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Heute ist der: 20.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Chateau Mort

Würzig im Abgang

Pulverdampf in den Gassen von Konstanz. Ein junger Freischärler erklimmt die Barrikaden und schleudert den Monarchisten seinen Schlachtruf entgegen: "Es lebe die freie Republik Baden!" - Nein, dies ist nicht "Terra X". Dies ist tatsächlich der neue TATORT vom Bodensee, der sozusagen ein bisschen aufgemotzt wurde mit historischem Re-Enactment.

Pulverdampf in den Gassen von Konstanz: Anhänger der Demokratie kämpfen für eine "Freie Republik Baden". © SWR / Peter Hollenbach

Die Kommissare Klara Blum und Kai Perlmann müssen um ihre Ermittlungen eine Klammer von gut 150 Jahren schließen. Ihr neuer Fall führt sie zurück in die Zeit des Vormärz und zur Briefkorrespondenz der Annette von Droste-Hülshoff. Ganz bierernst ist das Ganze zum Glück nicht gemeint. Chateau Mort ist eine sympathisch versponnene Luftikusnummer mit beachtlichem Unterhaltungswert.

Für einen TATORT aus Konstanz ist das eine bemerkenswerte Feststellung. Hatte man zuletzt doch des Öfteren den Eindruck, die wackeren Kommissare wären vom stetig wabernden Bodensee-Nebel ein bisschen betäubt worden. Schwermütig und deprimierend ging es allzu oft zu, wenn die ungleichen Ermittler Blum und Perlmann einen Mörder fangen mussten. Gewundert hat man sich jedenfalls kaum, dass die beiden vor wenigen Wochen bekannt gaben, sich von ihren langjährigen Kommissarsrollen 2016 trennen zu wollen. Vielleicht war die Entscheidung ja in gewisser Weise eine Befreiung. So gelöst und spielfreudig wie hier hat man das seit 2002 amtierende Gespann jedenfalls länger nicht gesehen.

Ist es der echte Droste-Wein oder eine Fälschung? © SWR / Martin Furch

Nach der historischen Ouvertüre biegt der von Marc Rensing fluffig inszenierte Film schnurstracks in die Gegenwart ein. Ein junger Mann wird ermordet aus dem Bodensee gefischt. In seinem Rucksack findet sich altertümlich anmutender Rotwein. Sollte es sich etwa um eine kostbare Bouteille aus dem ungetrunkenen Hochzeitsweinbestand der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff handeln, der bei Auktionen sechsstellige Erlöse pro Fläschchen erzielt?

Vielleicht hatte der Unglückliche, ein im Bauwagen hausender Selbstversorger und Träumer von Mitte 20, aber auch eine Fälschung im Gepäck. Auf der anderen Seite des Sees, der schweizerischen, ermittelt der Thurgauer Kantonspolizist Matteo Lüthi gegen ein renommiertes Auktionshaus, das im Verdacht steht, falsche Droste-Weine unter den Hammer gebracht zu haben. Ein geprellter Steuersünder, der mit der Investition sein Schwarzgeld vor dem deutschen Fiskus verbergen wollte, hatte anonym Meldung gemacht.

Seltener Anblick: Kai Perlmann in der Uni-Bibliothek. © SWR / Peter Hollenbach

Die diesmal butterweiche Kommissarin macht dem eidgenössischen Kollegen selbstredend schöne Augen - das ist eine Art Naturgesetz im Südwesten. Kein Wunder, dass ihrem liebestrunkenen Blick manches Detail entgeht. Auch wirkt es sich erschwerend aus, dass sie das Gutachten über den Weinfund just bei demjenigen Experten in Auftrag gibt, der jenseits der Grenze unter Fälschungsverdacht steht. In einer wunderbar realitätsentrückten Szene picheln der Experte und die beiden Kommissare das vermeintliche Beweismittel einfach leer - kennerhaftes Gaumenglucksen und Gestöhne inklusive. Man staunt nicht schlecht.

Blums Partner Perlmann gräbt sich derweil in der Uni-Bibliothek ein. Er will herausfinden, warum der Ermordete im Briefnachlass der Droste-Hülshoff herumforschte. Selten gab es einen TATORT, in dem so schön die Buchseiten geraschelt haben. Gänzlich beispiellos ist indes, dass der volltrunktene Perlmann am Ende auch noch einen Mord aus den Revolutionswirren des Jahres 1848 mitaufklärt. Eine gut 150 Jahre alte Leiche - das riecht nach Rekord. Mord verjährt eben nicht, wie der Perlmann ganz richtig sagt. Und - noch ne Plattitüde: Guter Wein wird mit dem Alter besser. Für den betagten Bodensee-TATORT wäre das angesichts noch drei ausstehender Episoden bis 2016 eine versöhnliche Perspektive.

Jens Szameit - Teleschau Mediendienst


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