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Heute ist der: 16.12.2019. --> Bis heute wurden 1125 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Das Tatort-Jahr 2013

Früher war mehr Lametta

?Borowski und der Engel? beendet das TATORT-Jahr 2013 und das irritierende wie höchst originelle Ende des Films mag metaphorisch für den gesamten Jahrgang stehen, der für die altehrwürdige Filmreihe ein in jeder Hinsicht bewegter war. Ein Jahresabschlusskommentar von Heiko Werning

Sorgte 2013 für Gesprächsstoff: Til Schweiger am TATORT © NDR

Die öffentliche Wahrnehmung war so groß wie seit Jahrzehnten nicht mehr, die Einschaltquoten konkurrenzlos, die feuilletonistische Dominanz fast schon beängstigend. Keine regionalen wie überregionalen Zeitungen, keine Online-Medien, die sich dem jeweils neusten Film der Reihe nicht mit der gleichen Aufmerksamkeit wie bei einem veritablen Kino-Neustart gewidmet hätten.

Kommissars-Neubesetzungen werden inzwischen öffentlich diskutiert wie sonst höchstens noch Bundesminister oder, sagen wir, Til Schweiger. Ach Quatsch, der ist ja auch längst im TATORT-Reigen. Kurz: Die Erkenntnis schält sich unbarmherzig heraus, dass nicht mehr das welkende ?Wetten dass ...?? das vielbeschworene ?Lagerfeuer der Nation? ist, sondern der TATORT.

Tatsächlich steht in der Rangliste des Tatort-Fundus ? inzwischen zu einer vielzitierten medialen Referenz geworden ? der 2013er-Jahrgang eher schlecht da

Da ist es kein Wunder, dass die Reihe auch zur Zielscheibe für reichlich Kritik, Häme und erbitterte Diskussionen wurde. In der Rangliste des Tatort-Fundus ? inzwischen zu einer vielzitierten medialen Referenz geworden ? steht der 2013er-Jahrgang eher schlecht da, und viel wurde darüber diskutiert, ob der TATORT seinen Markenkern verliere, wahlweise weil zu viele Teams ermitteln, weil zu viele Filme gedreht werden, weil nur noch Stangenware oder zu abgehobene Experimente produziert würden, weil die Fälle zu sozialkritisch oder zu wenig Krimi oder zu wenig lokalspezifisch oder viel zu lokalspezifisch seien, und natürlich: weil früher einfach mehr Lametta war.

Hier sei einmal die Gegenthese vertreten: Der TATORT ist so vital und kraftstrotzend wie schon lange nicht mehr, wahrscheinlich sogar wie noch nie. Und den Verantwortlichen ist ? bei aller Kritik im Einzelnen ? das Kompliment zu machen, dass sie eben nicht der Versuchung erlegen sind, funktionierende Rezepte immer wieder auf Nummer sicher zum Einsatz zu bringen, sondern ständig Neues zu versuchen, verschiedenste Richtungen auszuloten, mal avantgardistisch, mal nostalgisch-klassisch.

Genug Platz für Durchschnittskost Bild:MDR

Dass dabei auch mal was schiefgegangen sein mag (hier sei vor allem an den fulminanten Doppel-Flop aus dem Saarland oder die uninspirierte Jugend-Anbiederung aus Erfurt erinnert), ist unbenommen. Aber dagegen steht ein großes Spektrum unterschiedlichster Beiträge: Von Action-Reißern wie in Til Schweigers Hamburg bis zu versponnenen Nostalgie-Kunstfilmen wie bei Murot, von hochkomplexen Avantgarde-Experimenten wie bei Dominik Grafs Münchener Beitrag bis zu den grantelnden Polit-Thrillern aus Wien, von schnurgeraden Ermittlerkrimis wie in Berlin bis zur leisen Weihnachtskomödie aus Weimar und den exaltierten Münsteranern (die erfreulicherweise mit der ?chinesischen Prinzessin? den Willen aufzeigten, nicht gänzlich auf den ausgetretenen Erfolgspfaden zu wandeln), von recht lebensnahen Normalo-Figuren wie Wotan Wilke-Möhrings Kommissar Falke in Hamburg bis zu vielschichtigen, problembeladenen Ausnahme-Charakteren wie Jörg Hartmanns Kommissar Faber in Dortmund. Und eben der inzwischen geradezu monolithisch herausragende Borowski. Dazwischen bleibt immer noch genug Durchschnittskost, für die zwar oft wenig aufregende, aber eben routinierte Teams wie Ludwigshafen, Leipzig, Köln, Stuttgart oder Konstanz stehen und die sozusagen den ruhenden Pol der Reihe bilden.


Es sind die doch recht zahlreichen polarisierenden Folgen, die dafür sorgen, dass die Ranglisten-Bewertung eher im unteren Bereich dümpelt. Aber es sind genau diese, die garantieren, dass die Reihe fortwährend interessant bleibt, sich weiter entwickelt und sich beständig neu erfindet. Auf ein gutes neues TATORT-Jahr 2014 also!

Heiko Werning



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