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Heute ist der: 22.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Todesspiel

Wer tötete den "letzten Playboy von Konstanz"?

Champagner, Koks und Sex mit Fesselspielchen (die Handschellen sind mit Glitzersteinchen besetzt): Im Bodensee-TATORT spielt diesmal die Dekadenz eine Hauptrolle. "Todesspiel" heißt der Fall, der Klara Blum und Kai Perlmann mit einer Clique von versnobbten Mittdreißigern konfrontiert, deren Mitglieder allem Anschein nach so wohlhabend sind, dass sie nur noch ein Problem haben: die Langeweile.

Benjamin Wolters im Kreise seiner Freunde. Bild: SWR/Peter Hollenbach

Muss ein tolles Leben sein, da oben. Oder auch nicht: Dass der schöne Schein trügt, zeichnet sich ab, als der Millionenerbe Benjamin Wolters tot in seiner absurd großen Jugendstilvilla gefunden wird - in der Brust zwei Kugeln, die aus nächster Nähe abgefeuert wurden.

Offensichtlich war Wolters der Schlimmste von allen: eine Art Guru, der sich von den anderen anbeten ließ und dem selbst nichts heilig war. "32 Jahre alt und noch nie gearbeitet - was machen solche Leute den ganzen Tag?"- Klara Blum steht beim Studium der Biografie des Mordopfers die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben. Da der Hinweis von Kriminalassistentin Annika Beck, dass die Zeitung Wolters als den "letzten Playboy von Konstanz" tituliere, auch nicht weiterhilft, nimmt Perlmann die Sache in die Hand und ermittelt undercover.

Klara Blum konfrontiert Daniel mit den Aufnahmen, die sein ermordeter Kumpel von ihm gemacht hat. Bild: SWR/Stephanie Schweigert

Und wie das wieder flutscht: Mit der Boutique-Betreiberin Nadine Weiss, einer von unzähligen Ex-Geliebten von Benjamin Wolters, flirtet der Kommissar beim Sakko-Shoppen. Sie nimmt ihn prompt mit in die V.I.P.-Lounge des Szene-Etablissements, in dem es die reichen Freunde zur Trauerfeier gebührend krachen lassen. Bald hat sich Perlmann mit dem Ex-Castingshow-Teilnehmer Gabler angefreundet, den Banker Marcus Pracht sowie Wolters' letzte Flamme Alisa kennengelernt und zügig weitere gewaltige Ermittlungsfortschritte gemacht. Wären da nur nicht der Kater, den er am nächsten Morgen mit ins Kommissariat schleppt, und eine Spesenrechnung weit jenseits der 1.000-Euro-Marke ...

Es taugt halt nicht jeder zum Aufstieg in die Welt der Reichen und Schönen, die Drehbuchautor Leo P. Ard und Regisseur Jürgen Bretzinger ziemlich stereotyp und ähnlich verkommen anlegt, wie sie einst Christian Kracht in seinem Bestseller-Roman "Faserland" beschrieb: Da sind jene vom Reichtum gelangweilten Alphatiere, die auf alles und jeden pfeifen, und da sind die anderen, die ihnen hinterherlaufen, weil sie einfach nur dazugehören wollen und sich dabei auch gerne mal selbst vergessen.

Kai Perlmann hat sich Nadine Weiss als wohlhabender Privatier vorgestellt und hofft, sie in der Lounge aushorchen zu können. Bild: SWR/Stephanie Schweigert

Dass der Einzige, der in dieser illustren Runde "richtig" arbeitet, ausgerechnet ein charakterloser Hedgefonds-Manager ist, kommt ebenso wenig überraschend, wie die Tatsache, dass sich den Ermittlern dann doch noch eine zweite Spur auftut: Die Tochter des Polizisten Klaus Nobbe fristet seit Jahren ein unschönes Dasein in der Psychiatrie - Auslöser war das Scheitern ihrer Beziehung mit Benjamin Wolters ...

Der Film lebt ganz gut von den Klischees. Das Thema ist nicht gerade originell, aber es ist durchaus furios, wie hier die Upper Class, oder wenigstens eine kleine dekadente Gruppe aus der High-Society, in ihre Einzelteile zerlegt wird. Am Ende dieser 90 Krimi-Minuten dürfte jedenfalls kaum noch einer von einer solchen Form von Wohlstand träumen. Der Autor über die Idee zu seinem Drehbuch: "Ich habe mal erlebt, wie in einem Restaurant eine Gruppe angetrunkener Yuppies dem Verkäufer einer Obdachlosenzeitung einen Hunderter angeboten hat, wenn er auf die Knie gehen und wie ein Hund bellen würde. Ich war sprachlos. Obwohl er sicherlich das Geld gebrauchen konnte, besaß der Mann so viel Würde, es nicht zu machen und den Typen den Stinkefinger zu zeigen."

Frank Rauscher - Teleschau Mediendienst


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