Zur Startseite tatort-fundus.de
Heute ist der: 19.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Grenzfall

Schattenboxen mit der Zeitgeschichte

Zeitgeschichtliche Aufhänger kommen beim TATORT offenbar in Mode. Vor wenigen Wochen erst spulte der jüngste Beitrag vom Bodensee gut 160 Jahre zurück in die Zeit des Vormärz. Die Wiener Ermittler Moritz Eisner und Bibi Fellner müssen sich jetzt gedanklich ins Jahr 1968 versetzen.

Der örtliche Kriminalbeamte Kurz unterstützt die Ermittlungen. © ARD / Degeto / ORF / Allegro Film / Milenko Badzic

Zur Zeit des Prager Frühlings meuchelten tschechoslowakische Grenzer einen österreichischen Kollaborateur, was für einen aktuellen Mord an gleicher Stelle von größter Bedeutung ist. Ein höchst komplizierter und manchmal auch ermüdender Fall, den Autor und Regisseur Rupert Henning in idyllischer Einöde nach wahren Begebenheiten modellierte. Nur gut, dass der grantige Chefinspektor und seine temperamentvolle Kollegin den zähen Fortgang mit hochkomischen Verbalscharmützeln auflockern.

Was den internen Schlagabtausch angeht, sind die Ösis im TATORT-Gewerbe derzeit ohne echte Konkurrenz - nicht mal die Münsteraner erreichen dieses spitzzüngige Niveau. Tatsächlich begeistert der TATORT Grenzfall mit einer ganzen Reihe spritziger Humorszenen. Am schönsten: eine improvisierte Leichenbeschau im Hörsaal mit mündlicher Beteiligung der Studenten.

Der Journalist Max Ryba gibt den Ermittlern wichtige Hinweise. © ARD / Degeto / ORF / Allegro Film / Milenko Badzic

Der "Comic Relief" ist allerdings auch nötig in einem Fall, der zu leicht einschläfernden Pianoetüden umständlich zwischen den Zeiten wabert: Der Journalist Max Ryba forscht nach dem ungeklärten Verschwinden des Vaters, der im Jahr 1968 als junger Bursche nicht vom Fischen am tschechoslowakisch-niederösterreichischen Grenzfluss Thaya zurückgekehrt war.

Da kann es kein Zufall sein, dass parallel zu den Recherchen des Journalisten ein 45-jähriger Tscheche namens Radok mit dem Kanu umkippt und tot aus der Thaya geborgen wird. Wie Eisner beim Gerichtsmediziner in Erfahrung bringt, ist Radok heimtückisch ermordet worden. Offenbar war er derselben historischen Sauerei wie der Österreicher Ryba auf der Spur: perfiden Flüchtlingsfallen, mit denen der tschechoslowakische Geheimdienst vor knapp 50 Jahren die Grenze zu schützen versuchte - mit erkaufter Mithilfe österreichischer Kollaborateure.

Die Archäologin Professor Thiele-Voss. © ARD / Degeto / ORF / Allegro Film / Milenko Badzic

Viel zu lange blicken in diesem Film betagte Dorfbewohner grimmig aus ihren Wohnstuben, ohne dass man wüsste, wozu und weshalb. Es dauert eine halbe Ewigkeit, bis man über die unterschiedlichen Interessensverflechtungen in Gegenwart und Vergangenheit halbwegs einen Überblick bekommt. Das nimmt dem Film viel von dem Schwung, den die famosen Ermittler eigentlich von sich aus einbringen. Wirklich groß raus kamen Eisner und Fellner ja immer dann, wenn sie es auf eigene Faust mit einer Verschwörung von Weltrang aufnahmen. Diesmal fehlt ihnen der Gegner auf Augenhöhe. Die Verbrecher von einst sind ja schon lange tot. Im Schattenboxen mit der Zeitgeschichte entwickeln die beiden Sympathieträger deutlich weniger Schlagkraft.

Jens Szameit - Teleschau Mediendienst


BITTE SPENDEN SIE!

Bitte unterstützen Sie das private Hobbyprojekt tatort-fundus.de! Wir freuen uns über jede Unterstützung und Anerkennung. Mit dem Geld werden primär die laufenden Kosten des Server- Betriebs beglichen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


TV-TERMINE
Alle anstehenden TV-Wiederholungen finden Sie übersichtlich gelistet

© tatort-fundus 1997 - 2018
Der Tatort-Fundus ist eine Webseite für Tatort-Fans

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung der Texte, BIlder und Daten nur mit Genehmigung des tatort-fundus

Sitemap | Impressum | Disclaimer |  Diskussionsforum RanglisteUnsere Datenschutzerklärung 

Alle inhaltlichen Fragen richten Sie bitte an frage(at)tatort-media.de 
Bei technischen Problemen bitte Nachricht an webmaster(at)tatort-media.de
Diese Website nutzt das Content-Management-System TYPO3