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Heute ist der: 19.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes

Der Irre ist wieder da!

Die ungemein populäre TATORT-Bühne erlaubt nach Auffassung der ARD-Verantwortlichen ja so einiges. Da werden verkünstelte Kammerspiele inszeniert, es gibt kracherne Komödien und reihenweise Kommissare-Schicksale, die für inhaltlich wichtiger erachtet werden als die Fälle, die sie zu lösen haben. Jetzt setzt der NDR noch einen drauf: Der TATORT "Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes" ist die Fortsetzung eines Falls, der vor über drei Jahren ausgestrahlt wurde.

Kai Korthals ist zurück. © NDR / Philip Peschlow

Vergleichbares gab es in der Geschichte der Reihe noch nie. Gut 7,5 Millionen Zuschauer waren für TATORT-Verhältnisse damals eher eine Enttäuschung. Und doch glaubte die Redaktion rund um Christian Granderath, Leiter der NDR Abteilung Film, Familie & Serie, an das Potenzial eines zweiten Teils. Wichtig vorab: Man muss den ersten (TATORT: "Borowski und der stille Gast") nicht gesehen haben, um zu verstehen was passiert. Aber helfen würde es schon.

Wobei, selbst wenn man ihn gesehen hat: Es ist schon sehr selbstbewusst vom Sender gedacht, anzunehmen, dass sich der Zuschauer noch bestens erinnern wird. Auch wenn dieser "stille Gast" schon ein ganz besonderer war. Kommissar Borowski ermittelte damals gegen einen, vorsichtig ausgedrückt, Irren, wie ihn das US-Thrillerkino zu seiner Hoch-Zeit gerne konstruierte. Schlau, raffiniert in seinem Tun, alles perfekt geplant. Ein Genie womöglich. Aber eben auch irre.

Auf der Jagd nach einem Killer. © NDR / Philip Peschlow

Kai Korthals mordete, nachdem er heimlich bei seinem Opfer einzog. Mit einem Zweitschlüssel besuchte er die Wohnung, lernte die Frau kennen, beobachtete sie, ohne dass sie es merkte. Und irgendwann tötete er. Borowski stellte ihn am Ende. Doch die letzte Szene offenbarte, dass Korthals offensichtlich die Flucht aus einem Krankenwagen gelungen war. Dem Vernehmen nach soll in den sozialen Netzwerken die Hölle los gewesen sein: Der Mörder in einem TATORT am Ende nicht gefasst? Gäbe es den Dislike-Button bei Facebook, es wäre fleißig gedrückt worden.

Nun also ist Korthals wieder da, erneut gespielt von einem glänzenden Lars Eidinger, der dieser völlig entrückten Figur eine Seele gibt. In einer verquasten, verkünstelten Eröffnungssequenz wird sogleich deutlich, dass er wieder eine Frau seinen Fängen hat. Doch, welch Überraschung: Er gibt sie frei - sie entsteigt, reichlich verwirrt, einem riesigen Kühlschrank am Strand. Dass eine solche Freilassung auch mit etwas weniger Schauwert vonstattengehen hätte können - geschenkt.

Frieda Jung führt eine Beziehung mit Klaus Borowski. © NDR / Philip Peschlow

Was sich zeigt: Diese Frau, Mandy Kiesel, hat fast ihr halbes Leben in der Psychiatrie verbracht. Vier Monate war sie verschwunden und lebte bei Korthals. Nun hat sie gar ein Kind geboren. Ganz offensichtlich war das sein lang geplantes Ziel: Er wollte Vater werden. Doch als das kleine Mädchen gesundheitliche Probleme bekommt, nimmt Korthals Kontakt zu einem Arzt auf, der es ins Krankenhaus bringt. Der Vater wiederum muss verschwinden, da er von der Polizei noch immer gesucht wird.

Derweil gibt's ein zweites Comeback. Unbemerkt von seiner Kollegin Sarah Brandt und auch vom Zuschauer führte der Kieler Kriminaler wohl schon seit einer Weile eine heimliche Beziehung mit der Polizeipsychologin Frieda Jung, die von 2003 bis 2010 an seiner Seite ermittelte. Nun ist sie zurück, eine Ehe ist geplant. Doch dann kommt alles ganz anders. Denn Korthals hat Borowski ins Visier genommen, um sein Baby zurückzubekommen. Und ihm ist jedes Mittel recht.

Wütend gibt Klaus Borowski seine Dienstmarke an seinen Chef zurück. © NDR / Philip Peschlow

Christian Alvart führte Regie im Vorgänger, nun hat Claudia Garde das Zepter übernommen, die bereits mehrere Borowski-Fälle ins Szene setzte. Das Drehbuch stammt wie damals von Sascha Arango. Ihm wurde erlaubt, die Figur des einst so spröden und unzugänglichen Kriminalers bis an die Grenzen auszureizen. Borowski darf weinen, schreien, seinen Job hinschmeißen, rechtliche Grenzen überschreiten. Es ist ein gewagter TATORT, den Alvart und Arango dem Publikum da vorsetzen. Sicher einer, der sich in übertriebener Weise ins Extreme wagt, der Kultur und Thriller gleichermaßen sein will und der die Grenzen der ARD-Sonntagabendunterhaltung wieder mal maximal auslotet.

Aber: Der TATORT "Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes" ist bei alldem, wenn es denn mal in Tritt gekommen ist, auch ein höchst spannendes Kriminaldrama, das zwar streng genommen sogar ohne Mord auskommt, aber stattdessen das Thema "Mörderjagd" fantasievoll in Szene setzt. Das Tempo bleibt hoch bis zum finalen Showdown, der - das darf verraten werden - übrigens nicht der endgültige bleiben muss. Sascha Arango jedenfalls wünscht sich, offenbar zu recht mächtig stolz auf seinen irren Killer Korthals, einen dritten und letzten Fall mit ihm.

Kai-Oliver Derks, Teleschau-Mediendienst
 


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