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Heute ist der: 24.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Der Himmel ist ein Platz auf Erden

Fränkisches Debüt mit Femme fatale

Stolz ist er, aber auch bescheiden, heißt es über den Franken. Er gilt als maulfaul. Wenn er allerdings ins Plaudern kommt, ist er direkt, hintersinnig, humorvoll und klingt mithin ziemlich besserwisserisch. Was er aber nicht so meint, denn die Eitelkeit gehört nicht zu den Eigenschaften, die man ihm zuschreibt. So widersprüchlich einem die Klischees auch vorkommen, an der Behauptung, dass die Franken ein eigenes Völkchen sind, ist sicher was dran.

Erste Begegnung des Teams. © BR / Olaf Tiedje

Das hat sich auch im Vorfeld der TATORT-Premiere gezeigt, als die Nachricht vom "Franken-TATOR" an Main, Itz und Pegnitz mit ungefähr der gleichen Emotionskurve rezipiert wurde, als wäre der Club wieder in die Bundesliga aufgestiegen. Erst: A Draum, da Wahnsinn! Dann: Zeit is' worn! Und schließlich: Des werd' doch eh nix! Mit jener legendären Mischung von totaler Euphorie und totaler Skepsis, wie man sie tatsächlich vom Umgang der Fans mit ihrem 1. FCN kennt, sehen die Unter-, Mittel- und Oberfranken nun also dem Film Der Himmel ist ein Platz auf Erden entgegen. Am Ende werden sie mehrheitlich "Basst scho!" brummeln - Fränkisch für "großartig".

Der Franke an sich soll zwar auch ein bisschen Masochist sein, aber in diesem Fall gibt es keinen Anlass, eine solche Neigung auszuleben: Regisseur Max Färberböck, der mit Catharina Schuchmann auch das Drehbuch schrieb, inszenierte einen soliden Krimi, der das Bedürfnis nach Lokalkolorit bedient, ohne je ins Provinzielle oder gar Lächerliche abzudriften. Während sich der "Niederbayernkrimi"-Macher Färberböck bei der Einführung der neuen Crew und der örtlichen Gegebenheiten in Nürnberg noch ein wenig Augenzwinkern mit fränkischem Idiom erlaubt, geht der eigentliche, recht überschaubare Fall unter die Haut und wird mit viel filmischem Esprit absolut seriös erzählt.

Die Ermittler beim Verhör. © BR / Olaf Tiedje

Garant dafür, dass die nicht nur in Franken hohen Erwartungen an dieses Debüt weitgehend erfüllt werden, ist das von der BR-Redaktion in München mit Bedacht zusammengestellte Team. Mit Dagmar Manzel als Hauptkommissarin Paula Ringelhahn und Fabian Hinrichs als Hauptkommissar Felix Voss sind die Führungspositionen mit über jeden Zweifel erhabenen Schauspielern besetzt - wenngleich es sich nicht um Franken handelt, wie im Vorfeld nördlich der Donau moniert wurde. Aber das Regionale kommt keineswegs zu kurz. Fürs Franken-Flair sind der Kabarettist Matthias Egersdörfer (Leiter der Spurensicherung Schatz), Andreas Leopold Schadt (Kriminalkommissar Fleischer), Eli Wasserscheid (Kriminalkommissarin Wanda Goldwasser) und Stefan Merki (Polizeipräsident Dr. Kaiser) zuständig, dem irgendwann im Film die Typisierung seines Schlages in den Mund gelegt wird. "Wir lieben das Handwerk, die Tradition und vor allem die Ruhe", sagt der Polizeichef in Nürnberg. "Was wir nicht mögen, ist die Aufregung." Zum Niederknien, weil es halt so wahr ist.

Aber Aufregung, die gibt es in diesem Fall von Anfang an. Christian Ranstedt, Professor an der Universität Erlangen und angesehener Familienvater, wurde irgendwo in der Pampa beim Liebesspiel im Auto durch zwei Kopfschüsse aus nächster Nähe getötet. "De dodahle Overkill", konstatiert Spusi-Mann Schatz, ein knochentrockener Typ, der schon alleine das Einschalten wert ist. Im Auto saß eine zweite Person, von der nun aber jede Spur fehlt. Ranstedts Ehefrau Julia war es jedenfalls nicht. Für die Mutter zweier Kinder bricht mit einem Mal die heile Vorstadt-Villen-Welt komplett zusamen - erst recht, als feststeht, dass ihr vermeintlich treusorgender Ehemann mit der Nachbarin Charlotte Pahl nicht nur rein freundschaftliche Kontakte pflegte ...

Die Nachbarin des getöteten Professors, Charlotte Pahl. © BR / Felix Cramer

Fortan changiert der Film munter zwischen Landlust und Sex and the City und lebt dabei fast gänzlich von der wunderbaren Ulrike Tscharre, die diese Story zu der ihren macht: zu einer furiosen Legende der Leidenschaft, prall vor Emotion und echtem Leben. Reduzierter und glaubwürdiger hat noch kaum jemand die Femme fatale von nebenan verkörpert. Dass es vor allem dieser Auftritt ist, der den ersten "Franken-TATORT" zum Ereignis macht, ist die gute Nachricht an alle, die ein Klischee-Stück befürchtet haben. In Franken werden manche trotzdem sagen: "Da geht fei scho noch a weng mehr" und angesichts einiger arg theaterhaft wirkender Verhörsequenzen und des ziemlich überdrehten Finales die Nase rümpfen.

Am Schluss noch die Preisfrage: Was bedeutet der Ausspruch "Hier is die Katz gfreggt"? Wer's weiß, darf sich auf dem Nürnberger Hauptmarkt ein Paar Bratwürste im Weggla kaufen - auf eigene Rechnung, versteht sich, denn, was das Geld angeht, sind die Franken nah bei den Schwaben. Aber das wäre dann schon der Stoff für eine andere Geschichte ...

Das Bayerische Fernsehen zeigt um 23.15 Uhr "Franken-TATORT. Making of". Ein BR-Kamerateam hat den Rummel rund um den Dreh vier Wochen lang begleitet.

Frank Rauscher - Teleschau Mediendienst


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