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Heute ist der: 20.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Das Haus am Ende der Straße

Die letzte Rechnung

Erzählerisch ist es schon stimmig, dass die Ära Jochim Król beim Frankfurter TATORT so kurzlebig war. Als der Kommissar Frank Steier 2011 erstmals am Sonntagabend in Erscheinung trat, war er im Grunde schon am Ende, gezeichnet von schweren Alkoholproblemen und einer ausgewachsenen Misanthropie. Als dann die Schauspielerin Nina Kunzendorf 2013 aus der Produktion ausschied, erkannte Król keinen Grund, noch lange zu bleiben. Seine Figur, der schwermütige Kommissar, versank ohne die Partnerin noch tiefer im Schnaps und in der Isolation.

Frank Steier und Kommissar Erik Seidel. ©: HR/Degeto/Bettina Müller

Das Haus am Ende der Straße ist nach nur sieben Krimis in vier Jahren jetzt der erwartet furiose Schlussakkord einer kurzen, aber prägnanten Ära. Ein Film, der mit aller Macht mehr sein will als ein schnöder TATORT und dabei leider ein bisschen übers Ziel hinausschießt.

Eine schöne Idee, die typisch ist für den innovative Wege suchenden HR: Diesem Ende wohnt ein Anfang inne - Sebastian Marka inszenierte mit dieser Abschiedsfolge sein Langfilmdebüt als Regisseur. Die Bankenmetropole Frankfurt sieht bei ihm aus wie aus einer misslichen Parallelwelt, am ehesten noch gleicht sie einem fiktiven Hollywood-Moloch wie Sin City. Nicht von ungefähr wurde im Kinobreitwandformat Cinemascope gedreht.

Rolf Poller bedroht Frank Steier. © HR/Degeto/Bettina Müller

Tief in der Nacht steht Frank Steier unter einem riesigen Werbeplakat für Milch. "Sei dein eigener Held!", animiert der Slogan. Der Kommissar wird ihn sich zu Herzen nehmen, auch wenn er selten Milch trinkt und viel zu oft Alkohol. Eben erst wurde der Mörder eines jungen Mädchens vor Gericht freigesprochen, weil die Verteidigung Steiers Aussage in Zweifel zog. Er war nachweislich während seines fatal geendeten Einsatzes betrunken.

Steiers Karriere bei der Kriminalpolizei ist damit zu Ende, unter dem Druck der Öffentlichkeit will ihn sein neuer Chef von dem Posten des Hauptkommissars entfernen. Dem Fatalisten Steier ist das nur recht, aber er ist seinerseits mit dem Täter Nico Sauer noch nicht fertig. Er observiert den notorischen Kriminellen auf eigene Faust, verfolgt ihn zu einem Villeneinbruch in die Vorstadt. Als er Sauer und seine beiden Komplizen ertappt, kann er sie gerade noch davon abhalten, den Anwohner Rolf Poller zu ermorden, der zufällig Zeuge des Einbruchs wurde.

Zwei der Einbrecher. © HR/Degeto/Bettina Müller

Rolf Poller aber verblüfft mit einer seltsamen Kurzschlussreaktion. Der lebensmüde Ex-Polizist, der vor den Trümmern seiner Existenz steht, schlägt seinen Retter nieder und nimmt ihn und die drei Einbrecher gefangen. Steier will er verleiten, Nico Sauer zu liquidieren, Nicos Bruder Robin aber möchte er eine zweite Chance geben. Ihn hält er für einen "guten Jungen", nur muss der gute Junge noch verstehen, dass sein Bruder ein böser ist. Und Steier soll verstehen, dass das Recht keine Gerechtigkeit schafft und dass eine Haftstrafe nicht zur Läuterung beiträgt. Pollers Rechnung ist ganz einfach: "Ein Leben für ein Leben."

Es sind ausschließlich die ganz großen existeziellen Fragen, die hier verhandelt werden. Armin Rohde und Joachim Król liefern sich dabei ein denkwürdiges Duell, das mit großen Augen auf einige bedeutende Thriller der amerikanischen Kinogeschichte schielt. Problem nur: Der dramatische Handlungsgang ist allzu forsch behauptet. Bei Licht betrachtet wirkt kaum eine schicksalsreiche Wendung besonders glaubhaft. Kintopp am Main.

Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung für eine Produktion, die beim Start authentische Fälle des Profilers und Sachbuchautors Axel Petermann aufarbeitete. Der trockene Realismus vom Anfang stand dem Kommissar Frank Steier besser zu Gesicht. Einen wirklich enttäuschenden Fall gibt es in der Gesamtschau aber nicht zu beklagen, ganz im Gegenteil. Die Nachfolger Margarita Broich und Wolfram Koch treten Mitte Mai in große Fußstapfen.

Jens Szameit - Teleschau Mediendienst


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