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Heute ist der: 26.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Blutschuld

Heute keine Mätzchen

Über Tote soll man ja nichts Schlechtes sagen. Aber was können die Hinterbliebenen schon Positives über einen Ermordeten berichten, der zeitlebens als Despot und Choleriker galt, der krumme Geschäfte mit illegaler Abfallentsorgung machte, der ein Mädchen totfuhr, seinen Sohn misshandelte und seine Tochter missbrauchte? Im Schlafzimmer hat der Mörder das Scheusal Harald Kosen überrascht und den Mann ganz offenbar quer durch den Raum zu Tode geprügelt. Sein Blut ist quer über die Zimmerwand verteilt, seine Gesichtszüge sind kaum noch erkennbar.

Keppler trägt die Fakten zusammen. © MDR / Steffen Junghans

Blutschuld heißt dieser äußerst drastische TATORT mit den Leipziger Kommissaren Saalfeld und Keppler. Es ist bereits der vorletzte für das von der Kritik nur selten gelobte Duo. Die Verträge mit den beiden Schauspielern wurden bekanntlich nicht verlängert, der MDR plant schon mit den Nachfolgern Karin Hanczewski, Alwara Höfels und Jella Haase, die in Dresden ermitteln werden.

Viel Wehmut kam über die bevorstehende Wachablöszung bislang nicht auf, dabei zeigt der MDR jetzt endlich, wie es längst schon hätte gehen können: Buch und Regie in eine Hand legen! Ganz offenbar schützt das den kreativen Prozess vor redaktionellem Herumgepfusche. Die Folge Blutschuld zählt jedenfalls eindeutig zu den besten der Ära Saalfeld / Keppler, allerdings auch zu den extremsten in Sachen Gewaltdarstellung.

Der Juniorchef des Abfallunternehmens im Verhör. © MDR / Steffen Junghans

Der Autorenfilmer Stefan Kornatz drehte bereits den Frankfurter TATORT Es ist böse über einen sadistischen Serienkiller als Krimischocker an der Grenze des Erträglichen. Diesmal erdachte er eine familiäre Konstellation, die vom diabolischen Patriarchen ausstrahlend vollständig vergiftet ist. Auf der Suche nach dem Täter drängen sich den Kommissaren Verdächtige förmlich auf.

Eigentlich alle, die dem ermordeten Abfallunternehmer Harald Kosen nahestanden, hätten ein Motiv für die Tat gehabt. Der Schwiegersohn und Ko-Geschäftsführer, weil er eben erfahren hat, weswegen seine Frau keine Kinder bekommen kann: Sie wurde als Teenagerin vom Vater sexuell missbraucht. Der misshandelte und erniedrigte Sohn, der gerade eine Haftstrafe abgebrummt hat. Und dann ist da noch der ehemalige Kompagnon des Ermordeten, Christian Scheidt: Dessen Job ist futsch, die Frau davongelaufen, die Tochter tot - Harald Kosen hatte sie mit dem Auto überfahren.

Christian Scheidt wird von Keppler nach einem Alibi befragt. © MDR / Steffen Junghans

Das ist zugeben ein bisschen viel Kerbholz für eine einzige Figur. Aber die erzählerischen Konsequenzen daraus werden überzeugend in Szene gesetzt. Stefan Kornatz gönnt dem Ermittlerduo keine ablenkenden Mätzchen. Es gibt nur nüchterne Polizeiarbeit, blaustichige Bilder in menschliche Abgründe hinein und einen Verdächtigenkreis, der den Kommissaren die Arbeit abnimmt: Die potenziellen Täter richten sich gegenseitig auf bestialische Weise. Das geht an die Nieren wie der gesamte Düsterkrimi, der wenig Anlass zur Kritik bietet - mal abgesehen von der ewig offenen Frage: Wie blutig darf's beim TATORT eigentlich zugehen? Wann ist der Bogen der Gewalt für so ein Massenformat überspannt?

Randnotiz: Uwe Bohm ist hier binnen einer Woche zum zweiten Mal als Tatverdächtiger am Sonntagabend im Ersten zu sehen, vor Wochenfrist spielte er eine ebenfalls betont finstere Nebenrolle im TATORT aus Konstanz. Etwas unglücklich geplant das Ganze, andererseits: Einen solchen Klassemann kann man eigentlich nicht oft genug sehen.

Jens Szameit - Teleschau Mediendienst


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