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Heute ist der: 22.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Die Fette Hoppe

Etwas weniger Münster wäre besser gewesen

Kommissar Lessing hat wenig Zeit, die Altstadt von Weimar zu bewundern. Im Grunde genommen, bevor er seinen Dienst antritt, findet er sich schon in seinem ersten Einsatz wieder. Kommissarin Kira Dorn ist in den Fängen eines bewaffneten Geiselnehmers gelandet und irgendjemand muss sie da rausholen. Und weil Lessing zwar keinen Vornamen, dafür aber jede Menge Mumm hat, befreit er wenige Minuten später seine Kollegin.

Was hat Sigmar Hoppe mit dem Verschwinden seiner Mutter zu tun? Bild: MDR/Andreas Wünschirs

So rasant dieser TATORT beginnt, so rasch fällt er leider in die kleinstädtische Behäbigkeit, für die er stehen will. Vorgeführt wird Weimar, die kleine, große Stadt, Edelkaff, kulturvolles Kuhdorf. Das Mordopfer ist weder eine Großindustrielle, noch eine korrupte Politikerin oder Opfer eines internationalen Menschenhändlerringes. Nein, es hat die in der ganzen Stadt unbeliebte Wurstfabrikantin Brigitte Hoppe getroffen. Die Hoppe, die den Kindergarten vertrieben, den zwar leider alkoholkranken aber herzensguten Kutscher Caspar Bogdanski in den Ruin getrieben hat, die ihrem eigenen Sohn Sigmar das Leben zu einer freudlosen Hölle macht. Das einzig Gute, was man leider über die Hoppe sagen muss, ist, dass sie die beste Bratwurst von Weimar, wenn nicht ganz Thüringen herstellt und die Jagd nach dem Rezept für diese Wunderwurst bildet auch den wurstigen Kern der Kriminalgeschichte.

Was verheimlicht Nadine Reuter vor Lessing? Bild: MDR/Andreas Wünschirs

Aber eigentlich kommt es darauf ja gar nicht an. Denn wir können uns erfreuen an der wunderschönen Nadine Reuter, die schon immer ein wenig zu schön für einen guten Ruf war, die mit dreißig Jahren schon zweimalige Witwe ist und deren Absichten in Bezug auf Sigmar Hoppe alle in Weimar zu kennen glauben. Wir können uns amüsieren über die neunmalklugen Sprüche und merkwürdigen Statistiken von Lessing, der gewissermaßen in direkter Fortsetzung von Ulmens ?Dr. Psycho? (Pro7, 2007) seinen Kolleginnen und Kollegen gehörig auf die Nerven geht. Und wir erfreuen uns an der dickköpfigen Kira Dorn, die ihre Schwangerschaft nicht als Krankheit auffasst und nur gelegentlich ihren dicken Bauch nach vorn schiebt, wenn sie irgendeine eklige Arbeit nicht machen will.

In den Rezensionen zum Weimarer TATORT wird nun allerorten angemerkt, dass Regisseurin Franziska Meletzky ja schon für die Kollegen aus Münster gearbeitet hätte. Das ist kein Zufall, weil Die Fette Hoppe doch sehr an die Münsteraner Tonlage erinnert, aber Frau Meletzky hat mit der Hannoveraner Doppelfolge auch schon das Weihnachts-TATORT-Event 2012 bestreiten dürfen. Es ist mittlerweile eben Geschmackssache, ob man sich in einem Krimi eine spannende Kriminalhandlung erwartet. Unserer Meinung nach wäre etwas weniger Münster und etwas mehr Hannover besser für Weimar gewesen.

Polizeichef Stich bittet Kira Dorn, den Neuen schonend zu behandeln. Bild: MDR/Andreas Wünschirs

Bei einer eindimensional gestrickten, bösen Ermordeten und einem kleinen kauzigen Kosmos netter Verdächtiger mit interessanten Lebensgeschichten verliert der Zuschauer das Interesse an der Auflösung und somit an der Handlung und lässt sich nur noch von den netten Dialogen und den guten schauspielerischen Leistungen berieseln. Tschirner und Ulmen ist ihre langjährige Freundschaft und Zusammenarbeit natürlich in jeder Szene anzumerken, was auch in einem richtigen Krimi von Vorteil sein könnte. Hervorzuheben aber ist der großartige Thorsten Merten in der Rolle des Hauptkommissars Stich, der die dringend notwendige Würze in das harmonische Miteinander von Ulmen und Tschirner bringt. Merten beschreibt, dass es für ihn schwer war, schauspielerisch zwischen die beiden Hauptdarsteller zu kommen. Da aber genau das seine Rolle als Hauptkommissar Stich ist, haben die Zuschauer besondere Freunde an dieser Leistung. Immerhin kommt Merten sogar aus Thüringen in einem TATORT, dessen sonstige Weimarer aus Dresden, Paris, Berlin und Leningrad stammen.

Die Fette Hoppe ist nett und man müsste schon ein böser Mensch sein, um ihn nicht zu mögen. Ein böser Mensch, der kleine Kinder hasst und Schwangere schubst. Und natürlich freuen wir uns auf die Fortsetzung, von der wir uns allerdings mehr Spannung erhoffen. Denn nett allein reicht uns auch zur Adventszeit nicht. Nett ist, wie man nicht vergessen darf, die kleine Schwester von... Ach, wir wollten ja keine Spielverderber sein.



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