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Heute ist der: 15.12.2018. --> Bis heute wurden 1087 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Interview mit Ulrike Folkerts

 "Da muss mal was passieren!"

Im Rahmen des SWR-Sommerfestivals 2014 konnten rund 1.000 Fans den 60. Ludwigshafener TATORT "Blackout" vorab in Mainz sehen. Kurz vor der Premiere sprach der Tatort-Fundus mit Hauptdarstellerin Ulrike Folkerts über Drehbuch-Blackouts, die Neuerungen im Ludwigshafener TATORT und 25 Jahre Lena Odenthal.

Team aus Ludwigshafen. Bild: SWR

In Ihrem aktuellen TATORT "Blackout" wird das Jubiläum überhaupt nicht erwähnt! Warum ist das so?

Nein, weil es keine Rolle spielt. Nur weil es der 60. TATORT ist hat es keine direkte Verbindung mit der Figur Lena Odenthal, die jetzt 25 Jahre in diesem Job ist. Das wurde einfach überhaupt nicht thematisiert und aufgegriffen. Die Folkerts, die dies seit 25 Jahren macht - aber Lenas 60. Fall das hätte man natürlich irgendwie erwähnen können, aber es stand nie zur Debatte.

Wenn es noch den Kriminalrat Friedrichs gegeben hätte, dann hätte es zumindest einen Fresskorb oder so etwas gegeben...

(lacht) Richtig, den gibt es ja leider nicht mehr - der fehlt total!

Die Lena Odenthal wirkt im Jubiläums-TATORT "Blackout" sehr traurig, abgeschlafft, körperlich angeschlagen und müde. Ist sie das nach 25 Dienstjahren?

Ich finde das darf sie mal sein nach 25 Jahren. Es ging mir ein bisschen darum, dass dies so ein Einschnitt sein soll. Da kann man irgend etwas mit der Lena Odenthal passieren lassen, was zur Folge hat, dass sie überlegen muss: Wo stehe ich in meinem Leben? Wie wichtig ist mir dieser Beruf? Was macht der Beruf mit mir und meinem Leben? Was vermisse ich in meinem Leben? Was muss sich ändern, wenn ich weitermachen will? Das waren für mich die Sachen mit denen ich aus Blackout hinausgehen will, um der Lena Odenthal einen neuen Schubs zu geben, damit sie sich ein bisschen verändern kann und mehr Platz hat, für vielleicht doch mal eine Begegnung mit einem Mann, der ihr gut tut, mit ein bisschen Spaß am Rande mit Freunden, auch Kollegen - neben diesem Polizeialltag. Dieser Blackout ist einfach auch ein Signal, das ist eine Krise, das ist ein an-die-Grenzen kommen - auch körperlich - Erschöpfung und sie merkt, dass sie so nicht weitermachen kann. Das fand ich ganz spannend.

Ulrike Folkerts und Ben Becker in "Tod im Häcksler". Bild: SWR

Worauf blicken Sie in den 25 Jahren TATORT am liebsten zurück?

Da gibt es ein paar Filme, die einfach viel Freude bereitet haben, die besonders waren, die auch viel Beachtung gefunden haben:

Das fing an mit Die Zärtlichkeit des MonstersTod im Häcksler und auch Der schwarze Engel. Es gab einfach ein paar die waren einfach so wirklich richtig gute Krimis. Dann aber auch thematische Filme wie Der glückliche Tod oder Kassensturz, Hauch des Todes. Ich vergesse jetzt bestimmt die Hälfte, die mir wahnsinnig am Herzen gelegen sind. Blackout gehört jetzt auch dazu, weil ich da das Gefühl hatte, es geht mehr als sonst um Lena Odenthal.

Es besteht immer die Gefahr, dass man sehr viel Wert legt auf den Krimiplot - also wer ist der Mörder, warum ist er/sie Mörder, was ist sein/ihr Motiv, wie kompliziert ist deren Geschichte, wie kommt es dazu, dass der Fall aufgedeckt wird, vielleicht auch was ist auf der Opferseite vorgefallen, wer ist letztendlich verwickelt - und das der Kommissar oder die Kommissarin persönlich zu kurz kommen. 

"Der glückliche Tod" ist auch von allen Ihren TATORT-Folgen auf Platz 1 in unserer Fan-Rangliste...

(freudig überrascht) Ach echt?!

 ...wiederum auf dem letzten Platz ist "Im Abseits"

Im Abseits - jaja. Der Fußballkrimi - der war auch ganz schlecht recherchiert. Der war ein bisschen konstruiert und herbei gezaubert. Das muss man auch einfach zu Kenntnis nehmen. Da gibt es immer mal so Dinger, das merkt man beim Lesen manchmal nicht unbedingt sofort oder die Bücher kommen so spät, dass man nichts mehr ändern kann. Aber gut....(lacht)....bin ich mit einverstanden.

Sie haben in verschiedenen Interviews wiederholt die Drehbuchautoren kritisiert: Was genau stört Sie und was können Sie tun, um darauf Einfluss zu nehmen?

Vorneweg muss ich sagen: ich habe großen Respekt vor Drehbucharbeit. Gerade in dieser Vielfalt von Krimis, die das deutsche Fernsehen produziert - da immer eine gute Geschichten zu erfinden, das ist wirklich sehr kreative Arbeit. Ich weiß, da gibt es Autoren die sind genial, weil sie verstrickte Geschichten schreiben können, dass es immer eine Überraschung bleibt, dass man nie vorher weiß, wer es ist. Oder eben Autoren, die sich da durchschummeln. Da bin ich jetzt schon ein paar Mal darauf reingefallen, da wird eine Geschichte geschrieben, die sich wirklich spektakulär anhört aber am Schluss ist der Mord dann am Ende ein Aus-Versehen-Mord und dann habe ich das Gefühl die Kommissarin hat da 90 Minuten geschuftet, sich den Arsch aufgerieben und ermittelt wie eine Blöde um am Ende festzustellen, dass leider das Gewehr einfach losgegangen ist - dumm gelaufen, hat man halt versucht zu vertuschen, anstatt die Polizei zu holen. Da bin ich ein bisschen genervt von.

Ulrike Folkerts: "Da muss mal was passieren!" Bild: SWR

Aber ich rede gar nicht mit den Autoren direkt - es sind unterschiedliche Autoren und die werden von der Redaktion und Produzenten betreut, also rede ich mit denen. Jedes Mal wenn ich zu Dreharbeiten fahre liefere ich denen so ein Paper an Ideen für Tatort Drehbücher: also auch, wo es hingehen soll mit Lena Odenthal. Was ich mir wünsche für die Figur, dass man sie weiterentwickelt, weil das ist zu Ende erzählt – das Zusammen wohnen von Kopper und Lena... die Katze.... Da muss mal was passieren!

Deswegen ist in Blackout ja auch eine neue Kollegin dabei, die den Laden jetzt ordentlich aufmischt, weil sie anders ermittelt als wir alle und eigentlich ein Störenfried ist, aber da muss man jetzt aufpassen, dass sie ein Störenfried bleibt und nicht gleich eingenordet wird und wie alle anderen brav mit uns Seite an Seite ermitteln geht. Da bin ich dann im Gespräch mit der Redaktion des SWR. Die Kritik geht also auch an die - nicht nur an die Autoren. Früher gab es ja die TATORTe wo der Zuschauer von Anfang wusste wer es ist - die habe ich sehr geliebt...

... die sind auch meistens in unserer Rangliste meistens ganz weit oben...

... ja sind auch ganz toll, weil das so spektakulär spannend zu erzählen ist... wie nähern sich die beiden an, wie schleichen die umeinander rum, wann gelingt es der Kommissarin es nachzuweisen oder eine Falle zu stellen, dass er sich verplappert, Fehler macht und ich ihn überführen kann?!

Dies wird gar nicht mehr geschrieben, da heißt jetzt immer nein - nur noch who-done-it - und das ärgert mich! Ich sage jedes Mal: wir brauchen auch wieder so einen!  Ich will auch mal wieder Spannung - mehr Spannung - ich will mal wieder Angst haben um die Kommissarin oder um jemanden im Film.

Dienstausweis von Lena Odenthal. Bild: SWR

In Ihren ersten Fällen wurde viel mehr experimentiert z.B. Tod im All oder der kalte Tod, der eine heftige Diskussion über Gewalt im Fernsehen ausgelöst hat - wieviel Blut darf man zeigen. In Ihren Anfängen war es mehr psychologisch - mehr was passiert mit der Figur, wie wird die unter Druck gesetzt...

... die hatte viel mehr Gegner. Die war jung, sie wurde nicht ernst genommen, sie musste sich viel mehr behaupten, hatte Vorgesetzte, die ihr reingeredet haben und das fehlt jetzt alles. Das sind Reibungspunkte gewesen, die Lena stark herausgefordert haben und stärker haben werden lassen. Diese Reibungspunkte gibt es nicht mehr, die Konflikte im eigenen System, im eigenen Büro gibt es niemanden, der sagt "Lena du spinnst" - und die braucht es wieder...

Genau - viele Zuschauer wünschen sich das auch wieder, wie man aus deren Kommentaren lesen kann!

Ich nehme das gerne zur Kenntnis - das ist absolut das, was ich denke und ich habe auch mit der Redaktion besprochen, dass ich es vermisse, das Lena wieder ruppiger wird, dass sie sich mal kloppt, dass sie mal jemanden zusammen brüllt. Es gab die Zeit des Ausprobierens in eine zartere Richtung, man wollte diese weibliche Attitüden von Einfühlungsvermögen, verstehen und schlichten. Um zu der Erkenntnis zu kommen, das ist nicht mehr Lena, lasst sie wieder rennen, streiten, sich aufregen...Also - ich bin dran! (lacht).

Kai Tobie vom Tatort-Fundus beim SWR-Sommerfestival. Bild: Kai Tobie

Leider wird in Ludwigshafen nicht mehr soviel tatsächlich gedreht

Ja, aber wir haben eine neue Fernsehchefin, die möchte dies eigentlich ändern!, Sie sagt, wir müssen Ludwigshafen als Gesicht des Films mit einfangen.  Ich weiß nicht wie weit sie da jetzt schon ist - sie ist ja erst ein Jahr dabei. Aber der Wille ist da und jetzt auch Unterstützung von weiter oben!

 

Mit welchem TATORT-Team würden Sie gerne einmal zusammen ermitteln?

Die Kölner finde ich sehr entzückend mit denen würde ich es sofort machen. Die Kollegen vom Polizeiruf 110 aus Rostock würden mir gut gefallen - die finde ich ein super Team. Ansonsten mit den Kollegen aus Stuttgart könnte ich es mir auch sehr gut vorstellen, aber auch Dortmund, Saarbrücken, und genau: Hamburg, das fetzt (lacht).

 Stuttgart würde ja von der Region gut passen, dass man mal vorbei kommt zum ermitteln...

Ja, das müsste man halt schreiben (lacht)

Auf weitere 25 Jahre Lena Odenthal!

(lacht) Ja schauen wir mal, es hängt ein bisschen von den Geschichten ab...

Das Interview führte Kai Tobie am 30.Mai 2014 in Mainz


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