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Heute ist der: 22.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Am Ende des Flurs

Leitmayrs Leiden

Waffe und Dienstausweis werden vorschriftsgemäß eingezogen. Aber der TATORT-Kommissar muss natürlich noch erfunden werden, der wegen einer Suspendierung das Ermitteln unterlässt. Auch der Münchner Kriminaler Franz Leitmayr stellt unerlaubt Nachforschungen auf eigene Faust an - er will herausfinden, wer seine ehemalige Geliebte vom Balkon in den Tod gestoßen hat.

Die Kripo München schaut sich im Haus der Ermordeten um. © BR / Denise Vernillo

Dass er mit Lisa Brenner noch vor wenigen Jahren ein Verhältnis hatte, verschwieg Leitmayr sogar dem Freund und Kollegen Ivo Batic. Der muss sich nun tief enttäuscht und ohne Leitmayrs Mithilfe durch viele Befragungen quälen, um ein komplexes Beziehungsgeflecht zu entwirren. Für gewöhnlich eine für den Zuschauer ermüdende Übung beim TATORT, nicht aber unter der Regie von Max Färberböck. Der Grimme-Preis-Träger legte den München-Krimi Am Ende des Flurs als nahe am Wahnsinn gelagertes Psychostück an: nicht selten chaotisch in der Erzählweise, aber oft genug auch boshaft brillant.

Färberböck, der auch berufen ist, den für Ende des Jahres angekündigten neuen Franken-TATORT aus der Taufe zu heben, brach sogar mit einer guten Tradition beim München-Krimi. Privatkram der Ermittler spielte an der Isar zuletzt nahezu keine Rolle mehr. Das ist diesmal anders. Vor allem in melancholischen Rückblicken erfährt man mehr denn je über das gequälte Herz des einsam ergrauten Kommissars Franz Leitmayr.

Der Wiesnwirt Toni Feistl liebte Lisa Brenner. © BR / Denise Vernillo

Eine komische, geheime Beziehung hat er da eine Weile mit Lisa Brenner geführt - und damit ist er nicht der Einzige. Eine ganze Reihe seltsamer Herrenkontakte können Batic und Kollegen nachweisen. Alle Verehrer dieser offenbar ganz besonderen Prostituierten fühlten sich einsam, sie alle fanden in Lisa Brenner einen Menschen, der ihnen die Einsamkeit nahm. Dann stirbt einer, der mit Hingabe für sie Einkäufe erledigte, ein Badeschlappen tragender Sonderling aus der Vorstadtsiedlung. Jemand hat ihm mit einem Hammer den Schädel zertrümmert - der Fall wird nicht einfacher.

Die Erzählweise ist es auch nicht: Max Färberböck springt hastig und assoziativ von Szene zu Szene - ein bisschen wie neulich Dominik Graf in seinem wild gescholtenen Beitrag Aus der Tiefe der Zeit. Dennoch entwickelt die Geschichte von der hochbegabten Liebesdienerin einen ungeheuren Sog. Manchmal erinnert der Stil gar an David Lynch, wie amerikanische 50er-Jahre-Schnulzen mit dem blutigen Grauen kontrastiert werden. Es gibt beklemmende Kamerafahrten durch Hausflure, grell schockierende Gewalt, bedrohliche Tiersymbolik und überhaupt eine Atmosphäre, die zum Schneiden ist. Die einen wüten erbost, die anderen schweigen grimmig.

Hilft als Fallanalytikerin den Münchner Kommissaren weiter: Christine Lerch. © BR / Denise Vernillo

Und dann ist da noch Franz Xaver Kroetz, der in einem seiner raren TV-Engagements als Wiesnwirt mit besten gesellschaftlichen Kontakten ("Der Mann ist Bayern!") einen Wahnsinnsauftritt hinlegt. Die Lisa Brenner, entfährt es dem grauen Stenz im Verhör, sei zwar "eine Professionelle", aber auch "eine Superfrau" gewesen. Wäre er 20 Jahre jünger, er hätte sie glatt geheiratet.

Fast zur Nebensache gerät bei all dem der Dienstantritt zweier Neuer im Münchner Revier. Sieben Jahre nach dem Abgang von Carlo Menzinger - gespielt von Michael Fitz - bekommen die beiden Alphamännchen Batic und Leitmayr frischen Wind im Kommissariat zu spüren. Der erst 20-jährige Schauspielstudent Ferdinand Hofer spielt ab sofort den jungdynamischen Assistenten Kalli Hammermann. Lisa Wagner, die eben erst erfolgreich als "Kommissarin Heller" im ZDF debütierte, ist als Fallanalytikerin Christine Lerch mit von der Partie. Zwei ausnehmend sympathische und sozialkompetente Erscheinungen - das ist angesichts der neusten Verwerfungen zwischen den Grummel-Kommissaren fast noch wichtiger als kriminalistisches Geschick.

Jens Szameit - Teleschau Mediendienst


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