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Heute ist der: 08.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Adams Alptraum

Wenn der virtuelle Hass hochkocht

Was man unter einem "Flashmob" versteht, zitiert die Kommissarin Lisa Marx sicherheitshalber aus dem Smart-Phone: "Eine Ausprägungsform der virtuellen Gesellschaft, die neue Medien wie Mobiltelefone und Internet benutzt, um kollektive Aktionen zu organisieren." Wieder was gelernt am Krimi-Sonntag. Zumal die Kommissarin erklärend hinterherschiebt: "Dass die sich im Internet verabreden, um Menschen umzubringen, ist glaube ich neu."

Am Bett des Opfers Sven Hasberger. Bild: SR/Manuela Meyer

Neu - und durchaus erschreckend: Ein ehrenamtlicher Schwimmtrainer ringt mit dem Tod, nachdem er im Internet als Kinderschänder diffamiert und von Vermummten ins Koma geprügelt wurde. Mal wieder ein Themen-TATORT also, den der Saarländische Rundfunk da von Hannu Salonen inszenieren ließ. Es ist der dritte mit Devid Striesow als kauzigem Kriminaler Jens Stellbrink, und er schlägt eine neue Klangfarbe an.

Kein verwunschener Märchenwald mehr, keine unfreiwillig komischen Motorradrocker. Kaum noch skurriler Humor, sondern vergleichsweise nüchterne Gesellschaftskritik. Nach heftiger, mitunter auch überheftiger Kritik an den ersten beiden Filmen mit Devid Striesow könnte man Adams Alptraum nun als Zugeständnis an die Erwartungshaltung des TATORT-Publikums begreifen. Könnte man, muss man aber nicht, wie der Produzent Martin Hofmann beteuert. Nachdem in den ersten beiden Episoden der neue Kommissar im Mittelpunkt gestanden habe, gelte dies ab jetzt für den jeweiligen Fall. Und der hat es diesmal tatsächlich in sich.

Das SR-Tatort Team bei der Lagebesprechung: Lisa Marx, KTU-Chef Horst Jordan, Jens Stellbrink und Staatsanwältin Nicole Dubois. Bild: SR/Manuela Meyer

Sven Haasberger, der Jugendliche im Schwimmen trainiert, wurde eben noch für sein ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet, da attackiert den durchaus kräftigen Mann eine Horde vermummter Gestalten in der Fußgängerzone. Sven Haasberger hat keine Chance. Wie sich zeigt, war das Ganze ein im Internet verabredeter Prügel-Flashmob - der Jugend-Schwimmtrainer war zuvor auf einem einschlägigen Portal als übergriffiger Päderast diffamiert worden. Behaupten lässt sich viel in der Anonymität des Netzes - und die Spuren sind kaum nachzuverfolgen. Wahrlich kein einfacher Fall für die Kommissare Stellbrink und Marx.

Gefahrenquelle Internet - das wirkt als TATORT-Thema immer ein bisschen schulmeisterlich. Aber die Saar-Krimi-Macher wissen ja aus eigener Erfahrung, wie das ist, wenn der virtuelle Hass hochkocht. Der "Shitstorm" gegen das neu formierte Team aus Saarbrücken hatte mitunter etwas verstörend Entfessteltes, nicht selten wurde unter die Gürtellinie geschossen. Bei der Diskussion um die Qualität eines Fernsehkrimis wohlgemerkt. Vielleicht muss man sich an solche Exzesse ja gewöhnen.

Hauptkommissar Jens Stellbrink mit seinem Schützling Finn. Bild: SR/Manuela Meyer

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man auf die Idee kommen: Die geballte Kritik hat Wirkung gezeigt. Der neue Saar-TATORT kommt mit dem dritten Fall deutlich konventioneller, fast könnte man sagen: gehemmt daher. Devid Striesow trägt als Softie-Kommissar immer noch komische Jogging-Hosen. Und er ist übrigens eine Wucht, wie empathisch er zu Befragungszwecken mit Kindern umgeht. Dennoch wirkt Adams Alptraum nach den grellen Ouvertüren nun etwas unentschlossen, stilistisch wird in weiten Teilen der Krimi-Durchschnitt bedient. Und nach wie vor holpert die Inszenierung. Manches wirkt aufgesetzt, etwa die unerklärlich gereizte Stimmung im Kommissariat oder die obertaffe Art der grimmigen Lisa Marx, der die Macher in Zukunft gerne eine zweite oder dritte Persönlichkeitsfacette gönnen dürfen.

Vielleicht wird man den von Lars Montag und Dirk Kämper geschriebenen Fall im Rückblick mal als eine Art Übergangsfilm begreifen. Man sollte die Hoffnung jedenfalls bis auf Weiteres nicht aufgeben, dass der mit Devid Striesow ja herausragend besetzte Saar-TATORT noch zu sich selbst findet.

Jens Szameit - Teleschau Mediendienst


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