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Heute ist der: 20.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

TATORT auf Nordsee-Insel

"Inga Lindström" mit Toten

Die Kommissare Thorsten Falke und Katharina Lorenz sind bei ihrem zweiten Fall eigentlich in inoffizieller Funktion auf der Nordseeinsel Langeoog. Gegen alle Dienstvorschriften und den Widerstand der lokalen Kollegen ermitteln sie auf eigne Faust in einem brutalen Mordfall. Sie widersetzen sich damit den zuständigen Kollegen der Auricher Mordkommission und deren Leiterin Christine Brandner. Für die ist der Fall schnell klar: Eine Tote liegt in den Dünen und neben ihr sitzt der verstörte, blutverschmierte Teenager Florian ? der vermeintliche Täter.

Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller).© NDR / Boris Laewen

Wie das Land so der TATORT ?

Die Insel ist ein Symbol, dass für Isolation, Einsamkeit und Zivilisationsferne steht, aber immer auch als Projektionsfläche für Sehnsüchte aller Art herhalten durfte.  "Keine Staus. Keine Hektik. Keine Cocktailpartys. Keine Handys. Keine Meetings. Keine Kompromisse.", machten daraus vor einigen Jahren ein paar clevere Werbetexter. Eine sehr erfolgreiche Angelegenheit für die so beworbene Biermarke, und Verantwortliche beim NDR scheinen gedacht zu haben: Was die Werbung kann, kann der TATORT schon lange. Bereits in der ersten Szene steht der urlaubsreife Kommissar Falke, werbeästhetisch stilsicher und friesisch herb in den Dünen, um zu verkünden: ?Ich brauche Urlaub. (?) Ich habe so viele Überstunden, ich kann ein Auslandssemester nehmen?.

Doch aus dem wohlverdienten Urlaub wird natürlich nichts. Kaum hat es sich Falke bei Familie Katz in deren Reetdach-Idylle gemütlich gemacht, gerät der Schwager von Falkes gutem Freund Jan unter dringenden Mordverdacht. Jan bittet Falke eindringlich um Hilfe, geht es nicht zuletzt auch um seine Ehe bei der Sache. Die folgende Spurensuche wird zu einer persönlich sehr verzwickten Angelegenheit.

Florian Meinders (Leonard Carow) Bild: NDR/ Boris Laewen

?Ich find dich jetzt schon scheiße, Falke aus Hamburg?

Wie erwartet sind die Insulaner verschlossen und die Ermittlungen gestalten sich schwierig. Einen Insel-TATORT , hatten die Verantwortlichen im Sinn und tolle Darsteller, einen fantastischen Drehort und eine klassische ?Wer-hat-es-getan? Geschichte zur Verfügung. Das dieser TATORT dennoch vermurkst wurde tut weh.

Meist schleppend, und manchmal unfreiwillig komisch zieht sich die Ermittlung unter aufdringlichem Musikeinsatz dahin. Faszinierende Landschaftsbilder dienen dem Selbstzweck und die zelebrierte Ursprünglichkeit beim Gitarre spielen und Fische ausnehmen drängt sich so gründlich und ungut in den Vordergrund, dass man meint in einer Reiseempfehlung für die Nordseeküste gelandet zu sein.

Eine Prise Selbstironie hätte diesem TATORT sicher gut getan. Haben doch in der Vergangenheit, die Grimme-Preisträger Holger Karsten Schmidt und Regisseur Markus Imboden gezeigt wie man das Problem des allzu pittoresken Regio-Krimis (?Mörder auf Amrum?) sehr erfolgreich umschifft. Leider landet ?Mord auf Langeoog? durch die Umsetzung schnell in der selben Schublade wie all die anderen filmisch-sentimentalen Inselträume.

Morbide Kunst trifft auf Inselidylle

Das alles wäre nicht so schlimm, wäre da nicht die heimliche und verbotene Liebe zwischen dem elternlosen Jungen und der deutlich älteren Künstlerin. Der eigentliche Dreh- und Angelpunkt der Geschichte trägt nicht. Sehr tapfer, aber nicht überzeugend, gibt Leonard Carow den traumatisierten Florian. Er schluchzt, weint, hetzt und stottert sich durch die Rolle des vermeintlichen Täters mit Gedächtnisschwund. Wie dieser pubertierende Jüngling allerdings zur Muse einer Künstlerin werden konnte und für Selbige interessant genug, um mit ihm einer leidenschaftliche Liebesbeziehung einzugehen, erschließt sich dem Zuschauer noch nicht mal durch die Rückblenden. Das zentrale Thema, die angedachte Ambivalenz von Florian, das echte Dilemma von Täter und Opfer, das bleibt uns der TATORT schuldig.

Christine Brandner (Nina Kunzendorf) Bild: NDR

?Wenn man dem anderen immer nur nach dem Mund plappert, hat die Freundschaft keinen Wert.? (Möhring)

Einzig und allein das Ermittlerteam rettet diesen Film hie und da über seine Schwächen hinweg.  Bereits im Erstling ?Feuerteufel? bekam die Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Typen Falke und Katz einen bedeuteten Platz zugewiesen und auch der zweite Fall spinnt die Geschichte der Männerfreundschaft glaubwürdig weiter. Es ist sehenswert wie die privaten Verwicklungen in dem Fall und die klaustrophobische Enge der Insel für Zündstoff zwischen allen Beteiligten sorgt. Ansonsten bleibt es ein hübsch anzusehender aber langweiliger Bilderbuch- TATORT. 

Nadja Israel


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