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Heute ist der: 24.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Der Fall Reinhardt

Einfach nur traurig

Im letzten Kölner TATORT starb Franziska, die langjährige Assistentin der beiden Kommissare Ballauf und Schenk. Der dramatische Schluss des Films ist jedem, der ihn gesehen hat, noch in Erinnerung. Als sich die Schlinge ein letztes Mal zuzog und ihre Augen starben. Ihr Bild hängt nun also als Erinnerung an der Wand im Kölner Polizeibüro. Es muss ja weitergehen. Aber - was kaum möglich schien: Es wird noch trauriger. Noch dramatischer. Noch unfassbarer.

Fortan müssen Ballauf und Schenk ohne ihre Assistentin Franziska auskommen. Aushilfsassistent ist Tobias Reisser. © WDR / Uwe Stratmann

Der Fall Reinhardt ist der beste Kölner TATORT seit Jahren. Womöglich einer der besten überhaupt. Weil er mit der Theaterschauspielerin Susanne Wolff eine brillante Hauptdarstellerin hat. Weil ihm ein hochemotionales Buch zugrundeliegt, das in Inhalt und Struktur zu den außergewöhnlichsten in der TATORT-Historie gehört. Und weil der erfahrene Regisseur Torsten C. Fischer, der hierzulande zu den Besten seines Fachs gehört, das zu einem mitreißenden Stück Fernsehen verbindet, das den Betrachter verfolgen wird. Womöglich lange Zeit.

Der Film beginnt, als alles schon zu spät ist. Ballauf und Schenk werden zu einem ausgebrannten Haus gerufen. Es ist schon der dritte Brandanschlag innerhalb weniger Tage. Offensichtlich treibt ein Feuerteufel sein Unwesen. Doch während bisher keine Menschen zu Schaden kamen, ist diesmal die Tragödie schier grenzenlos. Drei kleine Kinder haben es nicht geschafft und kamen in dem Haus ums Leben.

Preiswürdig: Susanne Wolff in der Rolle der Mutter Reinhardt. © WDR / Uwe Stratmann

"Mein Mann" - das ist das Einzige, was die schwer schockierte Mutter noch schreien kann, als sie von den beiden Kommissaren in der Nähe des Tatorts entdeckt wird. Ein Hinweis auf der Täter? In der Folge wird sich fast alles in diesem reduzierten, schlichten Krimistück um diese Ehe drehen. Mutter Karen ist zunächst kaum vernehmungsfähig und leidet an einer Amnesie. Vater Gerald Reinhardt hingegen ist verschwunden. Es offenbart sich, dass er offensichtlich ein Doppelleben führt. Jedenfalls arbeitet er längst nicht mehr bei der Firma Cologne Airtech als Luftfahrtingenieur, wie er auch seiner Frau gegenüber behauptete.

Die Reinhardts waren einst, das zeigt sich irgendwann, ein ganz normales Ehepaar mit Kindern. Was dann aber geschah bis zu jener Nacht, in der das Haus in Flammen stand, schält das grandiose Buch von Autorin Dagmar Gabler wie bei einer Zwiebel heraus. Und tatsächlich wird es trauriger und trauriger für den Betrachter ... - Der Fall Reinhardt beschreibt rückblickend in Worten, intelligenterweise nur selten in Rückblenden, eine Chronik eines Scheiterns. Es geht darum, was passiert, wenn Unvorhergesehenes eintritt und sich plötzlich Angst und Überforderung in einer Beziehung einstellen. Wenn die Sehnsucht nach dem Neuanfang größer als die Liebe zur eigenen Familie wird.

Gerald Reinhardt sucht die frühere Babysitterin der Familie auf. © WDR / Uwe Stratmann

Dass man das alles glaubt, was man da sieht, dass man mitfühlt mit diesen Menschen, die allesamt Opfer sind, ist der großartig gewählten Schauspielerriege zu verdanken. Allen voran Ben Becker in einer nicht allzu großen, aber immens fordernden und vielschichtigen Rolle. Und dazu Susanne Wolff. Die preisgekrönte Künstlerin gehört zu jenen wenigen Schauspielerinnen in Deutschland, die jeden Film per se besser machen können. Die Rolle der Mutter, die soeben drei Kinder verloren hat, ist eine riesige Aufgabe, aber fraglos auch eine dankbare. Und doch: Sie zu sehen, wie sie schreit, schweigt, weint, trauert, wie sie orientierungslos durch die Gegenwart stolpert und vom vergangenen Glück träumt - das ist außergewöhnliches Erlebnisfernsehen, das Auszeichnungen verdient hätte.

Streng genommen ließe sich die Handlung dieses Krimis in nicht einmal einer halben Stunde erzählen. So wenig passiert. Und doch ist der Film mit knapp anderthalb Stunden keine Sekunde zu lang. Regisseur Torsten C. Fischer wählt die leisestmögliche Erzählform. Er lässt Schweigen zu, lässt nichts zerreden. Sein Kameramann Holly Fink ist nah dran, bleibt aber ruhig bei seinen Aufnahmen und gewährt den Schauspielern ihre Bühne. Sie nutzen sie. Und im Hintergrund singen Nick Cave und Ben Howard dazu. Nur drei Worte sagt Klaus J. Behrendt, wenn man ihn nach diesem Film befragt: "Einfach nur traurig." Dem ist denn auch nichts mehr hinzuzufügen ...

Kai-Oliver Derks - Teleschau Mediendienst


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