das Kripo-Team auf die richtige Spur. Dieser Daniel Ruppert hatte vor 15 Jahren in einer Verzweiflungstat seine Familie ausgelöscht und schließlich die Waffe gegen sich selbst gerichtet, was er knapp und unfreiwillig überlebte. Nur die damals siebenjährige Tochter ließ er laufen. Jetzt ist das Mädchen von einst eine junge Frau von 22 Jahren, hat einen neuen Namen, einen Job im Tierpark Hellabrunn und womöglich Rache im Sinn. Oder ist doch der Ex-Mann der getöteten Michaela Danzer der Mörder, ein notorisch aufbrausender Unsympath mit einschlägiger Vorstrafe?

Batic und Leitmayr mit der Profilerin Christine Lerch. © BR / Bernd Schuller

Es gibt tolle kaputte Charaktere in diesem Finsterstück, das auch vom feinen Sprachgefühl des Drehbuchautors Claus C. Fischer lebt. Ständig reißt die Rede ab, kommen die Figuren ins Haspeln. Kein Wunder, wenn Menschen dem Wesen des Bösen so gefährlich nahe kommen wie hier. Der 71. Batic-Leitmayr-Krimi zählt zu denen, die bleiben werden - auch wenn er die hohe Intensität und Aufrichtigkeit nicht ganz bis zum Ende durchhält. Im letzten Drittel gerinnt die Suspense-Dramaturgie durchaus etwas zäh.

Am Durchhaltevermögen der Bald-Jubilare gibt es hingegen keinen Zweifel. Im Anbetracht dieser silbernen Polizistenhochzeit von Abnutzungserscheinungen zu sprechen, käme einem Frevel gleich. Die würdevoll ergrauten Miroslav Nemec und Udo Wachveitl sind übers Schauspiel längst hinaus, sie granteln, gifteln und kumpeln in einer traumwandlerischen Selbstverständlichkeit, aus einem tiefgreifenden Verständnis des anderen heraus, das nicht mehr viele Worte braucht. Es wird auch an diesem TATORT-Sonntag Zuschauer geben, die noch nicht auf der Welt waren, als die beiden ihren ersten Fall lösten. Das ist in diesen schnelllebigen Zeiten ein schöner Gedanke.

Jens Szameit
Teleschau Mediendienst
 


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