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Heute ist der: 21.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Vielleicht

Ein denkwürdiger Abgang

"Vielleicht"? Wie kann ein Film "Vielleicht" heißen, denkt man sich. Aber vielleicht sind wir nach 90 TATORT-Minuten schlauer ... Es sind die letzten mit Boris Aljinovic als Kommissar Felix Stark. Nach 13 Jahren im Berliner Morddezernat ist auch für ihn Schluss, Starks langjähriger Kompagnon Till Ritter, gespielt von Dominic Raacke, quittierte den Dienst bereits im Februar. Autor und Regisseur Klaus Krämer inszenierte den Abschied des stillen Ermittlers als flirrend intensives Psychostück, und versprochen: Wer sich auf die abwegig erscheinende Story einlassen kann, wird Starks Finale noch eine ganze Weile unter der Haut spüren.

Stark und sein Kollege erkunden sich nach Trudes Befinden. © rbb / Frédéric Batier

Dass die Geschichte mitreißt, liegt zum guten Teil an der Norwegerin Lise Risom Olsen. Die Schauspielerin legt ein furioses Deutschland-Debüt hin als blasse Studentin mit dem schönen Namen Trude Bruun Thorvaldsen und der besonderen Gabe, gewisse Dinge vorauszusehen. Unschöne Dinge, wie einen Mord zum Beispiel.

Sie sei gekommen, um eine Zeugenaussage zu machen, sagt die unglückliche junge Frau, als sie eines Tages im Dezernat aufkreuzt. Trude erklärt, sie habe Visionen, habe vom Mord an einer Kommilitonin geträumt, immer wieder: Ein Mann in einer Latzhose ist der Täter. Zwei Wochen später wird die Architekturstudentin Lisa Steiger tatsächlich ermordet aufgefunden ... Es wird nicht das einzige Mal sein, dass die schöne Norwegerin Recht behält. Sie leidet bis an die Grenze des Erträglichen unter ihrer Bürde, den Albträumen. Kreuzberger Nächte sind lang. Und gar nicht lustig.

Trude entdeckt in der Uni-Cafeteria die junge Lisa aus ihrem Träumen. © rbb / Frédéric Batier

"Ich weiß nicht, warum ich die Dinge sehen kann. Es ist nicht logisch", sagt Trude. Und wer für 90 Minuten die Logik beiseite legen kann, wird von ihr fasziniert sein. Denn hier geht es gar nicht so sehr um übersinnliche Kräfte und Hellseherei, sondern darum, was solche Visionen mit der Psyche anstellen. Und wie reagieren Freunde, Mitmenschen, Polizisten auf so etwas? "Im Mittelalter wäre Trude wahrscheinlich als Hexe verbrannt worden", sagt Lise Risom Olsen. Aber mit Stark trifft die geplagte Studentin glücklicherweise auf einen Kommissar, der über genügend Empathie verfügt, um ihr auf einer vernünftigen menschlichen Ebene zu begegnen.

Auch Robert Meinhardt, der neue Polizeipsychologe, steht Trude nicht abweisend gegenüber. "Manchmal gibt's Sachen, die kann man sich nicht vorstellen", lautet seine Devise, und genau mit dieser Einstellung steuert auch der Zuschauer sicher durch die Geschichte, die erst absurd erscheint, dann immer glaubwürdiger wird und am Ende beinahe unerträglich spannend ist. Denn bald ist auch Trudes eigenes Leben in Gefahr, und es hört nicht auf: Die blonde Frau mit den traurigen Augen berichtet Stark, sie "habe einen neuen Traum. Ein Mann sitzt an einem Tisch. Hat ein Loch mit Blut in seinem Kopf. Ein Auto fährt schnell weg, und ich habe ganz viel Angst. Es tut mir leid." Vielleicht ahnt sie da noch nicht, wer dieser Mann sein könnte, vielleicht weiß sie es aber schon ...

Auf zwei Rädern durch Berlin: Hauptkommissar Felix Stark. © rbb / Frédéric Batier

Der bescheidene Kommissar Stark, der immer ein bisschen wie Ritters Juniorpartner wirkte, in einer Solonummer? Vielleicht hätten ihm das manche nicht zugetraut. Aber Boris Aljinovic füllt die sich ihm bietende Bühne beeindruckend aus. Stark ist auch unter dem Druck des Alleingangs ganz bei sich: Er reagiert nicht über und trifft seine Entscheidungen in aller Sachlichkeit. Schließlich bittet er um Versetzung, aus persönlichen Gründen. Vielleicht, sagt er, weil er "keine Toten, keine weinenden Angehörigen" mehr ertragen kann. Vielleicht - so lautet auch das letzte Wort, das in diesem Film gesprochen wird.

Ein TATORT-Krimi, der weder mit politischen Bezügen, noch mit sozialer Relevanz aufwartet, der nicht sündhaft teuer aussieht, keine Orgie der Gewalt, kein Actionkracher und weit entfernt vom Kunstfilm à la Tukur ist. Schön, dass so was auch noch funktioniert. Die Messlatte liegt recht hoch, wenn Meret Becker und Mark Waschke im nächsten Jahr das Revier an der Spree übernehmen. Aber vielleicht bekommen ja auch die Neuen Unterstützung durch Lise Risom Olsen alias Trude Bruun Thorvaldsen - schön wär's!

Frank Rauscher - Teleschau Mediendienst


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