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Heute ist der: 24.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Auf ewig Dein

Psychokrieg auf höchstem Niveau

Die Schimanski-Jacke war gestern. Heute haben wir: den Faber-Parka. Der Dortmunder Chef-Ermittler hat seinen abgeranzten Kapuzenmantel bislang in jedem Fall getragen, und irgendwie hat man sich mit dem Anblick eines Kriminalers im Obdachlosen-Outfit angefreundet. Was auch damit zu tun hat, dass die Dortmunder Fälle immer mitreißender wurden und sich das im Herbst 2012 angetretene Ruhrpott-Team mit Vehemenz in den Vordergrund gespielt hat.

Markus Graf, steht unter Verdacht, ein Mädchen vergewaltigt und ermordet zu haben. Kommissar Faber ermittelt: Auf seine Art. Bild: WDR/Thomas Kost

Mehr als bei jeder anderen TATORT-Truppe beschäftigt einen hier die Frage, wie es im Leben der vier Kommissare weitergeht. Die Charaktere bekommen Konturen, und es kristallisieren sich Zusammenhänge heraus, auf dass man fast schon an die großen US-Serien denken möchte. Vor allem der von Jörg Hartmann brillant gespielte Teilzeit-Wüterich Peter Faber tut sich hervor - als atemberaubend glaubwürdige Figur und als Kommissar mit dem verlässlichsten Gespür im deutschen Krimi. Im vierten Dortmund-Fall Auf ewig Dein wird er vollends von seiner Vergangenheit eingeholt und an seine emotionalen Grenzen geführt.

Auch wenn es wieder in weiten Teilen um Fabers Leben und auch um das seiner Kollegen Martina Bönisch, Nora Dalay und Daniel Kossik geht, ist der Mordfall diesmal besonders monströs. Auf dem Tisch des Pathologen liegt die Leiche eines 13-jährigen Mädchens. Marie wurde gewürgt, geschlagen, über mehrere Tage vergewaltigt - bevor man sie tot im Wald fand.

Für Martina Bönisch ist ein anderer Fall von besonderem Interesse. Bild: WDR/Thomas Kost

Und Faber, der selbst Frau und Tochter bei einem immer noch nicht geklärten Unfall verlor, knüpft sich gleich mal den Stiefvater vor: Der Mann hatte eindeutige Bildchen auf dem Rechner - auch Fotos von Marie. "Vielleicht 30, 40 Stück", sagt er. "Mehr nicht?", entgegnet Faber und bleibt wie immer knochentrocken. Er habe sich doch nur Sorgen um seine Stieftochter gemacht, versucht der Mann zu argumentieren: "Das ganze Internet!" Marie habe gerade "ihren Körper entdeckt", und da habe er "eben wissen wollen, was für Gefahren da lauern". - Unfassbar, wie der verzweifelte Gunnar Stetter um Erklärsätze dafür ringt, dass er Fotos von seinem Stiefkind hochgeladen und auf einschlägigen Foren Usern, die sich "wuergerbabe09" nennen, angeboten hat. Schon jetzt ist klar: Wo andere Krimis nur an der Oberfläche entlangschrammen, geht es hier in die Tiefe. Stetter ist kein Klischee, kein Monster, sondern höchstens eine arme Sau.

Um einen Faber aus der Ruhe zu bringen, braucht es dennoch Verdächtige anderen Kalibers. Tatsächlich bekommt es der grundsätzlich kaum zu beeindruckende Kommissar diesmal mit einem Gegenspieler auf Augenhöhe zu tun: Markus Graf arbeitet bei einer Reinigungsfirma, zu der die Hautspuren an der Leiche führen. Dass Grafs Boss seit einem Tag ebenfalls seine 13-jährige Tochter vermisst, ist die eine Sache. Eine ganz andere: Faber dämmert langsam, woher er den für eine Reinigungskraft eigentlich viel zu smart auftretenden jungen Mann kennt - er hat Grafs Vater, einen brutalen Kinderschänder, vor über eineinhalb Jahrzehnten in den Knast gebracht. Aber die Lösung für den Fall ist das noch lange nicht, so einfach macht es dieser bärenstarke Ruhrpott-Krimi von Regisseur Dror Zahavi seinem Publikum nicht.

Nora Dalay und Daniel Kossik ermitteln. Bild: WDR/Thomas Kost

Für Faber beginnt der Albtraum erst jetzt. Während im Hintergrund eine ziemlich düstere Begleitmusik scheppert - Bönisch versucht ihr Callboy-Problem zu regeln, Dalay ist schwanger und sich im Gegensatz zu ihrem Freund Kossik nicht sicher, ob sie das Kind will -, jagt der ausgeschlafene Graf den Kommissar vor sich her. Immer tiefer reißt er ihn in den Abgrund hinein, dorthin, wo sich die Grenzen zwischen Fall und Privatleben, zwischen Gegenwart und Vergangenheit auflösen. Wieder gibt Faber den Psycho. Aber das ist nachvollziehbar, ebenso die Selbstmordgedanken, die ihn alsbald umtreiben. Als Zuschauer kann man gar nicht anders, als diesen Leidensweg bis zur letzten Minute gebannt mitzugehen und den auf höchstem Niveau ausgetragenen Psychokrieg mitzuverfolgen.

Wie gut, dass bei alldem noch Raum für eine Spur Humor und Selbstironie ist. "Ham'se se noch alle?", wird Faber einmal gefragt. Er antwortet: "Die meisten, die mich kennen, sind skeptisch, was das betrifft." So geht TATORT, und Schimi hat endlich einen würdigen Nachfolger gefunden - nicht nur wegen der coolen Jacke!

Frank Rauscher - Teleschau Mediendienst


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