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Heute ist der: 18.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Deckname Kidon

Geh', mach'mer halt a bisserl Weltpolitik

Wenn in Wien ermittelt wird, das hat der TATOR-Fan gelernt, darf's gern ein bisserl mehr sein als nur Krimi. An der schönen, blauen Donau haben sie es mehr als in allen anderen TV-Revieren mit internationalen Verstrickungen und Fällen von kaum fassbaren Dimensionen zu tun.

Eisner und Fellner mischen sich in Waffengeschäfte und große Politik ein. © ARD Degeto / ORF / Petro Domenigg

Zwangsprostitution, Schleuserbanden, Pädophilen-Zirkel, Balkan-Gangs und vor allem Korruption bis in die höchsten Kreise ... - Immer wieder schickten die TATORT-Macher den tapferen Sonderermittler Eisner und seine nicht minder beherzte Kollegin Bibi Fellner in Ermittlungen, die eigentlich ein paar Nummern zu groß für sie waren. Zwei gegen beinahe den Rest der Welt - das Konzept wird im Thriller Deckname Kidon auf die Spitze getrieben.

Schon nach dem mit arabischer Schrift und orientalischen Klängen ausstaffierten Intro ist klar, dass auf die Wiener Ermittler diesmal ein Fall zukommt, der weit über europäische Grenzen hinausreichen wird. Und dann kracht aus dem Fenster der Dach-Suite eines Nobelhotels auch schon ein Mann auf die Straße - und das am helllichten Tag. Selbstmord? Eher nicht: Im Zimmer liegen immerhin zwei Opernkarten für den kommenden Abend. Eisner, Fellner: Übernehmen Sie!

Fellner und Eisner befragen Sara Gilani. © ARD Degeto / ORF / Petro Domenigg

Wenn es nur so leicht wäre. Das Opfer war nicht irgendwer, sondern ein iranischer Spitzenphysiker, ein Diplomat und führender Kopf des iranisches Atomprogramms. Und das ist noch nicht alles: Hinter dem Anschlag, wenn es denn einer war, könnte eine Spezialeinheit des Mossad - Deckname: "Kidon" - stecken. Die beiden Ermittler, sie stecken schon jetzt knietief in einer hochbrisanten weltpolitischen Gemengelage und sehen sich bei ihrer Arbeit monströsen Widerständen gegenüber. "Das ist ein extrem glattes Parkett", warnt der Vorgesetzte auch schon. Als ob sich Eisner und Fellner von so was je abhalten ließen ...

Wie schon so manches Mal beim Wiener TATORT ist man versucht, in die Falle zu tappen: Diesmal überheben sie sich, das geht sich nie aus. Doch natürlich belehrt einen auch dieses Qualitätsstück von Thomas Roth und Max Gruber eines Besseren: Der Trick ist ja immer der gleiche: Die Story bleibt ganz nah dran an den Kommissaren, erzählt wird ihre Perspektive, dabei kommen auch die privaten Sorgen und Nöte zu ihrem Recht, und so geht es mit den beiden in kleinen, nachvollziehbaren Schritten voran.

Befragung beim Maskenball. © ARD Degeto / ORF / Petro Domenigg

Die große weltpolitische Kulisse verschwindet nicht, aber sie rückt in den Hintergrund - bevor man sich in Details verstrickt und das Ganze unglaubwürdig wird, belässt man es bei Andeutungen, die sich allerdings zu einem stimmigen Bild fügen. Man denkt sich: Ja, so oder so ähnlich, wie es in diesem Film erzählt wird, könnte es schon sein in der Realität. Und das reicht. Mehr Wahrhaftigkeit braucht es gar nicht, um diesen TATORT mit seinen eigenartigen Geheimdienstlern, OPEC-Diplomaten, korrupten Beamten und anderen zwielichtigen Protagonisten zu verstehen.

Das Interessante ist, dass der große Gegenspieler von unerwarteter Seite kommt: aus der freien Wirtschaft. Der steinreiche Unternehmer Johannes Leopold Trachtenfels ist ein Lobbyist erster Güte. Er bringt die unterschiedlichsten Menschen zusammen - zum Beispiel Waffenhändler und deutsche Hersteller von Bauteilen, die für Kernreaktoren benötigt werden ... Womöglich wird ja bei einem guten Essen und einem guten Schluck unter Männern oder bei einer kleinen "Barock Soirée" so mancher Deal eingefädelt, der die globale Sicherheitslage ins Wanken bringen könnte? Am Ende bleibt ein abermals überdurchschnittlicher Ösi-Krimi in Erinnerung und das unschöne Gefühl, dass mitunter von recht kleinen Geistern an den allergrößten Rädern gedreht wird.

Frank Rauscher - Teleschau Mediendienst


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