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Heute ist der: 22.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Der Maulwurf

Jugend kombiniert

Ein verurteilter Lude und Totschläger nutzt das Begräbnis seines Vaters zur Flucht, bei der ein Polizeibeamter sein Leben lässt. Aufspüren müssen den gewaltbereiten Mann die drei Jungspunde in der Riege der TATORT-Ermittler. Die Erfurter Kommissare Henry Funck, Maik Schaffert und Johanna Grewel lösen nun also ihren zweiten Fall und sind dabei immer noch ausgesprochen grün hinter den Ohren, die man ihnen bei Dienstbeginn bereits ordentlich langgezogen hat.

Funck und Schaffert befragen den Sohn eines Verdächtigen. © MDR / Andreas Wünschirs

Einzig die Einschaltquote ihres Debüts vor gut einem Jahr überzeugte. 10,32 Millionen Menschen sahen den Krimi, an dem die Kritik kaum ein gutes Haar ließ. Vor allem die aufgesetzt wirkende Jugendsprache gab viel Anlass zur Häme, woraus die Produktion offenbar ihre Lehren zog. Die Aussprüche "Herbe Nummer!", "Bombe!" und "Alter Falter!" kommen dem "flippigen" Jungkommissar Maik Schaffert in Fall zwei nicht mehr über die Lippen. Auch trinkt er keine Energydrinks mehr im Büro, nur einmal ein Bier an der Bar - ein alkoholfreies.

Ziemlich spaß- und spannungsbefreit ist dann leider das, was sich über 90 Krimiminuten abspielt. Die drei Kripogrünschnäbel geben sich redlich Mühe, mit grimmiger Entschlossenheit nach dem flüchtigen Luden zu fahnden, aber wirklich ernst nimmt man sie dabei nicht. Friedrich Mücke gibt den blitzgescheiten Beau, Alina Levshin die schüchterne, aber strebsame Ex-Jura-Studentin (inzwischen wurde sie von der Praktikantin zur Kommissarin befördert) und Benjamin Kramme den harten Straßencop - dabei hat er mit seinen rotblonden Wuschelhaaren vielmehr die Ausstrahlung eines freundlichen Sonderschulpädagogen.

Funck und Grewel beim Verhör. © MDR / Andreas Wünschirs

Als der Fluchthelfer des gesuchten Mörders in einer Tabledancebar vermutet wird, geht der verwegene Kommissar Schaffert alleine rein, weil er in so einem Milieu nicht groß auffalle, wie Kollege Funck bemerkt. Das stimmt auch: Das vermeintlich verruchte Etablissement hat abgesehen von den Tänzerinnen die Anmutung einer sterilen Dorfjugenddisko.

Mit Ausnahme der sehr guten Kameraarbeit wirkt das Ganze seltsam unausgegoren und unreif. Alles, wirklich alles ist Klischee an dieser belanglosen Krimikolportage, alles ist derart bemüht, dass man die meiste Zeit peinlich berührt ist.

Kriminaldirektorin Petra Fritzenberger wird entführt. © MDR / Andreas Wünschirs

Irgendwann taucht ein wegen angeblicher Bestechlichkeit geschasster Ex-Polizist auf, der vehement auf seiner Unschuld beharrt, sowie ein hochangesehener Altkriminaler, der schon einmal gegen den flüchtigen Täter ermittelte. Wer eins und eins zusammenzählen kann, darf den Fall an der Stelle schon zu den Akten legen. Die Ermittler hingegen brauchen noch gut ein Stündchen Filmlaufzeit, um hinter des Rätsels Lösung zu kommen.

Man hätte gerne etwas Erfreulicheres vermeldet, aber wie es scheint, hat sich unter MDR-Federführung ein echtes Problemrevier aufgetan, in dem auch ein renommierter Regisseur wie Johannes Grieser weit unter Niveau arbeitet. Die Erfurter TATORT-Kommissare, das sind die jungen Streber, die gerne junge Wilde wären. Besser, sie werden schnell erwachsen.

Jens Szameit  - Teleschau Mediendienst


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