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Heute ist der: 16.12.2019. --> Bis heute wurden 1125 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Der Wüstensohn

Vom reichen Scheich mit der Leiche im Auto

Waffen, Drogen, oder doch bloß Teppichhandel - was mag die Ursache für die Leiche sein, die auf dem Beifahrersitz des weißen Lamborghini liegt? Kurz zuvor ist der Lenker im TATORT-Debüt von Regisseur Rainer Kaufmann sehr fotogen durch nächtliche Münchner Tunnels gerast, so mit 200 Sachen. Ein Prinz aus dem Emirat Kumar, wie sich herausstellt und furchtbar pampig zu den Münchner Kommissaren Leitmayr und Batic.

Nasir al Yasaf führt in München ein glamouröses Leben. © BR / Heike Ulrich / Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion

Der Kerl scheint das süße Leben - Party, Drogen, Frauen - zu genießen, ganz getreu seinem Vorbild aus der wirklichen Welt, dem Partylöwen Saif Al Gaddafi. Der genoss einst gerade so viel Immunität wie der zwielichtige Held dieses TATORTs, von Polizei und Staatsanwälten seltsam beschützt. Doch der TATORT Der Wüstensohn zeigt einen unglücklichen Wandler zwischen den Welten.

Schroff kann er sein und geradezu cholerisch, wenn man ihm zu nahe tritt, dieser Sohn des Emirs von Kumar, der in München alle Freiheiten genießt, die sich ein unendlich Reicher nur erlauben kann. Die ersten Treffen mit dem Unnahbaren, der aus Gründen seines Diplomatenstatus Immunität genießt, versprechen einen schönen Zweikampf zwischen dem Scheichsohn und den Kommissaren. Immer wenn die drei aufeinanderprallen, gewinnt dieser TATORT-Fall an Schärfe. Der bis dato völlig unbekannte Schauspieler Yasin el Harrouk liefert eine denkwürdige Vorstellung ab, er hat mit finsterem Blick und stimmlichem MG-Stakkato das Zeug zum geheimnisvollen Helden. Einfach ein Bösewicht, womöglich mit dem Zug zum eifernden Dschihaddisten, oder doch wieder nicht?

Die Ermittler am Lamborghini des "Wüstensohns". © BR / Heike Ulrich / Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion

Die schlauen Kommissare entschuldigen sich alsbald für die ihrerseits schroffen Töne und schleichen sich so in die schöne Welt des verdächtigen Prinzen ein. Batic wird gar mit einem wertvollen Seidenteppich bedacht, den er allerdings korrekterweise sogleich in die Asservatenkammer des Polizeipräsidiums stellen lässt. Und mehr noch: Der Scheichsohn winkt in Anerkennung des forschen Batic, ihn in die Dienste seines reichen Vaters zu stellen. Die Polizei im Emirat werde gerade umstrukturiert, das Gehalt werde zehnmal so hoch wie sein jetziges sein. Warum nicht? ermuntert Leitmayr den Kollegen. Die Fußballer machen es doch ganz ähnlich im Herbst ihres Lebens.

Überhaupt haben die Kommissare hier meist das letzte Wort. Endlich dürfen sich die ehrenhaft Ergrauten mal wieder die Bälle so zuspielen, wie sie es einst immer taten. Schön aber auch, wenn sie ein Schuhgeschäft in der Maximilianstraße besuchen, dort wo Frauen hinter Schleiern "die Geschäfte leerkaufen", wie Batic sagt. Ein arabischer Junge spielt mit Hubschraubern und ballert mit Panzern, Leitmayr zerklatscht das Fluggerät einfach mal so in der Luft. Wahrscheinlich die schönste Szene des ganzen Films.

Henk genießt als Freund des reichen Nasir das schöne Leben. © BR / Heike Ulrich / Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion

Bei den Spielzeugen bleibt es nicht, so ahnt man. Und wirklich bewegt sich der TATORT dann weit in die Geschäftswelt und in die korrupte Politik hinein. Das ist ehrenwert und verbal immer wieder herrlich inkorrekt. Doch geht der wohlfeile Witz der Kommissare mit dem Film noir nicht recht zusammen, es fehlt der Drive. Immerhin grüßen Katar und Al Kaida bedrohlich aus der Ferne. Mit Maximilianstraßenboutiquen und Edeldiskos alleine sind die aber nicht zu haben. Plot und Personal leiden überdies an einer gewissen Überladenheit. Bis der Wüstensohn zu seinem schönen Wort zum Sonntag kommt, das zieht sich dann doch merklich hin. Ein von ihm Gerichteter steht glücklicherweise wieder auf.

Immerhin haben sich die Münchner mal wieder was getraut, haben sich mit ihren saftigen Sprüchen weit hinaus ins Inkorrekte gewagt und krachledern mit Vorurteilen gespielt. Merke: Kein Scheich ist halt wie der andere. Edel und ehrenhaft.

Wilfried Geldner - Teleschau Mediendienst


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