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Heute ist der: 26.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Der sanfte Tod

Das Comeback

Sie war lange weg. Ziemlich genau zwei Jahre. Davor hatte Maria Furtwängler angekündigt, künftig kürzer treten zu wollen. Nun fiel die Auszeit aber doch ziemlich umfangreich aus. Sie kehrt zurück mit einem Fall, der auf politisch hoch korrekte Weise ein stets aktuelles Thema aufgreift: Deutschland isst Fleisch. Das zudem immer billiger wird. Zeit also, einem skrupellosen Fabrikanten auf der größten Bühne, die die ARD zu bieten hat, mal ordentlich die Leviten zu lesen.

Die Kommissarin hofft bei den bulgarischen Mitarbeitern des Schlachthofs auf Mithilfe. © NDR / Christine Schroeder

"Der sanfte Tod" ist dieser NDR-"Tatort" überschrieben, was fraglos Bezug nimmt auf das Thema: Wie sterben die Tiere, deren Fleisch danach in Millionen Tiefkühltruhen wandert? Der knallige Satz "Alle mögen Fleisch, aber keiner mag den Schlachter" fällt gleich zu Beginn des Films, der streng genommen eigentlich nicht wirklich ein Maria-Furtwängler-Tatort ist, sondern einer für Heino Ferch, der ganz im Mittelpunkt steht und in die rätselhafte Figur des Fabrikanten Jan-Peter Landmann alles reinlegen durfte.

Jener Landmann ist einer der mächtigsten Fleischerzeuger Niedersachsens. Ein bedeutender Unternehmer, womit der Fall für die LKA-Ermittlerin Lindholm natürlich eine politische Komponente erhält. Landmann wird im Betrieb geschätzt und von vielen Offiziellen draußen geradezu verehrt. Oder, wie es mal recht markant im Film formuliert wird: "Angesichts der vielen Leute, die hineinkriechen wollen, braucht der ein Arschloch größer als die Elbphilharmonie."

Heino Ferch spielt den Schlachthofbesitzer und Wursthersteller Jan-Peter Landmann. © NDR / Christine Schroeder

Eines Nachts ist er unterwegs nach Hause mit seinem Chauffeur. Weil der ihm zu langsam fährt, übernimmt Landmann selbst das Steuer. Kurz vor seinem Anwesen fällt ein Schuss. Der Chauffeur wird tödlich getroffen, und natürlich ist die erste Frage, die sich Charlotte Lindholm stellen muss: Galt der Anschlag nicht doch eher Landmann, der ja am falschen Platz im Wagen saß und in der Dunkelheit nicht zu erkennen war?

Die Kommissarin beginnt ihrer Ermittlungen im Umfeld Landmanns, in dem so gut wie keiner auch nur ein bisschen normal ist. Die Mutter ist vorsichtig ausgedrückt sehr speziell, Landmanns Neffe (Sebastian Weber) über alle Maßen devot. Der Sicherheitschef (Marko Dyrlich) schlägt gerne mal sofort zu und hat darüber hinaus eine kriminelle Vergangenheit. Mittendrin: Landmann selbst. Eitel, arrogant, selbstherrlich, aber eben auch intelligent und in gewisser Hinsicht sogar charmant. Er umgarnt die Kommissarin, bittet am Abend gar zur selbst gebratenen Rinderlende in trauter Zweisamkeit, hört Wagner und philosophiert über "die Einsamkeit des Mondes". Ein bisschen schmeichelt das schon der Kommissarin, die als alleinerziehende Mutter noch immer keinen neuen Mann an ihrer Seite hat. Aber natürlich ahnt sie schon, dass in Landmanns Betrieb womöglich nicht alles so korrekt zugeht, wie er behauptet.

Die Kommissarin hat ein mulmiges Gefühl beim Anblick der Schweine. © NDR / Christine Schroeder

Unterstützung erfährt sie diesmal von einer Kollegin vor Ort. Den Vornamen von Frau Bär (Bibiana Beglau) erfährt man nicht. Wohl aber wird schnell klar, dass die Neue in der Kripo unter den vielen Kerlen einen ziemlich schweren Stand hat. Zumal auch sie eher ein, nunja, merkwürdiger Typ ist. Schweigsam, unbeholfen und immer ein bisschen eingeschnappt.

Alexander Adolph, sehr "Tatort"-erfahren", schrieb und inszenierte diesen neuen Krimi aus dem Norden. Ein stiller, geduldiger, in der Mitte stellenweise auch etwas zäher Film, der ganz vom Duell der beiden Hauptfiguren - Lindholm und Landmann - lebt. Aber: Selbst der erfahrene "Tatort"-Zuschauer darf sich in diesen Wochen ja niemals sicher fühlen. So konventionell die Wege auch sind, die der Film die meiste Zeit über beschreitet, so politisch überkorrekt er auch ist, so ungewöhnlich ist sein mutiges Finale.

Erwähnenswert noch: Obwohl es in diesem Film vor allem auch um die Art und Weise der Schlachtung von Schweinen geht und um deren Haltung, werden keine Bilder davon gezeigt. Mögen in so gut wie jedem Krimi inzwischen hemmungslos Bilder von Morden und Leichen an der Tagesordnung sein - ein sterbendes Schwein ist, auch wenn es das Kernthema des Story ist, offensichtlich dem Publikum nicht zuzumuten. Regisseur Alexander Adolph verweist darauf, dass er kein Interesse an dieser Form des "billigen Schocks" gehabt habe. "Zu einfach" sei es, mit diesen Bildern zu arbeiten. "Es hätte auch was Pädagogisches, was mir widerstrebt."

Kai-Oliver Derks  - Teleschau Mediendienst


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