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Heute ist der: 22.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Der Irre Iwan

Event, Event, der Tatort brennt

"Traumschiff"-Produzent Wolfgang Rademann hat einen neuen Albtraum: den TATORT aus Weimar. Letztes Jahr hängten die neuen Ermittler Christian Ulmen und Nora Tschirner den Traditionsdampfer des ZDF in dessen Hoheitsgewässer, am zweiten Weihnachtfeiertag, ab. Zwölf Monate später gibt es das Quotenduell schon wieder, diesmal am Neujahrstag. Der TATORT, früher mal auf den Sonntagabend festgelegt, macht bekanntlich längst vor "Event"-Sendeplätzen nicht mehr Halt.

Kripochef Kurt Stich ermahnt die Kommissare. © MDR / Wiedemann & Berg Television / Anke Neugebauer

Warum man am ersten Tag des neuen Jahres um 20.15 Uhr das Erste einschalten sollte? "Weil es die einzige Gelegenheit im Jahr ist, den TATORT während des Frühstücks zu sehen", kalauert Nora Tschirner im Begleitschreiben des Senders. Tatsächlich fallen einem noch mehr gute Gründe ein, warum man die Krimikolportage Der Irre Iwan nicht verpassen sollte. Exotischer als der parallel gesendete "Traumschiff"-Trip nach Kanada ist der Ausflug nach Weimar auf jeden Fall.

Die thüringische Goethe- und Schiller-Stadt dient einmal mehr als eine Art bunte Rummelplatzkulisse für die überbordende Fantasie des Autorenduos Andreas Pflüger und Murmel Clausen. Kein Kalauer wird ausgelassen, kein Binnenreim verschmäht. Schon früh muss Kripochef Kurt Stich die Kommissare Lessing und Kira Dorn ermahnen: "Bisschen ernst jetzt!" - Man nähert sich schließlich einem TATORT.

Lessing und Kira Dorn im "FKK Paradies". © MDR / Wiedemann & Berg Television / Anke Neugebauer

Im Weimarer Rathaus gab es einen bewaffneten Überfall auf die Stadtkämmerei. 115.000 Euro wurden dabei erbeutet und die Sekretärin Sylvia Kleinert erschossen. Die Kugel des Räubers traf sie bizarrerweise von unten durch die Decke. Nur ein tragischer Zufall oder doch ein gezielter Mord? Eine Markierung am Boden lässt die Ermitter zweifeln, dass der Täter ohne Hintergedanken in die Decke schoss.

Mit einem wahren Feuerwerk an trocken unterspielten Screwball-Pointen lavieren sich die auch privat liierten Kommissare durch die Ermittlungen, in deren Zentrum der dubiose Stadtkämmerer Iwan Windisch steht. In einem schrottreifen Nachwendeopel geht es vom FKK-Klub über ein Rocker-Tattoo-Studio zum Rudolstädter Vogelschießen, dem größten Rummel in Thüringen. Bei der Betreiberin der Geisterbahn, Rita Eisenheim, erfahren die Ermittler Verwirrendes: Der Stadtkämmerer Windisch hat offenbar einen Doppelgänger, den mit der Geisterbahnrita verheirateten Quartalssäufer Josef Eisenheim. Bald schon wird einer der beiden Männer tot inmitten des Gruselkabinetts gefunden. Aber wer ist jetzt wer? Und wer hatte etwas mit dem Überfall aufs Rathaus zu tun?

Iwan Windisch und seine Frau Nicole. © MDR / Wiedemann & Berg Television / Anke Neugebauer

Schon klar: Es ist nicht Sonntag, und das Ganze sieht auch nicht aus wie ein TATORT. Man möchte sich eigentlich die sehr berechtigte Frage stellen, ob so ein vogelwilder Unernst zwingend unter der einschlägigen Krimidachmarke laufen muss, aber man kommt einfach nicht dazu. Zu stramm getaktet sind die tollen Pointen dieser bunten Krimisause, zu liebevoll haben die Autoren jede einzelne Figur modelliert. Am besten gelungen ist Sophie Rois im schwarzen Overall mit Gothic-Flair und herber Erotik.

Am Ende streitet sie als Geisterbahnbetreiberin lautstark mit einem Mann im Kängurukostüm, dann spielt die Berliner Band Element Of Crime auf, und Sven Regener singt: "Ich gäbe meinen rechten Arm dafür, wenn du mir nur einmal noch ein Lächeln schenkst." Aber klar! Lächeln ist gar kein Ausdruck. In einem Jahr dann gerne wieder. Der Rademann zittert schon.

Jens Szameit - Teleschau Mediendienst


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