Zur Startseite tatort-fundus.de
Heute ist der: 22.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Die Feigheit des Löwen

Es bleibt unrund

In einem Park bei Oldenburg wird der Leichnam eines Deutsch-Syrers gefunden. Weil der Tote Kontakte zu einem Schleuserring pflegte, den die Bundespolizei schon länger im Visier hat, wird Thorsten Falke hinzugezogen. Er und Kollegin Katharina Lorenz schlagen ihr Hauptquartier in einer heruntergekommenen Industrie-Bruchbude mit flackerndem Licht auf.

Falke und Lorenz machen Quartier in Oldenburg. © NDR / Christine Schroeder

Dies soll stimmungsvoll wirken, ist aber wieder eines jener überkandidelten Details, die dafür sorgen, dass Möhrings TATORT auch im vierten Versuch nicht über das Prädikat "ambitioniert mit Schwächen" hinauskommt. Dabei hatte man sich diesmal besonders viel Mühe gegeben: Zum Beispiel durch das Engagement eines mehrfach preisgekrönten Krimi- und Drehbuchautors sowie eines echten "Homeland"-Bösewichts.

Dass Wotan Wilke Möhring und Petra Schmidt-Schaller hervorragende Schauspieler sind, dass ihre Chemie immer mehr stimmt und man mit Schauspieler und Regisseur Sebastian Schipper in der Rolle von Falke-Kumpel Jan Katz einen weiteren Trumpf im Ärmel hat, es wurde mehrfach geschrieben. Trotzdem kamen die ersten drei Fälle der NDR-Produktion nicht so recht aus dem Quark. Die Kritik behandelte sie bestenfalls wohlwollend. Meist schienen die Bücher übervoll mit Ideen. Sie erzählten an der Grenze zum Überkonstruierten. Oft auch deshalb, weil sie sich nicht zwischen verschiedenen Krimi-Konzepten entscheiden konnten. Doch was tun, wenn es künstlerisch nicht läuft? Eine Methode: Man rüstet personell weiter auf.

Der kleine Ali und seine Mutter machen eine schwere Zeit durch. © NDR / Christine Schroeder

Der hochgelobte Marvin Kren saß bereits im dritten Falke-Fall "Kaltstart" auf dem Regiestuhl. Mit "Rammbock" hatte Kren den ersten öffentlich-rechtlich finanzierten Zombiefilm gedreht. Er lief im Kino und gewann einige Preise. Nun stellte man dem 1980 in Wien geborenen Filmemacher den Münchner Krimiautor Friedrich Ani zur Seite, der den hervorragenden Kommissar Süden erfand und für das Drehbuch zu Dominik Grafs "Das unsichtbare Mädchen" 2012 einen Grimme-Preis gewann.

Ani, dessen Vater selbst aus Syrien stammt, erzählt nun eine Geschichte, die zeigt, dass der Krieg in der alten Heimat auch bei jenen Menschen weitergeht, die sie längst verlassen haben. Der aus Syrien stammende Krankenhausarzt Nagib lebt mit seiner deutschen Frau in Oldenburg. Durch den Einzug seines Bruders, des Kriegsflüchtlings Harun wird die Atmosphäre in der Familie empfindlich gestört. Und noch andere Einschläge des Krieges kommen näher: Falke und Lorenz werden zu einer durch Zufall aufgeflogenen Schleuseraktion gerufen, die ein totes Kleinkind, dessen verstörten Bruder und deren Mutter zurücklässt.

Harun und Raja haben Differenzen. © NDR / Christine Schroeder

Je länger das anfangs atmosphärisch recht dichte Verwirrspiel um Interessen und Gegeninteressen der deutsch-syrischen Exil-Gemeinschaft anhält, desto mehr klinkt man sich ob dessen Unübersichtlichkeit aus. Bis gegen Ende, als Falkes 90 Minuten abzulaufen drohen, eine Hauruck-Lösung für Aufklärung sorgt, die kein gutes Timing atmet. Da nutzt es auch nichts, dass man mit "Homeland"-Star Navid Negahban einen echten Hollywood-Schauspieler für diesen NDR-TATORT verpflichten konnte - der übrigens nach dieser Rolle schnell zum Clint Eastwood-Dreh "American Sniper" hetzen musste. Ein Film, der voraussichtlich 2015 im Kino laufen wird. Der aus dem Iran stammende Navid Negahban hatte vor über zwei Dekaden einige Jahre in Deutschland gelebt, was sein Interesse erklärt, in dieser Produktion mitspielen zu wollen.

Welches schlechte Karma nun Wotan Wilke Möhrings TATORT anhaftet, weswegen dieser mit solch vielversprechenden Mitteln ausgestattete Punkrock-Kommissar einfach nicht auf Touren kommt, es ist fast schon ein Rätsel. Eventuell sollte man Thorsten Falke, dem Regisseur Kren diesmal immerhin eine wunderbar bildersatte und humorige Liebesnacht inszenierte, einfach mal eine Folge gönnen, in der dieser sympathische Kerl gar keinen Fall bearbeitet. In der er einfach nur sein privates Leben lebt. Dies wäre nicht nur revolutionär im Sinne des TATORTs, es würde alle Beteiligten dieses überfleißigen Krimis vielleicht endlich mal locker machen.

Eric Leimann  - Teleschau Mediendienst


BITTE SPENDEN SIE!

Bitte unterstützen Sie das private Hobbyprojekt tatort-fundus.de! Wir freuen uns über jede Unterstützung und Anerkennung. Mit dem Geld werden primär die laufenden Kosten des Server- Betriebs beglichen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


TV-TERMINE
Alle anstehenden TV-Wiederholungen finden Sie übersichtlich gelistet

© tatort-fundus 1997 - 2018
Der Tatort-Fundus ist eine Webseite für Tatort-Fans

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung der Texte, BIlder und Daten nur mit Genehmigung des tatort-fundus

Sitemap | Impressum | Disclaimer |  Diskussionsforum RanglisteUnsere Datenschutzerklärung 

Alle inhaltlichen Fragen richten Sie bitte an frage(at)tatort-media.de 
Bei technischen Problemen bitte Nachricht an webmaster(at)tatort-media.de
Diese Website nutzt das Content-Management-System TYPO3