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Interview mit Felix Klare

„Ich habe mich ganz auf diese Emotion konzentriert“

Seit 9 Jahren spielt Felix Klare den Stuttgarter TATORT-Kommissar Sebastian Bootz. Im Interview spricht der Schauspieler über die Entwicklung der Figur, die Herausforderungen beim Drehen von „Preis des Lebens“ und warum die Trennung von seiner Filmfrau eine gute Idee war.

Felix Klare spielt seit 2008 den Stuttgarter TATORT-Kommissar Sebastian Bootz - Bild:© SWR/Stephanie Schweigert

In „Preis des Lebens“ muss Kommissar Bootz um das Leben seiner entführten Tochter bangen. Das dürfte sein bisher schwerster Fall sein, oder?

Für die Figur - natürlich, klar! Anfangs war ich da auch kritisch und habe mich gefragt, ob das so gut ist. Doch während der Dreharbeiten habe ich versucht, die Situationen, in die Bootz kommt, nah an mich heranzuziehen, um ein hohes Maß an Authentizität zu erreichen. Ich hoffe, es ist mir gelungen.

Hattest du Angst, dass es nicht glaubhaft rüberkommen könnte?

Nicht wirklich, aber man achtet darauf, sensibilisiert sich, ob es funktioniert. Ich habe mich nicht so sehr auf einzelne Szenen fokussiert, sondern ganz auf die Emotionen konzentriert, was die mit mir machen. Das Schwierige ist ja, dass der Film zeitversetzt gedreht wird, also nicht chronologisch. Du musst als Schauspieler hin und her wechseln, immer wieder checken, in welcher Situation du grade bist, von ganz ruhig und ahnungslos, bis hin zu plötzlich auf 180 sein, weil ja deine Tochter in der einen Szene schon entführt ist und in der nächsten wieder nicht, und so weiter. Das war diesmal besonders kraftaufreibend!

War das schwerer als sonst?

Es war anspruchsvoll, ja. Aber genau das mag ich auch, ich möchte ja auch gefordert werden. Es gibt genügend Fälle, wo das nicht so war. In den meisten Fällen stehen ja die Episodenhauptrollen im Vordergrund, die sind oftmals interessanter zu spielen, weil sie viel extremer, farben- und facettenreicher sind. Als Kommissar brauchst du einfach eine gewisse Identität und Kontinuität: der Zuschauer muss die wiederkehrenden Figuren einigermaßen einschätzen können und er/sie will das auch.. In Preis des Lebens war das aber mal andersrum – das hat mir gut gefallen

Maja Bootz (Miriam Joy Jung) nutzt die günstige Gelegenheit, um ihren Vater zu fragen, ob sie zu einer Übernachtungsparty darf. Wird er es der kleinen Dame erlauben? © SWR/ Stephanie Schweigert

Rückblickend: Wie hat sich deine Figur Kommissar Bootz in den letzten Jahren entwickelt?

Er ist auf jeden Fall reifer geworden. Er kam aus einem ganz intakten Familienverhältnis, war gradlinig und hat doch über die berufliche, aber auch private Schiene immer mehr Ecken und Kanten bekommen. Vieles ist da sicher noch offen, ich weiß auch noch nicht so recht, wo er sich da hin entwickeln wird. Aber Ich hab schon früh versucht, die Figur von vorne herein sehr nah an mich ranzulassen, weil ich ja wusste, ich spiele diese Figur wahrscheinlich mehr als nur ein oder zwei Jahre.

Ganz zu Anfang von Euren TATORTen stand im Figurenprofil, der Bootz habe einen Hang zur Psychologie – ich hab irgendwie erwartet, er würde sich mehr in die psychologische Ecke bewegen (können)?!

Ja, das hab ich auch gedacht! Das wurde aber leider nicht weitergeschrieben, wobei ich mir das gewünscht hätte. In der ersten Folgen sagt Bootz auch, dass er Kriminalpsychologie studiert hat. Das war auch ein Punkt, wo ich mich am Anfang sehr drauf gefreut habe: Dass der Bootz einfach ein schlauer Kopf ist, gut kombinieren kann und über die Psyche kommt …. Vielleicht kann er das grade durch seine privaten Rückschläge, die er erlebt hat, künftig umso besser umsetzen. Gerade in der Folge Preis des Lebens ist er ja genau an diesem Punkt, wo auch der Täter ist: Er hat auch seine Tochter verloren. Und der Entführer fragt ihn, ob er verstehe, was er fühlt. Vielleicht kann man auch daraus wieder so eine Geschichte entwickeln, wo er als Kriminalpsychologe gefragt ist.

Gibt es einen TATORT von deinen eigenen, die du besonders gerne magst?

Ich hab da noch keinen so großen Abstand zu gewonnen. Es gibt ein paar, die ich gelungen finde und auch welche, die mir nicht so gut gefallen und ein breiteres Mittelfeld. Ich merke dabei immer wieder, dass wenn das Buch gut ist, der Film gar nicht schlecht werden kann. Ich fand z.B. Tödliche Tarnung sehr gelungen und auch Die Unsichtbare. Der TATORT ist sehr vielseitig, mit viel Dramatik, z. B. entsteht das der erste wirkliche Konflikt der Kommissare und trotzdem war auch eine gute Portion Humor dabei. Auch Altlasten hatte eine interessante Thematik. Und Spiel auf Zeit, der actiongeladene Film von Regisseur Roland Suso Richter, hat mir auch gut gefallen.

Das war die Folge, wo Bootz sich von seiner Frau trennt…

Ja und ich bin ganz froh über diese Lösung, also die Trennung. Es gab da noch ganz andere Ideen für die Figur meiner Frau, zum Beispiel, dass sie stirbt. Aber da hätte man wieder den Tod erzählen müssen und dann wäre meiner Figur etwas ganz ähnliches passiert wie der Figur meines Partners und das wiederum hätte dann dem Format auf Dauer nicht gut getan. Wir wollten aber unbedingt die zwei Kinder vom Bootz halten.

Habt ihr denn da ein Mitspracherecht oder werdet ihr zumindest gehört?

(lacht) Streckenweise schon, aber bei dieser gravierenden Entscheidung musste ich schon etwas hartnäckig bleiben, schließlich bin ich es ja, der Schauspieler, der diese Figur verkörpern und glaubwürdig erzählen muss. Wenn Bootz` Frau gestorben wäre, hätte das für mich bedeutet, dass ich über mehrere, vielleicht 5 bis 6 Folgen, traurig und niedergeschlagen durch jeden Film gehen müsste. Ich kann dann ja nicht gleich in der nächsten Folge wieder so tun, als wäre nichts gewesen, sonst hätte ich das Gefühl den Zuschauer zu betrügen. Und das habe ich der Redaktion und Produktion auch gesagt – das wäre letztendlich nicht nicht realistisch gewesen. Gerade, wenn die Kinder immer kommen und ich schaue in ihre Gesichter und weiß, ihre Mutter ist gestorben. So gesehen, bin ich ganz froh über die Trennungslösung und denke, die ist jetzt auch langsam auserzählt. Gerade nach Preis des Lebens tut uns eine Portion Leichtigkeit oder Humor wieder ganz gut! 

Sebastian Bootz (Felix Klare) macht sich große Sorgen um seine Tochter, die als Geisel genommen wurde. Emilia Álvarez (Carolina Vera) versucht ihn zu beruhigen und ihm klarzumachen, dass er für eigenen Ermittlungen in dem Fall zu betroffen ist. © SWR/Stephanie Schweigert

Bootz und Lannert sind ja auch zwei Ermittler, die oft sehr stark persönlich in ihre Fälle reingezogen werden, du ja beispielsweise bei „Preis des Lebens“ oder Lannert in den ersten drei Folgen. Unter TATORT-Fans ist das oft aber auch ein Kritikpunkt, weil es vielen Zuschauern zu massiv und auch zu unrealistisch ist. Wie siehst du das?

Ich finde das okay. Du kannst ja theoretisch mit jeder Figur „die Welt aufmachen“ – wie ist die Sicht von der Figur, was denkt die andere Figur und dabei Dinge erzählen, die gut zum Thema des Film passen. Ich persönlich finde es natürlich schön, wenn es von der Figur des Kommissars ausgeht, schon deshalb, weil ich sie spiele. Mich hätte es anderseits nicht sehr interessiert, wenn der Zuschauer immer nur Bootz und seiner Familie beim Abendbrot zuschaut, das ist ja nicht besonders spannend – und spannend soll ein TATORT ja schon sein, oder?!

Aber es gibt ja auch viele TATORTe, wo du eben nicht direkt persönlich betroffen bist und dir- wie in „Preis des Lebens“ deine Tochter wegentführt wird…

.... Aber genau das fand ich letzten Endes super! Als ich gehört habe „Felix, deine Tochter wird im Film entführt“ habe ich zwar erstmal reagiert wie „Das ist ja völliger Quark und völlig ausgedacht“. Aber dann habe ich das Buch gelesen und verstanden, warum das sogar passieren muss. Dann fand ich es überhaupt nicht mehr „ausgedacht“ und eine interessante, ja glaubhafte Herleitung. Sonst hätte ich mich da schon zu Wort gemeldet und gesagt „Das ist irgendwie doof! “ (lacht)

Das Gespräch mit Felix Klare fand am 22. Mai 2015 in Stuttgart vor der öffentlichen Premiere von "Preis des Lebens" statt; die Fragen stellte François Werner.


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