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Heute ist der: 16.12.2019. --> Bis heute wurden 1125 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Dicker als Wasser

Alles Rohde!

Natürlich - wer auf die Mitwirkung eines Armin Rohde bauen kann, ist in gewisser Hinsicht schon einmal auf der sicheren Seite. Der Schauspieler mit dem massigen Körper, dem ausdrucksstarken Gesicht und dieser ganz besonderen Klangfarbe in der Stimme kann mal der Gute sein, mal der Böse oder der mittendrin. Das Publikum glaubt ihm alles. Das Buch zum aktuellen Kölner TATORT "Dicker als Wasser" bot ihm indes ein wirkliches Ekel an, das in weiten Teilen des Films doch ein bisschen "drüber" ist. Dieser Ralf Trimborn, den Rohde hier spielt, hat ohne Frage einen dicken Sprung in der Schüssel.

Ex-Häftling Ralf Trimborn packt an. © WDR / Uwe Stratmann

Das hätte ein hübsches Duell werden können: auf der einen Seite der durchtriebene Verbrecher Ralf Trimborn, auf der anderen die mit allen Wassern gewaschenen Kölner Kommissare Ballauf und Schenk, die diesem latent gewalttätigen Macho irgendwie das Handwerk legen müssen.

Leider reduziert sich das Gefecht auf eine einzige kleine Verbalschlacht, in der sich Freddy Schenk wieder einmal vorhalten lassen muss, welch erbärmliches und schlecht bezahltes Leben deutsche Cops führen - verglichen jedenfalls mit erfolgreichen Verbrechern. "Die Bösen sterben nicht aus. Und sie trinken auch noch den besseren Wein", schleudert Trimborn seinem Gegenüber lächelnd ins Gesicht. Er ist sich sicher: Er wird nicht überführt. Nicht wegen des Mordes, den er womöglich vor Kurzem begangen hat. Und nicht im Fall seiner Frau, die vor 13 Jahren in ihrer Badewanne ertrank.

Laura Albertz entdeckt die Leiche ihres Freundes. © WDR / Uwe Stratmann

Der TATORT geht am Anfang direkt rein und hält sich nicht mit umfangreichen Vorerzählungen auf, was ja immer etwas Gutes hat: Die junge Laura ist nachts mit von Sorge getrübtem Gesicht unterwegs zur Bar ihres Freundes Oliver Mohren. Längst hätte er nach Hause kommen müssen, ans Telefon geht er nicht. Auf dem Parkplatz vor Ort entdeckt sie seine Leiche. Oliver wurde erwürgt, Ballauf und Schenk rücken an. Unterstützt werden sie fortan von ihrem neuen Assistenten Tobias Reisser, dessen Aufgabenbereich sich allerdings auf den Innendienst beschränkt.

Im wahren Leben würden nun Ermittlungen in alle Richtungen beginnen: Die Gäste am Abend würden überprüft, geschäftliche Kontakte, Freunde. Im TATORT ist dafür keine Zeit. Den Kommissaren ist gleich klar: Der Tod des Mannes muss etwas mit Erik Trimborn, seinem besten Kumpel von einst, zu tun haben. Der war mal mit Laura zusammen, bis sie ihm von Oliver, dem Mordopfer, ausgespannt wurde.

Wieder immer mit einem originellen Fahrzeug unterwegs. © WDR / Uwe Stratmann

Bei seiner Befragung dann: der Auftritt Trimborn senior. Sofort ist klar: Der herrschsüchtige Vater bevormundet seinen Sohn, der ja auch schon Mitte 20 ist, wo er nur kann. Und ja, er verprügelt ihn auch bisweilen - was die Kommissare "gewalttätig" nennen, er selbst aber als "impulsiv" abtut. Vater Trimborn ist also ab Sekunde eins verdächtig. Merkwürdig nur: Er war eigentlich ganz froh, dass Laura seinem Sohn ausgespannt wurde, konnte er sie doch so gar nicht leiden. Warum also sollte er dann deren neuen Freund Oliver töten?

Nach all den bewegenden, kraftvollen TATORTen aus Köln der letzten Monate wirkt dieser hier auf den ersten Blick, und auch leider auch auf den zweiten, ein bisschen dünn. Keine Action, wenig Humor. Aber vor allem fehlt es an Emotion. Der Film lässt sich von außen nüchtern betrachten, sein Unterhaltungswert geht nahezu ausschließlich von Ausnahmeschauspieler Armin Rohde aus. Es wird viel geredet, aber wenig erlebt in diesem Krimi, der strukturell doch sehr an die alten "Derrick"-Zeiten erinnert. Aber, und auch das muss mal gesagt werden: In Zeiten, in denen fast jeder TATORT mit weltbewegenden Themen und Botschaften überfrachtet zu sein scheint und in denen fast jeder Kommissar mehr oder minder reif für die Therapie ist, tut so ein eher einfaches Stück Krimi-Fernsehen auch mal gut.

Kai-Oliver Derks - Teleschau Mediendienst


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