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Heute ist der: 22.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Die Wiederkehr

Bodenlos traurig

Zehn Jahre lang war Fiona Althoff wie vom Erdboden verschluckt. Ihre Familie erinnert sich mit Kummer an das kleine Mädchen von einst, als unverhofft eine junge Frau mit Lederjacke, Nietenhalsband und pink gefärbten Haaren an der Türe klingelt. Das Suchplakat von einst hat sie in der Hand. Sollte sie Fiona sein? Wo kommt sie her? Was ist passiert?

Sollte das Mädchen vor der Türe tatsächlich ihre seit zehn Jahren vermisste Schwester Fiona sein? © Radio Bremen / Jörg Landsberg

Die Schwester reagiert skeptisch, die Mutter behilft sich mit dem Geruchssinn. Ihre Nase verrät ihr: Die verlorene Tochter ist wieder da. Für die Hauptkommissare Inga Lürsen und Stedefreund ist das vermeintliche Wunder nur bedingt ein Grund zur Freude - sie hatten beim Vermisstenfall Fiona vor zehn Jahren offenbar falsche Schlüsse gezogen. Nicht nur deshalb ist der Bremer TATORT Die Wiederkehr ein besonders intensives Erlebnis, das empathiefähige Zuschauer stark aufwühlen dürfte.

Florian Baxmeyer, der in den letzten Jahren zum Stammregisseur des Bremer TATORTs geworden ist, spart nicht mit Gruselszenen. Der schlimmste Horror aber spielt sich im Kopf des Betrachters ab. Welche Tortur muss dieses Mädchen durchlitten haben, das den Kommissar Stedefreund bei einer Befragung freundlich auffordert, seinen "Schwanz" herauszuholen? So hat sie das offenbar gelernt. Ihre Berichte legen nahe, ein holländisches Paar habe sie als Sexsklavin im Wohnwagen gehalten. Zehn Jahre lang. Was für ein Martyrium. Wenn das mal alles so stimmt.

Die Ermittler befragen die Mutter des Mädchens erneut. © Radio Bremen / Jörg Landsberg

Lürsen und Stedefreund hegen allerdings Zweifel, dass es sich bei der Heimkehrerin tatsächlich um die vermisste Fiona handelt. Einerseits aus statistischen Erwägungen - nach so langer Zeit wäre ein Wiederauftauchen tatsächlich ein kleines Wunder. Andererseits auch aus persönlichen Motiven. Bei Fionas Verschwinden hatten sie sich auf den alkoholkranken Vater des Mädchens als möglichen Mörder konzentriert, der für die Nacht des Verschwindens einen "Filmriss" geltend machte und sich später in seiner Zelle erhängte. Haben die Ermittler einen Unschuldigen in den Suizid getrieben und das verschleppte Mädchen im Stich gelassen, weil man - vergeblich - nach einer Toten suchte? Die Presse setzt vor allem der gebeutelten Inga Lürsen mächtig zu.

Die Kommissare Stedefreund und Lürsen. © Radio Bremen / Jörg Landsberg

Ein sozialpolitisches Leitthema, wie es die Bremer TATORT -Macher lieben, sucht man diesmal vergebens. Dennoch entfacht der von Matthias Tuchmann und Stefanie Veith erdachte Fall eine ungeheure Wucht. Wer ist die junge Frau mit den pinkfarbenen Haaren? Verstörtes Opfer? Durchtriebene Hochstaplerin? Alles beides? Wie auch immer - schnell ist klar, dass diese intensiv aufbereitete und stark gespielte Gruselgeschichte kein gutes Ende nehmen kann. Der Krimi tritt dabei zusehends in den Hintergrund, und ein bodenlos trauriges Familiendrama greift Raum. Wo heutzutage TATORT draufsteht, kann wirklich fast alles zum Vorschein kommen. Mehr Bandbreite hatte die Traditionsreihe nie.

Jens Szameit - Teleschau Mediendienst


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